rbb aktuell | 21.02.2014 | Boris Hermel und Andreas Hewel
Harsche Kritik an Mehdorn nach Absage des Teilstarts -
"Welche Spinnerei kommt als nächstes?"
Nach der Entscheidung von BER-Chef Hartmut Mehdorn, den Teilstart am Nordpier abzusagen, hagelt es Kritik von allen Seiten. Die CDU sieht das Vertrauensverhältnis zwischen Mehdorn und dem Aufsichtsrat massiv beschädigt. Der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses, Martin Delius (Piraten), spricht von Managementversagen. Und der zuständige Landrat sagt, dass die Baugenehmigung spätestens im Mai vorliegen würde.
Nach der Absage des BER-Teilstarts haben Politiker verschiedener Parteien scharfe Kritik an Flughafenchef Hartmut Mehdorn geäußert. Das Vertrauensverhältnis in Mehdorn sei massiv beschädigt, sagte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici, am Freitag dem rbb. Nach der Absage des Testbetriebs rechne er nicht mehr damit, dass die zuletzt angepeilte Eröffnung 2015 stattfinden werde.
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Abendschau | 20.02.2014 - Reaktionen aus Berlin
Mehdorn hat den Testbetrieb abgesagt. Dazu Reaktionen aus dem Berliner Abgeordnetenhaus.
Mehdorn hatte die Absage des Testbetriebs in einem Schreiben an seine Mitarbeiter mit mangelnder Unterstützung durch den Aufsichtsrat und die Bauaufsichtsbehörde begründet. Der Probebetrieb sei auch an der Bürokratie gescheitert, denn er hätte erst nach der vollen Nutzungsfreigabe durch das Bauordnungsamt des Nordpiers starten können.
Landrat Loge: Genehmigungen spätestens im Mai fertig
Doch der für die Genehmigungsbehörde zuständige Landrat des Dahme-Spreewald-Kreises, Stephan Loge (SPD), zeigte am Freitag wenig Verständnis für den zweiten Teil der Begründung. Er sei überrascht, dass Mehdorn zum jetzigen Zeitpunkt die Reißleine ziehe, sagte Loge dem rbb.
Die Genehmigung des Nordpiers selbst sei spätestens im März fertig und die Genehmigung für die Interimslösung dort, also den Probebetrieb, spätestens im Mai, so der Landrat. Dies habe man bereits deutlich gemacht, als die Änderungsunterlagen für das Nordpier Mitte Dezember eingegangen seien.
Mit anderen Worten: Die Genehmigung für den Probebetrieb hätte zwar nicht zu der für April terminierten Aufsichtsratssitzung vorgelegen. Vermutlich aber wenig später.
CDU spricht von Totalversagen Mehdorns
Mehdorn hatte in seiner schriftlichen Begründung auch kritisiert, dass der Flughafen-Aufsichtsrat erst wieder im April tage. Diese Begründung wollte der CDU-Politiker Oliver Friederici am Freitag nicht gelten lassen. Mehdorn habe jederzeit eine Aufsichtsratssitzung bekommen können. Doch schon bei der letzten Sitzung des Gremiums habe der BER-Chef nicht plausibel erklären können, wie die Teileröffnung - auch finanziell - laufen soll. "Da muss er offensichtlich jetzt kalte Füße bekommen haben", sagte Friederici.
Auch Stefan Evers, CDU-Mitglied im Abgeordnetenhaus, sieht inzwischen Probleme im Verhältnis zwischen Mehdorn und dem Aufsichtsrat. Das Vertrauen nach diesem "Ausfall Mehdorns" sei nicht so schnell wieder herzustellen. "Es ist ein Totalversagen von seiner Seite. Es ist billig, in dieser Situation die Schuld bei anderen zu suchen."
Immer noch Baustelle: der BER
Piraten sehen eine Reihe von Versagen
Martin Delius (Piraten), Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus, sagte im rbb, der Aufsichtsrat dürfe Mehdorn jetzt nicht länger freie Hand lassen. Der Flughafenchef rede sich mit der Ankündigung, der Gesamtstart des BER könne sich jetzt verzögern, aus einer "Reihe von Versagen" heraus: "Das Sprint-Team, das er groß angekündigt hat, ist aufgrund von Managementversagen quasi gescheitert. Und jetzt sehen wir, dass auch dieser Testbetrieb, so absurd er war, gescheitert ist", so Delius.
