Flughafen Berlin Brandenburg - BER-Eröffnung wird nochmals verschoben

Die Eröffnung des Flughafens BER wird laut rbb-Informationen nochmals verschoben. Statt März soll es nun erst im Oktober 2013 so weit sein. Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck hat den Aufschub bestätigt.

Der neue Flughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld kann nicht im März, sondern erst im Oktober kommenden Jahres eröffnet werden. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bestätigte dem rbb am Dienstag, dass der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft am Freitag über eine Verschiebung auf einen Herbsttermin beraten wird.

"Horst Amman wird das so vorschlagen, nach meiner Kenntnis. Und wir werden am Freitag im Aufsichtsrat darüber intensiv sprechen. Wir werden wahrscheinlich viele andere noch konsultieren, Airlines und andere. Und dann werden wir zu einer Entscheidung kommen."

Nach der überraschenden Verschiebung im Mai wegen erheblicher Brandschutzmängel war die Eröffnung eigentlich für den 17. März kommenden Jahres vorgesehen. Der Oktober-Termin ist der nunmehr vierte Anlauf zur BER-Eröffnung.

Um eine Woche vorgezogen wurde dagegen die Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft. Sie sollte eigentlich am 14. September stattfinden.

Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter (Quelle: dpa)
Anton Hofreiter ahnte es schon.

Bundestags-Verkehrsausschuss nicht überrascht

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestages, Anton Hofreiter (Bündnis 90/Grüne) zeigte sich von der absehbaren weiteren Verzögerung nicht überrascht. Es habe sich in den vergangenen Wochen ja schon angedeutet, dass der Termin im März nicht zu halten ist, sagte er am Dienstag dem rbb.

Für das Debakel machte Hofreiter die Gesellschafter vom Bund und von den Ländern Berlin und Brandenburg verantwortlich. Nach der gescheiterten Eröffnung am 3. Juni habe man in einer Panikreaktion alle Planer entlassen. Seitdem stehe die Baustelle still.

Gründe für die beabsichtigte neuerliche Verschiebung der Flughafeneröffnung sind nach rbb-Informationen die weiterhin nicht funktionsfähige Brandschutzanlage und fehlende Planungsunterlagen. Außerdem ist es offenbar notwendig, einen Großteil der Verkabelung zu demontieren und neu zu installieren.
BER-Aufsichtsrat (dpa-August 2012)
BER-Aufsichtsrat in Schönefeld

Aufsichtsrat will am Freitag Finanzspritze erörtern

Auf seiner letzten Aufsichtsratssitzung im August hatte das Kontrollgremium des Airports eine Finanzspritze für das Prestigeprojekt beschlossen, um die drohende Zahlungsunfähigkeit der Flughafengesellschaft abzuwenden. Darauf einigten sich die drei Anteilseigner des Flughafens, die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund. "Es wird ein Mix sein aus Eigenkapital, aus Überbrückungskrediten und Gesellschafterdarlehen", sagte der Verkehrsstaatssekretär des Bundesverkehrsministeriums, Rainer Bomba (CDU) im Anschluss an die August-Sitzung.

Konkrete Summen wurden jedoch nicht genannt. Wie das neue Finanzierungskonzept konkret ausgestaltet werden soll, will der Aufsichtsrat nun am Freitag weiter beraten. Der Airport verursacht insgesamt geschätzte Mehrkosten von bis zu 1,177 Milliarden Euro.

Fragen und Antworten

Werbeplakat BER (Bild:dpa)

- Wie geht es weiter nach der Startverschiebung?

Die verpatzte Eröffnung und die unklare Zukunft des BER bedeuten nicht nur für die Region ein Imageverlust - sie stellt alle Beteiligten vor große logistische und wirtschaftliche Probleme. Fragen und Antworten zu den politischen und strukturellen Konsequenzen und der Zukunft des BER.

Auch Berliner Hauptausschuss wird über BER diskutieren

Fie erneute Verschiebung der Inbetriebnahme des Hauptstadtflughafens in Schönfeld wird Thema im Hauptausschuss des Brandenburger Landtags. SPD und Linke haben für kommenden Montag (10. September) eine Sondersitzung beantragt, wie der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Mike Bischoff, und der Linke-Fraktionsvorsitzende Christian Görke am Dienstag in Potsdam sagten.

Dort sollen die Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung vom Freitag (7. September) debattiert werden. Zuvor war bekanntgeworden, dass der Flughafen erst im Herbst 2013 eröffnet werden kann.

Auch die jüngsten Äußerungen der CDU-Fraktions- und Parteivorsitzenden Saskia Ludwig sollen Thema im Ausschuss sein."Wir wollen Frau Ludwig die Gelegenheit geben, ihre ungeheuerlichen Vorwürfe zu untermauern oder zurückzuziehen", sagte Bischoff. Ludwig hatte in einem Artikel in der rechtsgerichteten Zeitung "Junge Freiheit" vor allem die Medien des Landes scharf angegriffen und ihnen gelenkte Berichterstattung sowie Manipulation vorgeworfen.
Germanwings: Einmal Tegel und zurück.

Germanwings zieht von Schönefeld nach Berlin-Tegel

Die Lufthansa-Tochter Germanwings zieht wegen der Verzögerungen beim Bau des Hauptstadtflughafens in Berlin vom alten Airport Schönefeld zum Flughafen Tegel um. Ab Start des Winterflugplans werde Germanwings bis zur Eröffnung des Hauptstadtflughafens in Berlin-Tegel starten und landen, teilte die Lufthansa-Tochter am Dienstag in Köln mit.

Bislang hat Germanwings am alten Flughafen Schönefeld einen seiner fünf deutschen Hauptstandorte. Germanwings habe ursprünglich schon dieses Jahr gemeinsam mit der Mutter Lufthansa am neuen Hauptstadtflughafen starten wollen, sagte ein Unternehmenssprecher.

Die Tochter habe ihre Flugpläne dafür mit dem Mutterunternehmen abgestimmt. Wegen der Verzögerungen beim Bau des neuen Berliner Flughafens weiche das Unternehmen nun vorübergehend nach Tegel aus.

Der Flughafen Berlin-Tegel schließt, wenn der Hauptstadtflughafen in Betrieb geht, der unweit des alten Airports in Schönfeld in Bau ist. Germanwings muss dann seinen Berliner Standort noch einmal zurück in Richtung Schönefeld verlegen.