Tower und Flughafengebäude Tegel (Quelle: dpa)

Debatte über TXL-Weiterbetrieb - Mehdorn: Tegel soll nicht "Premiumstandort" werden

Der Flughafen Tegel soll als "Premiumstandort" erhalten bleiben? Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat einem entsprechenden Medienbericht widersprochen. Kritiker zeigen sich von der Debatte genervt.

Hartmut Mehdorn hat am Freitag in einer Mitteilung einem Bericht der "Zeit" widersprochen, demzufolge der altgediente Berliner Flughafen Tegel (TXL) zu einem Premiumflughafen umgewandelt werden solle: "Die Behauptungen des Artikels entsprechen im Wesentlichen nicht den Tatsachen, sondern sind lediglich Mutmaßungen des Autors", sagte Mehdorn.

In dem Bericht der Wochenzeitung hieß es, TXL solle zum innerstädtischen Premiumflughafen für Geschäftsflieger und VIPs werden. Ab 2019 soll es dort demnach 42 Flugbewegungen pro Stunde geben - genauso viele wie am geplanten neuen Flughafen BER, also im Durchschnitt alle 86 Sekunden ein Flugzeug. Der neue Flughafen in Schönefeld soll demnach vor allem den Verkehr von Billigfliegern und Linienmaschinen abwickeln.

Wie es derweil um die Großbaustelle BER tatsächlich bestellt ist, wissen wohl nur die unmittelbar Beteiligten. Die offizielle Strategie vom Flughafenchef lautet: Erst mal keinen Termin für eine große Eröffnungsparty festlegen und in kleineren Schritten denken. Möglich wäre danach ein Teil-Betrieb zum Jahresende in Schönefeld - mit zwei kleinen Fluggesellschaften und sechs oder acht Flugzeugen am Tag. "So können wir testen, wie etwa die Gepäckabfertigung, die Sicherheitskontrolle und die Feuerwehr funktionieren."

Passagiere sitzen im Wartebereich im Flughafen Tegel (Quelle: dpa)
Mehdorn ist ein Strategiepapier für einen VIP-Flughafen nicht bekannt.
Die Zeitung bezog sich als Quelle auf ein internes Strategiepapier der Betreibergesellschaft, das im Mai entstanden sein soll. Ein solches Papier sei ihm nicht bekannt, hob Mehdorn am Freitag hervor. "Es bleibt dabei, dass ich im September dem Aufsichtsrat einen Fahrplan zur Eröffnung des BER vorlegen werde."

Mehdorn hatte vor einigen Wochen die für 2017 und 2018 geplante Sanierung der Nordbahn Schönefelds als Argument für den Weiterbetrieb von Tegel genannt.
Harald Wolf Die Linke (Bild: dpa)
Harald Wolf ist genervt von TXL-Debatte.

Politiker fordern Konzentration auf BER

Die Gesellschafter warnen vor den Kosten für einen Doppelbetrieb. Der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus, Delius (Die Piraten), sagte am Donnerstag im rbb, es stelle sich die Frage, ob Mehdorn tatsächlich noch die Interessen der Flughafengesellschafter vertrete.

Der verkehrspolitische Sprecher der Linksfraktion, Harald Wolf, sagte ebenfalls im rbb, die permanente Diskussion über Tegel sei "nervig". Es sei nicht Mehdorns Aufgabe, rechtliche Grundlagen und politische Beschlüsse zu ändern, so Wolf. Auch Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne nannte die ganze Diskussion "Geschwätz". Es gebe klare rechtliche Bedingungen und alle Beteiligten sollten sich an ihren eigentlichen BER-Aufgaben abarbeiten und nicht "irgendwelche Nebenschauplätze" aufmachen.

Planfestellungsbeschluss ist weiter gültig

Laut Planfeststellungsbeschluss muss Tegel ein halbes Jahr nach Eröffnung des neuen Flughafens jedoch schließen. Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD), der am Donnerstag nach seinem Schlaganfall wieder die Amtsgeschäfte als Ministerpräsident Brandenburgs aufnahm, sagte dem Tagesspiegel: "Ich kann dazu im Moment nichts sagen." Und in der Berliner Senatskanzlei hieß es erneut: "Das Thema Tegel ist politisch entschieden – im Einvernehmen aller Eigentümer."

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