Der "Bonsai-BER" am Nordpier habe nichts mit dem Gesamtflughafen zu tun. "Man muss sich fragen, wie Hartmut Mehdorn den Flughafen jemals fertigstellen will, wenn auch die kleineren Projekte nicht klappen."
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU)
Bundesverkehrsministerium verlangt Konzept
Das Bundesverkehrsministerium forderte nach der Absage des Testbetriebs baldige Klarheit über die weiteren Planungen. Die Geschäftsführung müsse möglichst schnell ein Konzept präsentieren, aus dem sich klar ablesen lasse, wie es weitergeht, sagte ein Sprecher am Freitag in Berlin. Dieses solle möglichst zur Aufsichtsratssitzung im April vorliegen und verbindliche Aussagen machen, etwa zum Zeithorizont, zu den weiteren Schritten und auch zu den Kosten. Neben den beiden Bundesländern Berlin und Brandenburg ist der Bund dritter Anteilseigner der Flughafengesellschaft.
Welche Auswirkungen das Aus für den Testbetrieb auf die Zeitplanungen habe, könne er nicht sagen, sagte der Sprecher. Schon vor Mehdorns Entscheidung habe kein verbindliches und schlüssiges Konzept zur Gesamt-Inbetriebnahme vorgelegen. Auf die Frage, wie das Ministerium die Arbeit Mehdorns beurteile, sagte der Sprecher: "Die Sachlage ist, der Flughafen hat noch nicht eröffnet."
Eigentlich sollte ab Juli der BER-Testbetrieb laufen, doch das ist erstmal vom Tisch. Nach Ansicht von Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn liegt das aber nicht an der Geschäftsführung, sondern an mangelnder Unterstützung durch den Aufsichtsrat und an der Bauaufsichtsbehörde. Doch Mehdorns Kritiker sind empört.
Rückendeckung für den Aufsichtsrat
Richard Meng, Sprecher des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), wies die Vorwürfe Mehdorns in Richtung Aufsichtsrat zurück. Der BER-Chef habe die Umsetzung seiner Pläne offenbar nicht ausreichend vorantreiben können. "Wenn Herr Mehdorn eine genehmigungsreife Planung vorgelegt hätte, hätte es auch kurzfristig eine Sondersitzung des Aufsichtsrats gegeben", sagte Meng dem rbb. "Jetz nehmen wir zur Kenntnis, dass er sich von der Idee verabschiedet hat."
Auch der CDU-Politiker Stefan Evers verteidigt den Aufsichtsrat. Dieser habe von Anfang an Unterstützung signalisiert - für den Fall, dass Mehdorn die Voraussetzungen für einen funktionierenden Teilbetrieb schaffe. "Die einzige Erfolgsmeldung, die wir über Monate dazu gehört haben war, dass die Flughafengesellschaft es geschafft hat, die Unterlagen ausreichend zusammenzustellen."
Christoffers: Probleme mit den Bau-Unterlagen
Brandenburgs Wirtschaftsminister und BER-Flughafenaufsichtsratsmitglied Ralf Christoffers (Linke) wiederum sieht nicht den Aufsichtsrat als Ursache für Mehdorns Kehrtwende. Seiner Ansicht nach seien Probleme mit den Bau-Unterlagen dafür verantwortlich, sagte Christoffers dem rbb. Der Aufsichtsrat hätte klar gefordert, dass alle Anträge genehmigt vorliegen müssten. "Das ist offensichtlich nicht der Fall." Daher lohne sich das Zeitfenster für den Teilbetrieb nicht mehr.
Christoffers mahnte im rbb zugleich die Beteiligten, nun an einem Strang zu ziehen, statt sich die Schuld für die geplatzte Teileröffnung zuzuweisen.
Dass sich am künftigen Flughafen BER nicht sonderlich viel tut, ist hinlänglich bekannt. Doch Mehdorn hatte immerhin einen Plan für einen Testbetrieb am so genannten Nordpier, sozusagen für eine Flughafeneröffnung "light". Der ist nun vom Tisch. rbb-Flughafenexperte Thomas Rautenberg über das neuerliche Fiasko und seine Folgen.
