
Drei Fragen, drei Antworten - Nun steuert alles auf eine Frage zu …
Dass sich am künftigen Flughafen BER nicht sonderlich viel tut, ist hinlänglich bekannt. Doch Mehdorn hatte immerhin einen Plan für einen Testbetrieb am so genannten Nordpier, sozusagen für eine Flughafeneröffnung "light". Der ist nun vom Tisch. rbb-Flughafenexperte Thomas Rautenberg über das neuerliche Fiasko und seine Folgen.
Kommt die Absage Mehdorns überraschend?
Nein, eigentlich nicht. Wir hatten ja schon häufiger über die Schwierigkeiten gerade beim Umbau des Nordpiers berichtet und auch darüber, dass der geplante Teilbetrieb eigentlich nur ablenkt, weil dadurch nicht alle Kräfte auf die Gesamteröffnung des BER fokussiert sind. Nun hat Mehdorn offenbar gemerkt, wie weit der Umbau des Nordpiers hinter dem Zeitplan zurückliegt und insofern hat er die Reißleine gezogen. Mich wundert allerdings ein bisschen, dass Mehdorn sein Lieblingsprojekt so sang- und klanglos zu Grabe getragen hat. Dabei muss man wissen, dass er immer wieder gesagt hat, der Testbetrieb sei unverzichtbar. Nur so könne er die wichtigsten Computersysteme auf dem BER in der Praxis testen, ansonsten stünden neue Risiken bei der Gesamteröffnung des BER im Raum. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Dass er sich von seinem Lieblingsprojekt auf diese Art und Weise verabschiedet, zeigt wie groß die Not auf der Flughafengroßbaustelle sein muss.
Warum hat Hartmut Mehdorn auf sein Lieblingsprojekt am Nordpier verzichtet?
Ich glaube, dass ist eine Sache von Zahlen. Zunächst war eine Abfertigung von zehn Flugzeugen pro Tag dort geplant. Inzwischen sind es nur noch ganze drei Flugzeuge - da kann von einem Testbetrieb gar nicht mehr die Rede sein. Zudem sollte das Ganze sechs Millionen Euro kosten. Nun wissen wir, wie klamm die Flughafengesellschaft ist. Man kann ja schon nicht mal mehr die Sanierung der Nordbahn, die 44 Millionen Euro kosten soll, aus eigener Tasche bezahlen, und dann will man für die Spielerei am Nordpier zusätzlich sechs Millionen Euro ausgeben! Da hat der Aufsichtsrat signalisiert, Freunde, so wird das nicht funktionieren, dass können wir den Steuerzahlern und Bürgern in Berlin und Brandenburg nicht vermitteln. Mehdorn weiß natürlich auch, dass er im Aufsichtsrat nicht viele Freunde hat. Ich vermute, er hat einfach ein Thema abgeräumt, "Schluss jetzt", damit er zumindest an einer Front Ruhe hat.
Was bedeutet diese erneute Pleite für Mehdorn selbst?
Das ist schon eine krachende Niederlage, das kann man gar nicht anders sagen. Mehdorn ist bewusst geworden, dass er sich auf die Politik nicht richtig verlassen kann, dass er nicht die notwendige Unterstützung bekommt, dass er mit dieser Riesenbaustelle und den Problemen damit alleine gelassen wird. Ich glaube, dass sich das erst einmal setzen muss. Er muss jetzt begreifen, dass er mit diesen Fragen im Regen steht. Und jetzt, wo es nicht mehr um den Testbetrieb geht, um den Flughafen light, rückt eine einzige Frage in den Vordergrund: Wann wird der gesamte BER eröffnet? Darauf muss Mehdorn Antworten geben. Mir scheint, im Moment verfügt er weder über einen Zeit-, noch über einen Kostenplan, aber die wird Mehdorn vorlegen müssen. Denn eines wollen die Steuerzahler natürlich wissen: Wann und zu welchem Preis geht der BER an den Start? Das sind die Fragen, die Mehdorn nach dieser erneuten Pleite dringend beantworten muss.


