Gleisbett am Haltepunkt Schichauweg in Berlin (Bild dpa)

Tunnel unter Lichtenrade - Einigung bei "Dresdner Bahn" in Sicht

Seit 15 Jahren tobt der Streit über die "Dresdner Bahn" in Lichtenrade: Weil der Ort durch eine geplante Bahntrasse zum BER geteilt werden würde, fordern die Anwohner eine Untertunnelung des Ortes. Lange sagte die Deutsche Bahn Nein - doch Bahnchef Grube scheint nun seine Meinung geändert zu haben.

Wenn über den BER gesprochen, geschrieben und geschimpft wird, wenden sich die Blicke meist direkt zur umstrittenen Baustelle. Dabei gibt es auch kleinere Schlachtfelder rund um den geplanten Hauptstadtflughafen. Zum Beispiel in Berlin-Lichtenrade. Der Ortsteil von Tempelhof-Schöneberg ist nicht nur durch den Fluglärm des BER, sondern auch durch die geplante Bahnstrecke dorthin betroffen ist: die sogenannte "Dresdner Bahn".

Bahn-Chef Rüdiger Grube bezeichnete sie einst als letztes Mosaikstück eines Streckenkonzepts, das im Zusammenhang mit dem Bau des Berliner Hauptbahnhofs entwickelt worden war. Auf dieser Strecke würden Züge vom Hauptbahnhof zum neuen Flughafen in Schönefeld nur 20 statt derzeit 30 Minuten benötigen.

Erst ab 2020 sollen ICE und Expresslinien auf der Trasse in Richtung BER fahren. Doch die würde Lichtenrade teilen. Direkt neben der S-Bahn würden die Züge dann durch den Ortsteil rasen - geschützt von einer bis zu sechs Meter hohen Wand. Die Initiative "Lichtenrade Dresdner Bahn e.V." setzt sich deswegen für eine Tunnellösung ein, der am S-Bahnhof Schichauweg startet, kurz hinter der Landesgrenze bei Mahlow sollen die Züge dann wieder auftauchen.

Rot die aktuelle Streckenführung, gelb die kurze Route der "Dresdner Bahn" (Grafik Abendschau)
Rot die aktuelle Streckenführung, gelb die geplante "Dresdner Bahn"

Grube: Tunnel ist "vernünftige Lösung"

Die Bahn und der Bund lehnte das Konzept eines Tunnels durch Lichtenrade lange ab: zu teuer, so die Begründung. Wie teuer genau der Tunnel werden könnte, ist unklar. Schätzungen gehen von 100 Millionen Euro aus, ein Fünftel der Gesamtkosten des Projekts. Nun aber scheint Bewegung in die Sache gekommen zu sein.

Jan-Marco Luczak, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Tempelhof-Schöneberg, berichtet nun von einem Treffen mit Grube. Was der Bahnchef dort sagte, sei sehr erfreulich gewesen, so Luczak. "Er hat den Tunnel für die Dresdner Bahn durch Lichtenrade als die vernünftigste Lösung bezeichnet. Er wird sich für sie einsetzen, weil er sie am ehesten für durchsetzbar hält."

Bürgerinitiative vorsichtig optimistisch

Rainer Welz hat die Nachricht vom Sinneswandel bei der Bahn zwar positiv aufgenommen. Doch 15 Jahre in der Lichtenrader Bürgerinitiative für den Dresdner Bahn-Tunnel haben den 70-Jährigen vorsichtig gemacht.

"Wir sind nicht euphorisch, weil nach einer Ankündigung auch die Taten folgen müssen. Da sind die Bahn, der Bund und das Land Berlin gefordert, jetzt eine finanzielle Lösung über die Kosten des Tunnels hinzubekommen."

Und genau da stockt das Projekt bislang. Im vergangenen Herbst hatten sich Bund und Land getroffen. Der Bund habe die grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, sich an den Kosten für den Tunnel zu beteiligen, wenn auch das Land Berlin seinen Teil daran trage, sagt der Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, Sebastian Rudolph. Das Ergebnis des Gespräches: "Berlin prüft das nun und macht einen möglichen Finanzierungsvorschlag. Da ist das Land noch nicht wieder auf uns zugekommen.

Land Berlin will Teilkosten übernehmen

Im Koalitionsvertrag hat sich der rot-schwarze Senat bereits darauf festgelegt, einen Teil der Tunnelkosten zu zahlen. Offenbar aber lieber einen möglichst kleinen Teil, denn Verkehrssenator Michael Müller (SPD) sagt: "Das Land Berlin wird natürlich nicht erhebliche Mehrkosten, die möglicherweise durch ein aufwändigeres Verfahren entstehen sollten, tragen können. Wir stehen zu unserem Wort, dass wir uns beteiligen, alles andere muss jetzt verhandelt werden."

Die Senatsverkehrsverwaltung will nun zu einer Runde einladen, bei der Bund, Bahn und Berlin gemeinsam an einem Tisch sitzen. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht.

Und die offizielle Antwort der Deutschen Bahn steht ebenfalls noch aus.

Korrektur: Die Zeichnung, die wir Ihnen vom Tunnel gezeigt haben, wird nicht von der BI
"Lichtenrade Dresdner Bahn e.V." unterstützt, sondern von einer anderen Initiative. Wir berichten in Kürze mehr darüber.

Das zu untertunnelnde S-Bahn-Teilstück

Beitrag mit Informationen von Susanne Gugel