Feuerlöscher in der Haupthalle des neuen Flughafens (dpa-Archivbild)

Lüftung undicht, Rolltreppen zu kurz - Bericht listet Vielzahl von Baumängeln am BER auf

Regenwasser in der Lüftung, Bahnhof nicht mit dem Brandmeldesystem verbunden, einige Rolltreppen zu kurz: Ein Bericht listet zahlreiche Mängel am BER auf. Brandenburgs CDU-Fraktionschef spricht von Hiobsbotschaften.
Auf der Baustelle des neuen Berliner Flughafens BER sind laut Bundesverkehrsministerium neue Mängel entdeckt worden. Das berichtet die "Bild am Sonntag" mit Bezug auf ein internes Protokoll einer Bauinspektion. Darin heißt es auch, dass die Bauarbeiten seit dem Sommer kaum vorangeschritten seien. Auf Anfrage von rbb-online bestätigte das Ministerium den Bericht und den Inhalt des Protokolls.

Demnach laufe etwa am Bahnhof des Flughafens "je nach Windrichtung Regenwasser von der westlichen Terminalfassade direkt in die Öffnungen des Lüftungssystems". Zudem habe das Brandschutzkonzept des Bahnhofs "keine Verbindung zur Brandmelderanlage des Flughafens", berichtet die Zeitung. Auch seien einige Rolltreppen "offenbar zu kurz", es fehlten dort mehrere Stufen.

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Arbeiter am BER vor einem Schild das Rauchen verbietet (Quelle: dpa)

- Was am BER alles schief läuft ...

Gleich mehrfach ist Eröffnung des neuen Flughafens verschoben worden. Grund dafür sind die massiven Baufehler insbesondere an der Brandschutzanlage. Das ist aber noch nicht alles. Eine kurze Übersicht.

Dombrowski sieht neue Hiobsbotschaften

Die Bauarbeiten sind dem Zeitungsbericht zufolge seit dem Sommer kaum vorangekommen. Bei einer Prüfung am 13. Dezember habe man "im Vergleich zum letzten Besuch am 31. August 2012 im Terminalbereich weiterhin nur geringfügige Aktivitäten" wahrgenommen, schreibt die "BamS". Es gebe Bereiche "von mehreren tausend Quadratmetern, die sich im Rohbauzustand befinden".

Der brandenburgische CDU-Fraktionschef Dieter Dombrowski sprach angesichts der Mängelliste von neuen "Hiobsbotschaften" und griff Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) als Aufsichtsratsmitglieder der Flughafengesellschaft an. Platzeck und Wowereit seien entschlossen, dem Flughafenchef Rainer Schwarz "die Treue zu halten. Warum sie das tun steht genauso in den Sternen wie der Eröffnungstermin", so Dombrowski.

BER im Schnee (dpa, Dezember 2012)
Technikchef Amann: "Wir sind im Plan."

Streit mit Baufirmen verzögert Arbeiten

Der Technikchef des Flughafens, Horst Amann, hatte die Aufsichtsratsmitglieder eigenen Angaben zufolge am 6. Dezember durch das Terminal geführt und über den aktuellen Stand der Arbeiten informiert. Zurzeit seien rund 300 Menschen damit beschäftigt, Probleme mit der Brandschutzanlage und den Kabeltrassen zu lösen, berichtete Amann nach der letzten Aufsichtsratssitzung am 7. Dezember und fügte hinzu: "Ich hätte mir gewünscht, dass wir schon mehr Bauarbeiten sehen, aber wir sind im Plan."

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist, hatte während der letzten Sitzung des Abgeordnetenhauses im Dezember eingeräumt, dass die Bauarbeiten etwa bei der Brandschutzanlage noch nicht wieder aufgenommen werden konnten. Er hoffe, dass die vertraglichen Vereinbarungen mit den betroffenen Baufirmen in den nächsten Tagen zum Abschluss gebracht werden und die Arbeiten dort bis Mitte Januar beginnen könnten, sagte Wowereit am 13. Dezember.
Peter Ramsauer in Berlin (Bild dpa)
Verkehrsminister Ramsauer fordert die Entlassung von BER-Chef Schwarz

Ramsauer schießt sich auf Schwarz ein

Zuletzt hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mehrfach die Entlassung von BER-Chef Rainer Schwarz gefordert. Der aber genießt weiterhin die Rückendeckung von Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD). Der Bund ist mit 26 Prozent an der Betreibergesellschaft des Flughafens beteiligt, die Länder Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent.

Die Eröffnung des BER musste unter anderem wegen Mängeln beim Brandschutz bereits mehrfach verschoben werden. Als Termin wird nun Oktober 2013 angepeilt. Die Verzögerungen verursachen auch hohe Zusatzkosten. Berichten zufolge soll der Airport statt ursprünglich 2,8 mindestens 4,3 Milliarden Euro kosten.