Flughafenchef Hartmut Mehdorn (Quelle: dpa)
Video: Hartmut Mehdorn im Gespräch | 11.03.2014

BER-Chef Mehdorn im rbb-Interview - "Rücktritt? Diese Frage überspringen wir!"

Hartmut Mehdorn sieht ein Jahr nach seinem Amtsantritt als Flughafenchef keinen Grund für Selbstzweifel. Im rbb-Interview blieb er konkrete Antworten auf die Fragen nach Kosten und Eröffnungstermin zwar schuldig - die Verantwortung für die vielen Unsicherheiten sieht er aber bei anderen. Der Bund geht mittlerweile nicht mehr davon aus, dass der BER 2015 eröffnet werden kann.

Das Selbstbewusstsein von Hartmut Mehdorn scheint auch ein Jahr nach seinem Amtsantritt als Manager der Flughafenbaustelle ungebrochen. Auf die Frage nach eigenen Fehlern in seiner Amtszeit antwortete Mehdorn im rbb-Interview wie aus der Pistole geschossen: "Mir fällt da keiner ein." Gut 25 Minuten stellte sich der BER-Chef am Dienstagabend den Fragen von Boris Hermel und Dirk Platt.

"Sie werden noch mehr Sachen nicht erfahren"

Bei der Frage nach den Baukosten schmetterte Mehdorn ab: "Tut mir leid, da muss ich Sie schwer enttäuschen. Sie kennen noch mehr nicht, und Sie werden noch mehr Sachen nicht erfahren. Damit müssen Sie leider leben."

Er kenne die Zahlen, und das Meiste seien keine Mehrkosten: "Wir bauen einen Flughafen, der doppelt so groß ist wie er mal geplant war. Natürlich kostet ein Flughafen, der doppelt so groß ist auch annähernd doppelt so viel Geld: Wir haben mit dem Flughafen 2004 begonnen, für 15 Millionen Menschen; wir bauen ihn jetzt für 27 Millionen Menschen fertig."

Am Ende werde der BER nicht einer der teuersten Flughäfen der Welt, "sondern wahrscheinlich einer der preiswerten".

Klare Aussage zu Tegel

Von seiner Idee, den Flughafen Tegel weiter zu betreiben, um den bereits als zu klein dimensionierten  BER zu entlasten, ist Mehdorn offenbar endgültig abgerückt: Der Flughafen im Norden Berlins werde schließen, sechs Monate nachdem der BER geöffnet worden sei, sagte er.

Wann das sein wird, sagte der Flughafenchef nicht. "Wir werden erst einen Termin nennen, wenn wir mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen können: Ja, das halten wir ein." Nach Fertigstellung der Bauarbeiten müssten technische Tests durchgeführt werden, etwa vom TÜV und internationalen Luftfahrtbehörden. Wenn die noch Fehler finden, müsse nachgebessert werden: "Es gibt also eine gewisse Fremdbestimmung in dem Thema, die es uns heute nicht erlaubt, sauber und zuverlässig zu sagen: Dann und dann fliegt das Ding."

Bund: Eröffnung nicht mehr 2015

Der Bund jedenfalls rechnet nicht mehr damit, dass der BER im kommenden Jahr eröffnet wird. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Martin Burkert, sagte am Mittwoch dem rbb, eine dreimalige Verschiebung sei genug: Mehdorn solle jetzt lieber keinen neuen Eröffnungstermin nennen. Er gehe außerdem davon aus, dass der Flughafen teurer werde als bisher geplant: "Wir sind nicht blauäugig", sagte Burkert. Allein schon die Kosten für den Schallschutz seien enorm: "Wir haben im Schallschutz am Berliner Flaughafen jetzt schon Kosten von 700 Millionen Euro, der für den Schallschutz von 25.000 Haushalte ausgegeben wird. Das ist mehr als in der gesamten Bundesrepublik Deutschland."

"Diese Frage überspringen wir"

Flughafenchef Mehdorn sieht durchaus Fortschritte auf der Baustelel: Die Arbeiten kämen voran, aber nicht so schnell, wie er das wolle, erklärte er im Interview. Das liege aber nicht in seiner Verantwortung: "Wir müssen eine völlig neue Entrauchung und Entlüftung einbauen, in einem fertig gebauten Gebäude. In diesem verzwickten Baurecht, in dem wir uns befinden, heißt das: Sie müssen jede Planung über einem bestimmten Wert europaweit ausschreiben . Sie haben ständig irgendwelche Positionen, wo sie warten müssen, bis sich da vielelicht doch einer aus Portugal meldet, der sich an dieser Baustelle irgendwie einbringen möchte."

Ob er sich ein Szenario vorstellen könne, unter dem ein Rücktritt infrage käme, wollten die Moderatoren Hermel und Platt schließlich noch wissen. "Die Frage überspringen wir", erwiderte der 71-Jährige, "weil das nie stattfindet".

"Wie gut macht Herr Mehdorn seinen Job?"

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