Sechs Millionen Euro für den Umbau der Wartehalle
Am Nordpier sollte nach den Plänen von Hartmut Mehdorn eigentlich ab Juli mit bis zu sechs Flügen der Gesellschaft Germania ein Probebetrieb beginnen. Mit diesem sollte ein Großteil der Systeme und Abläufe am Terminal getestet werden. Für den Probebetrieb benötigte Mehdorn aber noch die Genehmigung des Aufsichtsrates.
In dem als Wartehalle konzipierten Nordflügel hätten die Betreiber für den Testbetrieb erst einmal Schalter und Gepäckbänder aufbauen müssen. Rund sechs Millionen Euro hätte dieser Umbau wohl gekostet.
Die Opposition hatte Mehdorns Pläne wiederholt als unrealistisch und zu teuer kritisiert. Die Berliner Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop kritisierte, der Aufsichtsrat hätte das Projekt schon früher stoppen müssen und sich auf das Hauptterminal konzentrieren sollen. Mit der "Nebelkerze namens Testbetrieb" sei zu viel Zeit verschwendet worden. Ihr Fraktionskollege Andreas Otto fragte: "Welche Spinnerei kommt als nächstes?" Mehdorn kündigte an, nun nach "alternative Testszenarien" suchen zu wollen. Was das bedeutet - vor allem für den alten Flughafen Schönefeld und den stark belasteten Airport Tegel - ist noch unklar.
2014 soll(te) der BER erstmals fliegen
20. Februar 2014
Im Juli sollte eigentlich der Probebetrieb am Nordpier beginnen - und im kommenden Jahr dann der ganze BER ans Netz gehen. Flughafenchef Hartmut Mehdorn wollte eigentlich Nägel mit Köpfen machen und ging Mitte Januar mit diesem Statement in die Offensive. Doch daraus wird nichts. Am 20. Februar schrieb er Wowereit und Mitarbeitern, dass der Testbetrieb abgesagt wird. Eine Schlappe für Mehdorn, der dafür auch noch viel Kritik einstecken muss.
15. Januar 2014
Der erste Prozess um Schadenersatz beginnt vor dem Landgericht Potsdam: Mindestens 48 Millionen Euro will die Fluglinie Air Berlin von der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg haben. Die Richter nehmen dem Unternehmen den Wind aus den Segeln und vermissen erstmal die Grundlagen für diese Forderung.
8. Januar 2014
Das Berliner Abgeordnetenhaus muss sich noch einmal mit der Forderung nach einem erweiterten Nachtflugverbot am neuen Flughafen BER und in Tegel beschäftigen. Dazu wird das Parlament durch die Volksinitiative gezwungen, die die Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI) gestartet hatte. Für eine Volksinitiative mussten mindestens 20.000 gültige Unterschriften zusammenkommen. Genau 23.666 Unterschriften wurden nun gezählt.
2013: Mehdorn soll es richten
13. Dezember 2013
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wird vom Aufsichtsrat der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft erneut zum Aufsichtsratschef gewählt. "Ich bin mir bewusst, dass das sicher nicht auf allen Seiten eine breite Zustimmung findet", sagt Wowereit über seine Wiederwahl. Es habe jedoch für den Posten nicht viele Vorschläge und Überlegungen gegeben.
23. Oktober 2013
Nach monatelangem Streit in der Führungsebene des neuen Flughafens setzt der Aufsichtsrat Horst Amann als technischen Geschäftsführer der Flughafengesellschaft ab. Amann übernimmt ab dem 1. November die Leitung der Flughafen Energie und Wasser GmbH, einer Tochter der Flughafengesellschaft. Einen neuen Technik-Chef soll es nicht geben. Wesentliche Aufgaben übernimmt Flughafen-Chef Mehdorn.
16. August 2013
Flughafenchef Hartmut Mehdorn setzt sich im Aufsichtsrat mit seinem Plan für eine Teileröffnung des BER durch. Danach soll der Nordpier für einen Test umgebaut werden; Starts und Landungen von bis zu zehn Maschinen sind angedacht. Der Aufsichtsrat gibt allerdings zunächst nur "gelbes" Licht: Mehdorn darf weiterplanen, Geld gibt es aber noch keines.
