Der nächtliche Willy-Brandt-Platz (Airport City) vor dem Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg Willy Brandt (BER) in Schönefeld (Quelle: dpa)

Wowereit: Nachtflugdebatte ist beendet - Starttermin für BER bleibt weiter offen

"Ich bitte da um etwas Geduld." Das sagt Klaus Wowereit vor der nächsten BER-Aufsichtsratssitzung am 11. April. Vorsorglich, denn auch dann wird es keinen Eröffnungstermin für den Flughafen BER geben. Auch beim Streit über das Nachtflugverbot legt er sich fest: Das Thema ist geklärt - das betrifft auch die Wünsche der Brandenburger.

Wann der neue Hauptstadtflughafen in Betrieb geht, bleibt auf absehbare Zeit unklar. "Es macht keinen Sinn, einen Eröffnungstermin zu nennen, so lange etliche bauliche Maßnahmen noch nicht vollendet sind", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Dienstag. "Insofern bitte ich da um etwas Geduld." Auch bei der nächsten Aufsichtsratssitzung am 11. April wird demnach kein Eröffnungstermin genannt.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn müsse die Chance bekommen, seine Vorhaben auf der Baustelle umzusetzen. Der 71-Jährige führe seine Aufgaben mit Verve aus, lobte Wowereit. Wenn es etwas zu kritisieren gebe, werde er das in den Gremien der Flughafengesellschaft ansprechen, sagte der Aufsichtsratschef. "Jetzt geht es darum, dass er die Chance bekommt, das umzusetzen, was in der Planung ist."

Wann der Flughafen in Betrieb geht, ist nach vier geplatzten Eröffnungsterminen unklar, möglich erscheint im Moment ein Start 2016. "Wir werden nur dann einen Termin sagen, wenn der auch wirklich so belastbar ist, dass er nach aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr infrage steht", sagte Wowereit. "Ich selbst bin eigentlich ein sehr ungeduldiger Mensch, aber beim Flughafen muss man Geduld lernen."

Nachflugverbot bleibt - aber mit Ausnahmen in Randzeiten

Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl in Brandenburg schloss Wowereit aus, dem Potsdamer Drängen nach längeren Verbotszeiten für Nachtflüge nachzugeben. "Es gibt ein Nachtflugverbot, das ist rechtlich nicht mehr anzugreifen, und es gibt aber auch die Randzeiten, in denen es Ausnahmen gibt."

Diese Randzeiten seien wichtig für die Weiterentwicklung des Flughafens. "Da wird Berlin nicht dran rütteln lassen, der Bund auch nicht." Im Zentrum könne jetzt nicht die Frage stehen, wie Berlin Brandenburg entgegenkomme oder nicht. Trotz der Querelen in den vergangenen Wochen bejahte Wowereit die Frage, ob er das Nachbarbundesland noch für einen verlässlichen Partner halte.

77 Flüge in Randzeiten möglich

Die bestehende Nachtflug-Regelung durch den Planfeststellungsbeschluss am BER sieht vor, dass zwischen 0 und 5 Uhr keine regulären Flüge erlaubt sind. Zwischen 22 und 0 Uhr, sowie zwischen 5 und 6 Uhr ist eine begrenzte Zahl an Flügen erlaubt – genau 77. Die meisten dieser Flüge müssen zwischen 22 und 23 Uhr stattfinden. Von 23 bis 0 Uhr und 5 bis 6 Uhr dürfen nur rund 30 Flieger starten oder landen.

Laut Prognosen wird 2025 in einer durchschnittlichen Nacht zwischen 22:30 und 23 Uhr mit 13,4 Flugbewegungen gerechnet, zwischen 23 und 23:30 Uhr sind es 10,4 und zwischen 23:30 und 0 Uhr 3,9.

Im Februar 2013 hatte der Brandenburger Landtag einem Volksbegehren zugestimmt, das ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr fordert. Berlin hatte dem jedoch Anfang März erneut eine Absage erteilt.

Nachtflugverbote weltweit

"Ein Hauptstadt-Airport sollte nach meiner Überzeugung überhaupt keinerlei zeitlichen Einschränkungen unterliegen, 24 Stunden offen sein. So ist es auf der ganzen Welt", behauptet BER-Chef Hartmut Mehdorn. Doch es gibt Beispiele, die zeigen, dass Mehdorn nicht recht hat.

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