Ein Vollsperrungsschild mit Bauzaun am Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) (Quelle: dpa)
Abendschau | 29.03.2014 | Agnes Taegener

Hochrangiger BER-Mitarbeiter warnt - BER-Eröffnung 2016 "akut gefährdet"

Die Eröffnung des neuen Flughafens BER in Schönefeld könnte sich noch weiter verzögern. Ein hochrangiger Mitarbeiter der Flughafengesellschaft hält einen Flugbetrieb ab 2016 für unwahrscheinlich, weil noch immer eine klare Planung fehle. Der Mann erhebt schwere Vorwürfe gegen Flughafenchef Mehdorn.

BER-Eröffnung erst im Jahr 2017? Davor warnt ein hochrangiger Mitarbeiter des Flughafenprojekts. Er hat nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) ein entsprechendes Schreiben an den BER-Aufsichtsrat geschickt. So könnte der Bau des Flughafens Berlin Brandenburg noch deutlich länger dauern als bisher angenommen. Eine Inbetriebnahme für das Jahr 2016 sei "akut gefährdet", so Harald Siegle, Leiter des "Real Estate Managements".

Aktionismus ohne Abstimmung und Sachkunde

In seinem Brief kritisiert Siegle, dass es keine klare Planung gebe. Das Handeln sei von
Aktionismus ohne angemessene Abstimmung und Sachkunde geprägt, lautet der Vorwurf des Experten. Harald Siegle ist Architekt und Baufachmann und leitet das Real Estate Management seit 2009, schreibt die "SZ". Dort sei Siegle für die Vermarktung der Immobilien des Flughafens, auch des Terminals, verantwortlich.

Diesen Bereich wolle Mehdorn kurzfristig auflösen und aufteilen. Damit gingen "eine Reihe von Funktionen verloren, die für die Betriebssicherheit und die Fertigstellung des BER wesentlich sind", schreibt Siegle.

Martin Delius von den Piraten und Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses, sagte dem rbb: "Das es jetzt noch länger dauern soll, das ist erschreckend. Es zeigt vor allem: In der Flughafengesellschaft ist man sich nicht einig, wie es werden soll, wann der BER fertig werden soll." Ramona Pop von den Grünen fragt sich: "Was passiert eigentlich auf dieser Baustelle? Gibt es da nur Berater oder auch Arbeiter? Herr Mehdorn ist nach einem Jahr im Amt auch mal auskunftspflichtig. Er muss einen Zeitplan vorlegen."

Mehr als fünf Milliarden Euro für BER

Die Flughafengesellschaft wollte die Informationen gegenüber der Zeitung nicht kommentieren. Ein Sprecher von Mehdorn erklärte: "Die zügige, sichere und verlässliche Inbetriebnahme des BER steht im Zentrum unseres Handelns." Der neue Berliner Flughafen sollte eigentlich im Juni 2012 eröffnet werden.

Wegen technischer Probleme wurden dieser und weitere Termine gekippt. Mehdorn hatte zuletzt einen Start im Jahr 2016 nicht mehr ausgeschlossen. Die Kosten werden inzwischen auf mehr als fünf Milliarden Euro taxiert, ursprünglich waren rund zwei Milliarden angesetzt.

Niemand will sich festlegen

Beim Nennen eines Starttermins waren Aufsichtsräte und Mehdorn in letzter Zeit vorsichtig geworden. So wollte sich zum Beispiel der BER-Chef im rbb-Interview nicht festlegen. "Wir werden erst einen Termin nennen, wenn wir mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen können: Ja, das halten wir ein." Nach Fertigstellung der Bauarbeiten müssten technische Tests durchgeführt werden, etwa vom TÜV und internationalen Luftfahrtbehörden. Wenn die noch Fehler finden, müsse nachgebessert werden: "Es gibt also eine gewisse Fremdbestimmung in dem Thema, die es uns heute nicht erlaubt, sauber und zuverlässig zu sagen: Dann und dann fliegt das Ding."

Der Bund selbst glaubt nicht an einen Termin im Jahr 2015. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Martin Burkert, sagte vor einigen Tagen dem rbb, eine dreimalige Verschiebung sei genug: Mehdorn solle jetzt lieber keinen neuen Eröffnungstermin nennen.

Und auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), wollte sich unter der Woche nicht festlegen. "Es macht keinen Sinn, einen Eröffnungstermin zu nennen, so lange etliche bauliche Maßnahmen noch nicht vollendet sind. Insofern bitte ich da um etwas Geduld." Auch bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 11. April wird demnach kein Eröffnungstermin genannt.

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"Ich bitte da um etwas Geduld." Das sagt Klaus Wowereit vor der nächsten BER-Aufsichtsratssitzung am 11. April. Vorsorglich, denn auch dann wird es keinen Eröffnungstermin für den Flughafen BER geben. Auch beim Streit über das Nachtflugverbot legt er sich fest: Das Thema ist geklärt - das betrifft auch die Wünsche der Brandenburger.