
Befragung im Untersuchungsausschuss - Auch Ex-Projektleiter kann BER-Debakel nicht erklären
Wer ist schuld an den Verzögerungen beim Bau des BER? Um diese Frage zu klären, befragte der Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus am Freitag den früheren Gesamt-Projektleiter des Flughafen-Neubaus. Joachim Korkhaus aber weist die Verantwortung für die geplatzte Eröffnung von sich - und sieht die Schuld woanders.
Seit über einem Jahr versucht der Flughafen-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, Licht ins Dunkel des BER-Debakels zu bringen. Am Freitag befragten die Abgeordneten dazu den früheren Gesamt-Projektleiter des neuen Flughafens in Schönefeld, Joachim Korkhaus - und wurden erneut enttäuscht. Denn auch Korkhaus konnte nicht darüber aufklären, wie es zur geplatzten Eröffnung kommen konnte, obwohl bei ihm alle Fäden zusammenliefen und er nach eigenen Aussagen immer wieder auf Rückstände hinwies.
Die Probleme führte Korkhaus darauf zurück, dass das Vorhaben im Bau mehrfach erweitert wurde. Verantwortlich machte er zudem den Projektsteurer WSP und die Bauüberwachung durch den Generalplaner PG BBI um das Büro des Flughafen-Architekten Meinhard von Gerkan. Korkhaus legte ihnen falsche Angaben zum Planungsstand und zur Kostenentwicklung zur Last.
Jeden Monat bis zu 300 Mängelrügen
"Im Terminal war es so, dass wir jeden Monat merkten, dass die Kosten schon wieder ein Prozent höher lagen, als wir vier Wochen zuvor dachten", sagte der 56-Jährige. Es habe jeden Monat neue Überraschungen gegeben - was 200 bis 300 Mängelrügen durch den Flughafen nach sich gezogen habe, erklärte Korkhaus, der heute im "Sprint"-Team von Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn arbeitet.
Der Bauüberwachung und der Steuerung habe es an Personal gefehlt, das sich mit technischer Gebäudeausstattung auskenne, kritisierte Korkhaus. Dazu zählt die Brandschutzanlage. Weil sie nicht funktioniert, platzte im vergangenen Jahr die Eröffnung.
Bis Mitte 2012 sei er der festen Überzeugung gewesen, dass der 3. Juni als Eröffnungstermin gehalten werden könne, sagte Korkhaus im Untersuchungsausschuss. Beim unterirdischen Bahnhof habe man Rückstände aufholen können. Deshalb sei er bis zuletzt davon ausgegangen, dass das auch beim Terminal und der Brandschutzanlage möglich wäre, erklärte Korkhaus weiter.

Der frühere Generalplaner belastete auch Horst Amann, den inzwischen abgesetzten Technik-Chef. Im Sommer 2012 habe Korkhaus mit seinem Team versucht, Rückstände aufzuholen und das Projekt wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Amann habe aber diesen Weg abgebrochen und ganz von vorn angefangen. Das habe noch einmal zusätzlich Zeit und Geld gekostet.
Abgeordnete mit Aussage unzufrieden
Frank Zimmermann von der SPD-Fraktion sieht in der Aussage von Korkhaus einen Widerspruch. Dieser Zeuge habe einerseits auf Probleme etwa bei den Planern hingewiesen, habe aber bis kurz vor Ultimo gesagt, man schaffe es.
Andreas Otto (Grüne) sieht ein Organisationsversagen, "wo sehr viele Beteiligte, vom Aufsichtsrat über die Geschäftsführung und jetzt auch tatsächlich bis in die oberste technische Bereichsleitung, nicht so richtig Bescheid wussten". Das sei für eine Milliarden-Investition der öffentlichen Hand ein Fiasko.
Jutta Matuschek (Linke) sieht die Aussagen von Korkhaus skeptisch. Zu seiner Funktion habe unter anderem das Vertragskontrolling zu den Planern, zu den Projektsteuerern und zu den einzelnen Firmen gehört, so Matuschek. "Und er erzählt uns hier ernsthaft, er hätte erst am 4. Mai die Erkenntnis gewonnen, dass die Inbetriebnahme nicht möglich ist." Korkhaus habe als Gesamtprojektleiter kollossal versagt.
Aus Sicht aller Fraktionen hat Korkhaus sich in so viele Widersprüche verstrickt, dass der Ausschuss ihn im Januar wieder vorladen wird.