14. Juni 2013
Anders als die Bewohner im Südwesten - hier wurde die Flugroute über den Wannsee gekippt - haben die im Südosten mit ihrer Klage keinen Erfolg. Der Müggelsee darf überflogen werden. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg lässt die geplante BER-Flugroute zu.
Als Air-Berlin-Chef verklagte Hartmut Mehdorn den BER - jetzt hat er bei dem Flughafenbau selbst den Hut auf. Doch mit krassen Richtungswechseln hat Mehdorn kein Problem. Bei der defizitären Bahn riss er erfolgreich das Steuer herum. Verhilft Mehdorn nun auch dem Pannen-Projekt BER zum Erfolg?
11. März 2013
Hartmut Mehdorn, früher Chef der Deutschen Bahn und später von Air Berlin, tritt als neuer BER-Chef an. Zuvor hatte der frühere Frankfurter Flughafenchef Wilhelm Bender den Posten abgelehnt. Mehdorn schlägt vor, den Flughafen Tegel länger offenzuhalten, als ursprünglich geplant. Der Vorschlag trifft auf großen Widerstand. Mehdorn setzt ein "Sprint"-Programm auf. Mit Hilfe einer Expertengruppe soll die Eröffnung des BER beschleunigt werden.
Mit der Wende startete Matthias Platzeck als zunächst grüner Politiker durch. TV-Auftritte machten den "Deichgrafen" während des Oderhochwassers 1997 bundesweit populär. Der Flughafen stellt den engagierten SPD-Politiker jetzt auf eine harte Probe.
23. Januar 2013
Das Oberwaltungsgericht Berlin kippt die Flugroute vom BER über den Wannsee: Diese führe zu dicht am Forschungsreaktor auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums für Materialien und Energie vorbei.
14. Januar 2013
Brandenburgs Ministerpäsident Matthias Platzeck (SPD) gewinnt im Landtag die von ihm selbst eingebrachte Vertrauensabstimmung und holt sich so Rückendeckung für sein Aufsichtsratsamt.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) tritt als Aufsichtsratsvorsitzender zurück. Seinen Posten übernimmt am 16. Januar sein brandenburgischer Amtskollege Matthias Platzeck (SPD), während Wowereit dessen Stellvertreteramt übernimmt - eine viel kritisierte Personalrochade.
Es sollte so schön werden am 3. Juni 2012: Mit einer großen Eröffnungsfeier sollte der BER an den Start gehen, stattdessen kam der Absturz. Bislang ein Schrecken ohne absehbares Ende, meint Holger Hansen, rbb Landespolitik.
6. Januar 2013
Paukenschlag in Schönefeld: Die Eröffnung des Flughafens wird erneut verschoben. Der Flughafen wird frühestens 2014 in Betrieb gehen, eventuell sogar erst 2015. Die Nachricht sorgt für ein heftiges politisches Beben.
2012 - 2013: Dritte Verschiebung - es riecht nach Ärger
27. September 2012
Das Berliner Abgeordnetenhaus setzt einen Untersuchungsausschuss ein: Dieser soll Ursachen, Konsequenzen und die Verantwortung für die Kosten- und Terminüberschreitungen beim BER-Bau aufklären. Mittlerweile gibt es zahlreiche Berichte über Baupannen, Verzögerungen und Fehlplanungen - so soll der Flughafen dem Passagieraufkommen schon bei Eröffnung nicht gewachsen sein.
7. September 2012
Der neue Starttermin wird offiziell vom Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft verkündet: 27. Oktober 2013.
Das Bundesverwaltungsgericht weist die Klagen von Bürgern aus Berlin-Lichtenrade, Zeuthen, Rangsdorf und Kleinmachnow gegen den Planfeststellungsbeschluss zurück. Damit ist die Airport-Eröffnung juristisch nicht mehr angreifbar.
Juni 2012
Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg spricht den Anwohnern das Recht auf besseren Schallschutz zu.
17. Mai 2012
Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft gibt nach einer mehr als zehnstündigen Marathon-Sitzung den neuen Eröffungstermin bekannt: Der BER soll nun am 17. März 2013 in Betrieb gehen.
