
Flughafen Berlin Brandenburg - 27. Oktober 2013 ist neuer Eröffnungstermin für BER
Der Flughafen Berlin Brandenburg soll am 27. Oktober 2013 eröffnet werden. Das hat Technikchef Amann nach der Aufsichtsratssitzung am Freitag bestätigt. Laut Flughafenchef Schwarz bleiben die Gesamtmehrkosten bei 1,2 Mrd. Euro.
Der neue Flughafen Berlin-Brandenburg soll am 27. Oktober 2013 in Betrieb gehen. Das hat der Aufsichtsrat am Freitag beschlossen, wie Technikchef Horst Amann auf einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Kontrollgremiums bestätigte. Man sei sehr sicher, diesen Termin zu halten, fügte Amann hinzu. Die Eröffnung verzögert sich damit um weitere sieben Monate.
Die erneute Terminverschiebung war nach Angaben von Amann aufgrund von erheblichen Mängeln in Planung, Organisation und Bau nötig. Das neue Datum sei kein Zufall, sondern falle mit dem Beginn des Winterfahrplans zusammen. Nach der von Amann vorgelegten Neuplanung sollen die Bauarbeiten bis Ende Mai beendet sein. Danach beginnt einer fünfmonatige Probephase, in der alle Abläufe im Abfertigungsgebäude getestet werden.
Ursprünglich sollte der BER schon 2011 in Betrieb genommen werden. Anfang der Woche war bekannt geworden, dass der Flughafen nicht wie zuletzt geplant am 17. März öffnen kann.

Amann: "Es war schlimm, was alles fehlt"
Die Bauarbeiten am BER werden nach Einschätzung von Technikchefs Amann erst Mitte November wieder richtig weitergehen. Das hauptsächliche Defizit seien fehlende Pläne, sagte Amann dem rbb.
So seien die Ausführungspläne des im Mai gekündigten Generalplaners lücken- und fehlerhaft gewesen. "Es war schlimm, was alles fehlt", sagte Amman auf der Pressekonferenz mit Blick auf die unvollständigen Unterlagen. Die Beschleunigung der Abläufe vor dem Eröffnungstermin 3. Juni habe zu unsachgemäßen Arbeiten geführt.
Insgesamt habe die Flughafengesellschaft als Bauherr nicht ausreichend gesteuert. Das werde sich nun ändern, sagte Amann, der Anfang August vom Frankfurter Flughafen nach Berlin wechselte. Künftig gibt es zwei Stabsstellen, eine für die Kostenüberwachung und eine andere für den engen Kontakt zu deren Genehmigungsbehörden.
Schwarz: Mehrkosten bleiben bei 1,2 Milliarden Euro
Laut Flughafenchef Rainer Schwarz sollen die Mehrkosten für den Flughafen trotz der erneuten Verschiebung nicht noch weiter steigen. Nach jüngster Kalkulation bleibe es unterm Strich bei Mehrkosten von rund 1,2 Milliarden Euro, erklärte Schwarz auf der Pressekonferenz. Diese Zahl wurde schon im August genannt.
Die Summe setzt sich laut Schwarz zusammen aus 343 Millionen Euro Mehrkosten für den Bau, 230 Millionen Euro für die Verschiebung der Eröffnung und den Weiterbetrieb von Tegel und Schönefeld, 322 Millionen Euro Risikovorsorge und 305 Millionen Euro für den erweiterten Lärmschutz. Damit kostet der neue Flughafen insgesamt rund 4,3 Milliarden Euro. Davon sind bislang 3,36 Milliarden Euro gesichert.
Die Finanzierung der Mehrkosten ist im Detail noch unklar. Nach Angaben von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender ist, werden die Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg den Mehrbedarf entsprechend ihrer Anteile unter sich aufteilen. Brandenburg hat in seinem Haushalt bereits Vorsorge getroffen, der Berliner Senat will kommende Woche einen Nachtragshaushalt vorlegen. Bis zu 440 Millionen Euro müsse Berlin beitragen, entweder durch eine Kapitalerhöhung oder durch Gesellschafterdarlehen, sagte Wowereit dem rbb.

IHK: Flughafenchef "völlig überfordert"
Die erneute Verschiebung der Inbetriebnahme des Airports bleibt vorerst ohne Konsequenzen für Flughafenchef Schwarz. Es habe bereits personelle Konsequenzen gegeben, sagte Brandenburgs Ministerpräsident und Aufsichtsratsvize Matthias Platzeck (SPD) am Freitag mit Blick auf die Entlassung von Chefplaner Manfred Körtgen. Es derzeit keinen Anlass für weitere Schritte, sagte Platzeck.
Die Industrie- und Handelskammer Berlin hatte zuvor den Flughafenchef für die Verzögerung beim Bau des BER verantwortlich gemacht. "Schwarz ist völlig überfordert mit seiner Aufgabe", sagte Berlins IHK-Präsident Eric Schweitzer. "Das Flughafenprojekt ist zwei, drei Nummern zu hoch für ihn."
IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder sagte, der Wirtschaftsstandort Berlin-Brandenburg sei durch die geplatzte Eröffnung des BER massiv beschädigt worden. Die Berliner Wirtschaft habe kein Vertrauen mehr in Schwarz. "Das Vorgehen des Flughafenchefs ist amateurhaft", betonte Eder. Schwarz werde als Chef der Berliner Flughafengesellschaft die Eröffnung des BER nicht miterleben.
Genilke: Großteil der Brandschutzanlage fehlerhaft
70 Prozent der Brandschutzanlage am neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg sind nach Angaben des verkehrspolitischen Sprechers der CDU-Fraktion Brandenburg, Rainer Genilke, fehlerhaft verbaut. Das hätten Gespräche mit Mitarbeitern einer Firma ergeben, die mit der Auflistung und Katalogisierung der Brandschutzmängel beauftragt worden sei, betonte er am Donnerstag nach einem Besuch von Vertretern der CDU-Fraktion auf der Baustelle.
Die Abgeordneten hätten zudem in der Ladezone Nord im Kellerbereich des Flughafens erhebliche Schadstellen an Pfeilern gesehen. Teilweise sei die Bewehrung sichtbar gewesen. Die Flughafengesellschaft könne die Mängel nicht erklären, betonte Genilke. Man müsse die Frage stellen, wie gut oder schlecht der Flughafen tatsächlich gebaut sei.


