Der Architekt Meinhard von Gerkan am 13.10.2013 auf der Frankfurter Buchmesse 2013. (Quelle: imago)

Dokument mit Polizeihilfe sichergestellt - BER-Architekt Gerkan weist Täuschungsvorwurf zurück

Nur mit Polizeihilfe meinte der BER-Untersuchungsausschuss am Freitag, ein wichtiges Dokument aus dem Berliner Büro des BER-Architekten Meinhard von Gerkan sicherstellen zu können. Der Vorsitzende des Ausschusses, Martin Delius, warf dem Büro Täuschung vor. Gerkan und sein Büro dagegen wiesen Delius' Vorgehen als unhaltbar und "politisch motiviert" zurück. Am Sonntag erneuerte Delius seinen Vorwurf.

 

Nach dem Polizeieinsatz gegen Büros des Architekten des Flughafens Berlin Brandenburg (BER), Meinhard von Gerkan, wehrt sich dessen Büro gegen den Vorwurf der Täuschung. Unhaltbar sei auch die Anschuldigung, man habe ein Beweismittel nachträglich geändert, teilten die Architekten von Gerkan, Marg und Partner (GMP) am Samstagabend in Hamburg mit. 

Der BER-Untersuchungsschuss des Berliner Abgeordnetenhauses hatte am Freitag mit Polizeihilfe ein Dokument bei Gerkan sichergestellt, in dem die Parlamentarier Hinweise vermuten, dass es am Eröffnungstermin des Flughafens im Juni 2012 bereits nach der ersten Verschiebung im Jahr 2010 Zweifel gegeben habe. Die Architekten hätten den Ausschuss mehrfach über Zustand und Verbleib des Schriftstücks getäuscht, begründete der Vorsitzende Martin Delius (Piratenpartei) die Aktion.

Gerkan: Polizeieinsatz "scheint allein politisch motiviert"

Der Streit entzündet sich laut GMP an "einer Sachverhaltsdarstellung zu Störungen des Projektablaufs, die zu einer Verschiebung der BER Eröffnungstermine geführt haben". Das Büro habe dem Ausschuss das Papier schon im Februar 2013 ausgehändigt und zusätzlich im Mai gemailt. Der Textteil sei vollständig lesbar gewesen, lediglich Honorarbeträge seien aus Gründen des Geschäftsgeheimnisses geschwärzt worden.

Die Zeitung "B.Z." (Samstag)hatte berichtet, Gerkans Büro habe die vom Ausschuss angeforderten Unterlagen mehrfach nur massiv geschwärzt herausgegeben, so dass sie in den Augen des Untersuchungsausschusses wertlos gewesen seien.

"Dass der Vorsitzende des Ausschusses, Martin Delius, statt zum Telefon zu greifen, einen Durchsuchungsbeschluss erwirkte und gar die Polizei eingeschaltet hat, ist unverhältnismäßig und scheint allein politisch motiviert", kritisiert Gerkan.

Die Polizei hatte am Freitag gleichzeitig Büros in Berlin und Hamburg sowie eine Privatwohnung ins Visier genommen. Im Berliner Büro seien die Unterlagen dann herausgegeben worden.

Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses zum Bau des Hauptstadtflughafens, Martin Delius (Piraten) (Bild: dpa)
Will endlich Klarheit haben: Der Chef des BER-Untersuchungsausschusses Martin Delius (Piraten)

Delius dagegen bleibt bei seinen Vorwürfen. Am Sonntag verwies er auf monatelange Schriftwechsel mit GMP. "Nicht nur ließen die Architekten Fristen verstreichen, sie behaupteten sogar, dass es kein Originaldokument gäbe. Dies hat sich am letzten Freitag als Unwahrheit herausgestellt." Ein Telefonat sei aus verfahrensrechtlichen Gründen ausgeschlossen gewesen.

Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens war wegen diverser Baumängel, insbesondere beim  Brandschutz, bereits mehrfach verschoben worden. Im Juni 2010 hatten die Flughafen-Verantwortlichen den Termin erstmals verschoben - von Ende Oktober 2011 auf den 3. Juni 2012. Auch dieser Termin wurde aber abgesagt - vier Wochen, bevor es so weit war. Ein Termin für die Inbetriebnahme ist bisher nicht bekannt.

Unterdessen stieß die Entlastung des Flughafen-Aufsichtsrats am Wochenende auf Kritik. Der Berliner Grünen-Abgeordnete Andreas Otto kritisierte, die Beteiligten wollten sich aller Verantwortung für das Debakel um geplatzte Eröffnungstermine und ausufernder Kosten entledigen. "Am Ende ist niemand verantwortlich für das Verschleudern von Milliarden durch Missmanagement und mangelnde Aufsicht." Am Freitag war bekanntgeworden, dass die Gesellschafter - die Länder Berlin, Brandenburg und der Bund - den Aufsichtsrat um den Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) für 2011 und 2012 entlastet haben.