Die geplatzte Eröffnung des drittgrößten deutschen Flughafens kostet den Planungschef Manfred Körtgen seinen Posten. Beendet wird auch die Zusammenarbeit mit dem Generalplanungskonsortium PGBBI, zu der auch das renommierte Büro des Flughafen-Architekten Meinhard von Gerkan gehört.
Auf dem neuen Flughafen in Schönefeld sollen am Ende 45 Millionen Fluggäste pro Jahr abgefertigt werden können. Direkt vor dem Terminal entsteht die Airport City, für Büros und Geschäfte. Eine Übersicht, wie der BER einmal aussehen soll.
8. Mai 2012
Die Eröffnung von BER wird aus Brandschutzgründen zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben, zum zweiten Mal. Ursprünglich hatte die Flughafengesellschaft einen Termin im November 2011 angepeilt.
Januar 2012
Die Flugrouten werden offiziell bekanntgegeben - und sorgen erwartungsgemäß in mehreren Regionen für Aufruhr. Vor allem der Berliner Müggelsee steht in den kommenden Monaten im Zentrum zahlreicher Proteste von Anwohnern, die jeweils montags gegen den Überflug von Friedrichshagen protestieren.
2009 - 2011: Erste Pannen - Proteste gegen die Flugrouten
Oktober 2011
Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.
Seit Beginn der ersten Planungen beschäftigt der BER die Justiz: Anwohner klagten gegen den Standort in Schönefeld, dann gegen die Flugrouten und Lärmbelastung. Mittlerweile geht es auch um Schadenersatz. Eine Chronologie der Gerichtsentscheidungen.
Juli 2011
Nach monatelangen Beratungen in der Fluglärmkommission folgt die Flugsicherung mit einem neuen Vorschlag dem Kompromiss des Gremiums. In den brandenburgischen Anrainerkommunen und rund um den Berliner Müggelsee geht der Protest weiter.
September 2010
Die Deutsche Flugsicherung legt einen ersten Flugrouten-Vorschlag vor. Tausende Betroffene gehen dagegen auf die Straße. Die festgelegten Flugrouten stimmen nicht mit denen in den Planungsunterlagen überein. Es gibt neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss.
Juni 2010
Wegen der Pleite einer Planungsfirma und verschärften Sicherheitsbestimmungen wird die für November 2011 geplante Eröffnung des Flughafens auf den 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2009
Das Brandenburger Verkehrsministerium erlässt eine neue Nachtflugregelung: Keine Starts und Landungen von Mitternacht bis 5.00 Uhr morgens, Ausnahmen sind Post- und Regierungsmaschinen sowie Notfälle.
2005 - 2008: Baustart mit Hindernissen
Oktober 2008
Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof. Eine Bürgerinitiative hatte noch versucht, den Traditionsflughafen per Volksentscheid zu retten, war aber gescheitert.
Juli 2008
Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal
September 2006
Erster Spatenstich in Schönefeld
März 2006
ImMärz 2006 weist das Bundesverwaltungsgericht die Musterklagen von 4.000 Anwohnern und vier Gemeinden gegen den Planfeststellungs-Beschluss zum überwiegenden Teil ab. Der Baustopp wird kurz danach aufgehoben - allerdings unter verschärften Lärmschutzauflagen.
April 2005
Die Leipziger Richter geben Eilanträgen mehrerer Anwohner statt und verhängen einen weitgehenden Baustopp bis zu einer endgültigen Entscheidung. Zulässig sind nur Bauvorbereitungen.
2000 - 2004: Grünes Licht für den BBI
August 2004
Zum Abschluss des Genehmigungsverfahrens gibt der Planfeststellungsbeschluss grünes Licht: Der BBI - so der Arbeitstitel - darf unter Auflagen gebaut werden. Im Oktober reichen tausende Gegner beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klagen ein.
Mai 2003
ImMai 2003 scheitert endgültig die geplante Privatisierung der Bauarbeiten durch einen Generalübernehmer, weil die Bewerber aus Sicht der Gesellschafter keine finanziellen Risiken tragen wollen. Das Projekt BER wird ab jetzt in öffentlicher Regie weiterverfolgt. Der Abbruch des Privatisierungsverfahrens kostet laut Presseberichten 41 Millionen Euro.
