
Überhitzungsgefahr im Kabelkanal - BER-Verantwortliche stehen vor neuen technischen Problemen
Wenn es nach BER-Chef Hartmut Mehdorn geht, startet der BER im Testbetrieb zur Jahresmitte. Ende 2014 sollen dann die wesentlichen Bauarbeiten in Schönefeld abgeschlossen sein. Doch es tauchen offenbar neue technische Probleme auf: Laut einem flughafeninternen Vermerk ist der zentrale, mehrere hundert Meter lange Kabelkanal überbelegt, so dass sich bei vollem Betrieb der Kanal überhitzen könnte.
Beim Bau des BER-Flughafens sind laut Medienberichten neue Planungsfehler aufgetaucht. Der zentrale Kabelkanal unter dem Terminal des neuen Airports sei einem flughafeninternen Vermerk zufolge überbelegt und damit wegen Überhitzungsgefahr nicht betriebsbereit. Das berichteten der "Spiegel" und die "Bild"-Zeitung am Wochenende.
Bei vollem Betrieb könnten Leitungen durchschmoren und Kurzschlüsse verursachen, wodurch der Flughafen zu weiten Teilen lahmgelegt werden könnte. Ein TÜV-Berater habe in dem Vermerk vor einer Inbetriebnahme als "grob fahrlässige Handlung" gewarnt.
Flughafengesellschaft sucht nach Lösungen
Zurzeit werde der Einbau einer Klimaanlage geprüft. Sollte sich das als zu kompliziert erweisen, müssten Kabel entfernt werden. Doch für Ersatzkabeltrassen gibt es dem Bericht zufolge noch keine Planung. Weder die Kosten noch die Dauer der Umbauarbeiten seien abzuschätzen, zitierte der "Spiegel" aus dem Vermerk.
Ein Sprecher der Flughafengesellschaft habe den Vorgang im Kern bestätigt. Derzeit würden "Lösungen erarbeitet". Flughafensprecher Ralf Kunkel sagte, dass das Problem seit Monaten bekannt sei. Seit rund einem halben Jahr werde an Lösungen gearbeitet. Für den Flughafen seien nicht die Kabeltrassen das entscheidende Thema, sondern dass bald die Entrauchungsanlagen funktionieren.
Umfangreiche TÜV-Abnahmen sind nötig
Die neuen Mängel stellen die ambitionierten Pläne von Flughafenchef Hartmut Mehdorn in Frage. Dieser hatte erst vergangenen Montag im Flughafen-Sonderausschuss des Brandenburger Landtags gesagt, dass der künftigen Hauptstadtflughafen in diesem Jahr weitgehend fertiggestellt werden soll. "Wir gehen davon aus, dass wir bis Jahresende zu einem weitgehenden Bauende kommen", so Mehdorn.
Anschließend seien noch umfangreiche TÜV-Abnahmen und Genehmigungen notwendig, deren Dauer noch nicht absehbar seien, sagte Mehdorn. Einen Termin für die Eröffnung des von Pannen überschatteten Projekts wollte er aber weiter nicht nennen. Die Eröffnung des Flughafens war wegen Baumängeln mehrmals verschoben worden.
Probebetrieb ab 1. Juli in Gefahr?
Mehdorn plant darüber hinaus, ab Juli einen kleinen Testbetrieb mit bis zu zehn Maschinen täglich am Nordpier zu beginnen. Damit könnten alle technischen Systeme frühzeitig getestet und Fehler ausgemerzt werden, sagte Mehdorn.
Genehmigungen vom Bauordnungsamt, Zoll und Polizei seien bis dahin erreichbar. Die Kosten in Höhe von 5,5 Millionen Euro, die für den Probetrieb anfielen, würden sich schnell bezahlt machen, da es so später im Vollbetrieb zu weniger Pannen und Fehlern kommen werde, argumentierte Mehdorn.
Ob der Testbetrieb kommt, hängt aber nicht nur von den neuen technischen Problemen ab, sondern auch vom Aufsichtsrat. Der muss den Testbetrieb genehmigen. "Wenn die Bedingungen erfüllt sind, wird der Aufsichtsrat zeitnah entscheiden", äußerte sich Wirtschaftsministers Ralf Christoffers (Linke), der in dem Gremium sitzt.




