
Klare Kante gegen das Nachtflugverbot - Mehdorn holt zum Rundumschlag aus
Bauende im Frühjahr 2015, kein Nachtflugverbot und ein Loblied auf die chinesische Diktatur - Hartmut Mehdorn gießt wieder Öl ins Feuer: "Ein Hauptstadt-Airport sollte 24 Stunden offen sein", erklärte der Flughafenchef. Außerdem gehe in einer Diktatur wie China alles schneller als in Deutschland. Trotz aller von ihm beklagten Widerstände will Mehdorn den BER bis zum Frühjahr fertig haben.
Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn will mit dem ins Stocken geratenen Bau des neuen Hauptstadtflughafens spätestens bis zum Frühjahr 2015 fertig sein. "Wir haben ehrgeizige Ziele und eine klare Terminplanung.
Dazu gehört, das Bauende noch in diesem Jahr, spätestens im nächsten Frühjahr zu erreichen", sagte Mehdorn der "Bild am Sonntag". Zugleich zeigte er sich im Streit um ein Nachtflugverbot kompromisslos. Knapp ein Jahr nach seinem Amtsantritt stellte der Manager das Milliarden-Projekt grundsätzlich infrage, sollte es zu einem strengeren Nachtflugverbot kommen.
"Dann hätte man diesen Flughafen gar nicht bauen müssen"
"Eine Ausweitung des nächtlichen Flugverbots halten wir nicht für erforderlich. Sollte es dennoch dazu kommen, dann hätte man diesen Flughafen gar nicht bauen müssen", sagte Mehdorn der Zeitung. "Ein Hauptstadtflughafen sollte 24 Stunden offen sein. So ist es auf der ganzen Welt." Doch Recherchen von rbb-online zeigen, dass das gar nicht stimmt. Bei Flughäfen in Tokio, Seoul und Syndney gelten Nachtflugverbote, die allesamt schärfer ausfallen, als die derzeit beim BER geltende Regelung, wonach zwischen 0 und 5 Uhr kein Flieger starten darf (siehe Bildergalerie). Die Brandenburger Landesregierung setzt sich derzeit dafür ein, dieses Nachtflugverbot auf 22 bis 6 Uhr auszuweiten.
Diesen Forderungen erteilte Mehdorn nun eine glatte Absage. Zwar habe der Flughafen natürlich eine Verantwortung dafür, die Lärmbelästigung der Anwohner zu minimieren. Aber dafür gebe es bereits Lärmschutzmaßnahmen, "die es in diesem Ausmaß und dieser Qualität nirgendwo auf der Welt gibt". Jedes Gespräch in einem Büro mache mehr Lärm als die Landung eines Flugzeugs im Hausinneren in der Flughafenumgebung machen dürfe.
"Das ist totaler Blödsinn"
Die Bürgerinitiative Friedrichshagen reagierte empört auf diesen Vergleich. "Das ist totaler Blödsinn", sagte ihr Sprecher Joachim Quast am Samstag. "Solche Floskeln sind Bauernfängereien, die wieder einmal zeigen, wie wenig sich Herr Mehdorn mit dem Thema Schallschutz auseinandersetzt."
Kritik aus der Politik
Kritik an Mehdorns Äußerungen übte auch der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag, Rainer Genilke. "Durch die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen zur Nachtruhe wäre der Flughafen nicht gegenüber anderen europäischen Airports benachteiligt."
Verärgert über Mehdorns Äußerungen zeigte sich auch Brandenburgs Finanzminister und Flughafen-Aufsichtsratsmitglied Christian Görke (Linke). Er forderte Mehdorn auf, mehr Respekt vor dem Volksbegehren für ein längeres Nachtflugverbot zu zeigen.
Die Grünen-Politikerin Renate Künast kritisierte Mehdorns "rüpelhaften Umgang mit dem Schallschutz". Mehdorn solle nicht länger von seiner Aufgabe ablenken, sondern Ruhe geben und sich an die Arbeit machen, erklärte sie.
Brandenburg will Ausweitung auf acht Stunden
Seit langem gibt es Streit um ein strengeres Nachtflugverbot am BER. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) will eine längere Nachtruhe - gegen den Willen der anderen beiden Flughafen-Eigentümer, Land Berlin und Bund.
Bislang gilt das Nachtflugverbot laut Planfeststellungsbeschluss für die Zeit von 0.00 bis 5.00 Uhr. Ein Sprecher des Berliner Senats sagte am Samstag: "Wir haben diese Regelung und bei der bleibt es."
"In einer Diktatur wie China geht alles ganz schnell"
Mehdorn beklagte sich außerdem über das Baurecht in Deutschland. In einem Beitrag für das Magazin "Focus" monierte er, der Staat sei "völlig überreguliert". "Wir leisten uns eine undurchsichtige Kleinstaaterei, in jedem Bundesland gelten andere Regeln. Ständig
wird das Baurecht um neue Vorschriften und Normen ergänzt", schreibt der 71-Jährige.
So sieht Mehdorn Deutschland bei dem Bau von Großprojekten gegenüber Ländern wie China im Nachteil: "In einer Diktatur wie China geht alles ganz schnell, Budgets werden nicht demokratisch kontrolliert", sagte Mehdorn. Zu den Kosten für das Bauprojekt erklärte Mehdorn: "Am Ende wird der BER im internationalen Vergleich ein preiswerter Airport sein."








