Brandenburg aktuell | 27.11.2013 | Jana Göbel

Experte hält Testbetrieb für "idiotisch" - Zweifel an Mehdorns "BER light"

Beim geplanten Testbetrieb am BER-Nordpier rutschen die Termine. Flughafenchef Mehdorn wollte erst im Herbst 2013, dann im Frühjahr 2014 mit einem "Mini-Airport" an den Start gehen. Doch Experten zweifeln nun auch diesen Termin an - und halten den Testbetrieb prinzipiell für wenig sinnvoll. Beitrag von Jana Göbel

Baugerüste überspannen wie Brücken die Gepäckbänder, Kabelstränge bedecken den Boden und Sitzbänke sind mit Folie abgedeckt. Doch der für den BER typische Eindruck einer Dauerbaustelle täuscht zumindest am Nordpier: Eine funktionierende "Mini-Ausgabe" des künftigen Hauptstadtflughafens soll hier entstehen. Geschäftsführer Hartmut Mehdorn will in diese Halle, die an das Hauptterminal angrenzt, alles reinbauen, was ein richtiger Airport braucht: Empfangsbereich, Check-in, Sicherheitskontrollen, Zoll, Ein- und Ausstieg zum Flugzeug, Gepäckbänder und Schalter für die Airlines.

"Ummöblierung" nennt das die Flughafengesellschaft lapidar. Dabei musste in Wirklichkeit ein weiterer Bauantrag für den Pier Nord eingereicht werden. Und der war auch noch mangelhaft: Es fehlten Lagepläne, Maßangaben, Flurstücknummern... und ein Brandschutzkonzept.  "Für beide Anträge fehlen uns immer noch Unterlagen, und das ist ganz wichtig, um die Weiterverarbeitung zu sichern", sagt Stephan Loge, Landrat von Dahme-Spreewald.

Gepäckband und Baustelle am Nordpier des BER (rbb/Jana Göbel)
So sieht es zurzeit am Nordpier aus.

"Ich halte das Projekt für völlig idiotisch"

Was also bringt dann ein Testbetrieb? Die Flughafenmanager wollen am Pier Nord die Systeme für den gesamten Flughafen prüfen, unter anderem Stromleitungen, Brandmelder, Datennetze, während auf der Baustelle tausende Mängel beseitigt werden müssen. Das ginge auch mit 3 bis 10 Flugzeugen am Tag, versichert ein Flughafensprecher dem rbb.

"Ich halte, mit Verlaub, das Projekt für völlig idiotisch", meint hingegen Informatik-Professor Werner Zorn. Er betreut an der Universität Potsdam eine Vorlesungsreihe über das Scheitern von Großprojekten, dabei geht es auch um den BER.

"Wir zerlegen immer Großsysteme, sowohl in der Analyse als auch in der Realisierung, in Teilsysteme, die dann später zusammengefügt werden", sagt Zorn. So geschieht es zum Beispiel in der Automobilindustrie, wo einzelne Komponenten sowohl einzeln als auch im Zusammenspiel mit anderen Systemen geprüft werden. "Aber wenn ich zum Beispiel die Lichtmaschine an einem VW teste, kann ich keine Aussage machen über den gesamten neuen Golf."

Grüne fordern Stellungnahme des Aufsichtsrats

Skepsis zum Testbetrieb am Pier Nord gibt es auch bei der politischen Opposition. Schließlich muss die gesamte Zwischenlösung kurz vor der endgültigen Inbetriebnahme wieder abgebaut werden. Die Grünen fordern, dass sich die Flughafengesellschaft nicht verzettelt, sondern sich auf die Fertigstellung des BER konzentriert.

"Der Aufsichtsrat sollte sich in seiner Dezember-Sitzung dazu verhalten", sagt Ramona Pop, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. "Und wenn es bei der Skepsis bleibt, die alle haben, muss er die Reißleine ziehen, damit sich das nicht wieder zu einer endlosen Geschichte ausweitet, die nur Geld kostet und zum Schluss nichts gebracht hat."

Sechs Millionen Euro soll der Testbetrieb am Nordpier kosten, und das für gerade einmal zehn Flugzeuge am Tag. Der Erfolg der Maßnahme für das gesamte Großprojekt BER ist alles andere als garantiert. Fest steht allerdings schon jetzt: Die Aufsichtsratsmitglieder können hinterher nicht sagen, sie hätten von den Risiken nichts gewußt.

Beitrag von Jana Göbel