2002
2002 wird eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet, der Flughafen soll diesen Planungen zufolge 2008 in Betrieb gehen.
Von der Eröffnung 1946 bis zur zur Wende war Schönefeld "Zentralflughafen" der DDR. Angeflogen wurden Dutzende Staaten - für DDR-Bürger jedoch meist nur die im Osten.
1999
Laut Planungsverfahren soll der Flughafen komplett unter privater Regie gebaut und betrieben werden. 20 Unternehmen und sieben Konsortien bewerben sich um die Konzession. Den Zuschlag erhältein Konsortium um den Essener Baukonzern Hochtief. Der Vergabebescheid wird vom Brandenburgischen Oberlandesgericht aber wegen Verfahrensfehlern kassiert.
Dezember 1999
Die Schönefelder Flughafengesellschaft reicht die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren ein. Und die Bevölkerung aus dem betroffenen Südosten der Stadt läuft wie erwartet Sturm. Hauptstreitpunkt ist natürlich der zu erwartende Fluglärm.
Juni 1996
Bundesverkehrsminister Wissmann, Berlins Regierender Bürgermeister Diepgen und Brandenburgs Ministerpräsident Stolpe fällen den so genannten Konsensbeschluss: Sie empfehlen der Flughafengesellschaft eine Standortentscheidung zu Gunsten von Schönefeld Süd sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof.
Juni 1993
Für Jüterbog Ost, Schönefeld Süd und Sperenberg wird das Raumordnungsverfahren beantragt. Das politische Tauziehen um den Mega-Airport und die Milliardeninvestition beginnt. Der Bund will lieber in Schönefeld als in einen Flughafen irgendwo in der märkischen Heide investieren.
Dezember 1989
Die Mauer ist gerade gefallen, da will der West-Berliner Senat zwei Millionen D-Mark in eine Joint-Venture-Gesellschaft mit der DDR zum Ausbau des Flughafens Schönefeld investieren. Anfang der 1990er Jahre ist es dann soweit - die Region brauche einen neuen Großflughafen, wird die Forderung in Potsdam und Berlin gleichermaßen formuliert. Acht mögliche Standorte werden auf ihre Tauglichkeit getestet.
Immer wieder neue Forderungen, dazu Indiskretionen beim Projekt BER: Klaus Wowereit, Aufsichtsratschef des neuen Flughafens, wirft dem Nachbarland Brandenburg vor, Sand ins Getriebe des BER zu streuen. Die Stimmung auf der Baustelle könnte besser sein, sagte Wowereit. Flughafenchef Mehdorn hat unterdessen den Antrag zur Sanierung der Nordbahn eingereicht. Doch auch darüber gibt es Streit - es geht um den Schallschutz.
Hartmut Mehdorn ist weiter zuversichtlich, den BER in Teilen eröffnen zu können. Mit den nötigen Genehmigungen der Behörden rechne er "in den nächsten Wochen", so der Flughafen-Chef am Mittwoch nach einer Befragung durch den Verkehrsausschuss des Bundestags. Am Vortag hatte der BER-Betreiber beim Schallschutz erneut eine Schlappe vor Gericht kassiert.
Dickere Fenster, bessere Dämmung - die Flughafengesellschaft muss beim Lärmschutz rund um den BER nachbessern, denn der Krach darf die normale Gesprächslautstärke nicht überschreiten. Insgesamt 14.000 Wohnungen sind betroffen - doch wie die Fluglärmkommission am Montag feststellte, hinkt der BER bei den Schallschutzmaßnahmen noch mächtig hinterher.
Drei Bauleiter hat die Flughafengesellschaft für den Pannen-Airport BER schon verschlissen - nun soll es der Ingenieur Frank Röbbelen richten. Ihn präsentierte die Gesellschaft jetzt als Nachfolger von Kurzzeit-Planungschefin Regina Töpfer, die gefeuert worden war.
Das war zu erwarten: Der Bundestag lehnt ein längeres Nachtflugverbot am BER ab. Die Mehrheit von CDU/CSU und SPD schmetterte am Donnerstagabend einen entsprechenden Antrag der Linkspartei ab. Sie hatte gefordert, die nächtliche Ruhezeit am BER von fünf auf acht Stunden, von 22 bis 6 Uhr, ...