Schönefeld als Billigflieger-Terminal im Gespräch - BER + SXF = Berlin - TXL
Wenn der Flughafen BER eröffnet wird, könnte er schon wieder an seine Kapazitätsgrenzen stoßen. Flughafenchef Mehdorn erwägt deshalb, den alten Airport in Schönefeld als Teil des BER weiter zu betreiben. Ein Vorschlag, der viel Geld sparen würde und deshalb auf große Zustimmung im BER-Aufsichtsrat stößt – nur Aufsichtsrats-Chef Klaus Wowereit gibt sich zurückhaltend.
1946 wurde er erbaut und ist damit nur vier Jahre jünger als Hartmut Mehdorn. Und wenn es nach dem Flughafen-Chef geht, dann könnte der Flughafen Schönefeld – anders als bislang geplant – auch nach der Eröffnung des BER weiter betrieben werden. "Das ist eine Option, die wir prüfen", bestätigte Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel am Mittwoch entsprechende Medienberichte. Hintergrund: Der BER ist für 27 Millionen Fluggäste jährlich ausgelegt. Diese Kapazität könnte aufgrund der stärker als erwartet steigenden Fluggastzahlen schon bei der Eröffnung ausgelastet sein.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wäre für einen Weiterbetrieb ebenfalls offen. "Das ist eine überlegenswerte Variante", sagte Woidke der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Sein Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider begrüßte im rbb den Vorschlag ebenfalls. Es sei richtig, wenn sich die Geschäftsführung Gedanken mache, wie man dem Ansturm auch organisatorisch Rechnung tragen könne, so Bretschneider. Rechtliche Hindernisse dafür sieht er nicht. Denn Schönefeld bestünde nicht neben dem BER-Flughafen weiter, sondern wäre dann ein Teil davon.

Bomba hat Vorschlag bereits durchgerechnet
Auch Rainer Bomba, der im Aufsichtsrat des BER den Bund vertritt, ist offen für den Vorschlag: "Schönefeld könnte uns etwa 9 Millionen Gäste abnehmen, das heißt, das neue und das alte Terminal zusammen würden noch für viele Jahre reichen. Ich halte die Idee für gut, ich bin involviert. Ich habe das mit Herrn Mehdorn durchgerechnet," sagte er.
Aufsichtsrats-Chef Klaus Wowereit war bei diesen Rechenspielen jedoch offenbar nicht dabei. Über seine Senatskanzlei teilte er auf Anfrage des rbb mit: "Um beurteilen zu können, ob das Sinn macht, müssen wir die Prüfung der Flughafengesellschaft abwarten. Natürlich soll sie die Idee abprüfen, aber es ist noch nicht entscheidungsreif."
Erst vor kurzem hatte der rbb exklusiv berichtet, dass die Flughafengesellschaft nach internen Berechnungen bereits mit deutlich höheren Baukosten für den BER plant. Statt der bislang bewilligten 4,3 Milliarden Euro gehe man bereits von rund 4,7 Milliarden Euro aus. Mit einem Weiterbetrieb des Flughafens Schönefeld für Billigflieger könnte die Flughafengesellschaft weitere negative Nachrichten über steigende Kosten erst einmal vermeiden. Denn der Bau eines weiteren Abfertigungsterminals am BER würde nach rbb-Informationen noch einmal rund eine Milliarde Euro kosten.
"Wer Mehdorn widerspricht, fliegt"
Die erst vor fünf Monaten einberufene Chefplanerin des BER, Regina Töpfer, wird die Pläne zum Weiterbetrieb Schönefelds nicht mit vorantreiben können. Wie die 46-jährige Bauingenieurin am Mittwoch bestätigte, trennte sich der Flughafen vor Ende der Probezeit Ende Februar von Töpfer. "Die Entscheidung traf mich ohne Vorwarnung", sagte sie der Berliner Morgenpost. Die Flughafengesellschaft wollte zu dieser Personalie keine Stellung nehmen, da es sich um Interna handele.
Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus Martin Delius (Piratenpartei) sagte "Handelsblatt Online", die Entlassung Töpfers erwecke den Eindruck, als wolle Mehdorn "allein und eigenhändig" den Hauptstadtflughafen fertigstellen. "Seine Personalpolitik im Zusammenhang mit der Baustelle zeugt von Selbstüberschätzung. Wer Mehdorn widerspricht, fliegt", sagte Delius.
Regina Töpfer war bereits die dritte Projektleiterin des Flughafens. Zuvor waren Manfred Körtgen (2004 bis 2012) und Horst Amann (2012 bis 2013) für den Bau verantwortlich. Töpfer hatte den Job im vergangenem Oktober von dem technischen Geschäftsführer Amann übernommen. Branchenkreisen zufolge galt sie von Anfang an nur als Übergangslösung. BER-Chef Mehdorn habe demnach seinen Wunschkandidaten Hany Azer wegen dessen zu hohen Gehaltsforderungen nicht beim Aufsichtsrat durchsetzen können. Beide hatten bereits beim Bau des Berliner Hauptbahnhofs zusammengearbeitet.
Zweifel an Mehdorns BER-Zeitplan
Mit der Abberufung Töpfers wird der ohnehin ambitionierte Zeitplan Hartmut Mehdorns immer fraglicher: Der BER-Chef will den Bau bis Ende des Jahres weitgehend abschließen. Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD) dagegen hatte im Januar erklärt, in diesem Jahr sei mit einem Start des BER nicht mehr zu rechnen. Die Eröffnung sei nach derzeitigem Stand frühestens Ende 2015 wahrscheinlich. Auch am Bau des Flughafens beteiligte Firmen wie Siemens äußerten große Zweifel an Mehdorns Zeitplan.
Mehdorn plant, Anfang Juli die ersten Flugzeuge in einem Testbetrieb am Nordpier des BER starten und landen zu lassen. Laut "F.A.Z." ist aber unklar, ob er dafür überhaupt die nötigen Genehmigungen vom Verkehrsministerium und der Luftfahrtbehörde bekommen wird.
Mit Informationen von Thomas Rautenberg, Boris Hermel und Florian Eckardt






