
Protest vor dem Kanzleramt - Menschenkette gegen BER-Fluglärm
Wann der Flughafen BER eröffnet wird, ist weiterhin unklar. Klar ist: Die Proteste gegen ihn gehen weiter. Am Samstag versammelten sich rund 1000 Menschen vor dem Kanzleramt, um gegen Fluglärm und für ein umfassendes Nachtflugverbot zu demonstrieren.
Gegner des geplanten Flughafens Berlin-Brandenburg haben am Samstag gegen Fluglärm demonstriert. Dabei bildet sie eine Menschenkette rund um das Bundeskanzleramt. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich rund 1000 Demonstranten verschiedener Bürgerinitiativen an dem Protest.
Unter dem Motto "Schall und Rauch abwählen" forderten sie die Politik auf, sich erneut mit einem Nachtflugverbot zu befassen und Verantwortung für Fehler beim Flughafen-Bau zu übernehmen.
"Zwar trifft Frau Merkel selbst keine Schuld", sagte ein Sprecher der Friedrichshagener Bürgerinitiative. "Weil aber auch der Bund den Flughafen mitverantwortet, muss sie als Repräsentantin für die Fehler einstehen."
Auch der Chef des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, schaute sich die Demonstration an. Die Flughafenbetreiber nähmen die Anliegen der Anwohner ernst, sagte er. "Deutschland hat das stärkste Fluglärmgesetz in Europa." Auch er sei ein Gegner von Fluglärm - ganz vermeiden lasse sich dieser jedoch nicht. "Wir hätten dann keinen Lärm mehr, wenn wir keinen Flughafen hätten."

Problem 1: das Nachtflugverbot
Die bestehende Nachtflug-Regelung durch den Planfeststellungsbeschluss am BER sieht vor, dass zwischen 0 und 5 Uhr keine regulären Flüge erlaubt sind. Zwischen 22 und 0 Uhr, sowie zwischen 5 und 6 Uhr ist eine begrenzte Zahl an Flügen erlaubt – genau 77. Die meisten dieser Flüge müssen zwischen 22 und 23 Uhr stattfinden. Von 23 bis 0 Uhr und 5 bis 6 Uhr dürfen nur rund 30 Flieger starten oder landen.
Die Organisatoren kämpfen jedoch für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr – mehr als 100.000 Unterschriften konnten für ein erfolgreiches Volksbegehren gesammelt werden.
Und hier könnte sich Streit zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg anbahnen. Denn Brandenburg ist nach dem erfolgreichen Volksbegehren mittlerweile für ein umfassendes Nachtflugverbot, Berlin und der Bund dagegen. Unklar ist allerdings, wer die geltenden Regeln ändern kann.
Problem 2: der Schallschutz
Hier hatte das Oberverwaltungsgericht im April entschieden, dass Fluglärm tagsüber im sogenannten Schutzgebiet rund um den BER kein Gespräch übertönen darf. Der Flughafen muss nun mit Schallschutzfenstern, Dämmung und Lüftern nachbessern.
Doch zunächst müssen tausende Häuser am BER neu geschätzt werden. Es soll der Wert der Häuser ermittelt werden, damit die Eigentümer aus dem Schallschutzprogramm entschädigt werden können.
Für den Schallschutz hatte der Flughafen ursprünglich 139 Millionen Euro veranschlagt, nach dem OVG-Urteil könnte das Programm nach früheren Schätzungen des Aufsichtsrats bis zu 730 Millionen Euro kosten.



