Flugzeug am Flughafen Tegel [dpa]

Messung in Berlin-Pankow - Die Flieger lärmen noch immer

Rund 650 Starts und Landungen vom Flughafen Tegel hören die Anwohner in Pankow jeden Tag. Ab einer Lautstärke von 80 Dezibel, etwa dem Geräusch eines Rasenmähers, gilt Lärm als gesundheitsschädlich. Am Dienstag haben die Grünen den Fluglärm gemessen - und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis.

Eigentlich sollte in der Nähe des Berliner Flughafens Tegel längst Ruhe eingekehrt sein. Doch die Flieger lärmen noch immer in gesundheitsschädlicher Lautstärke. Das ist das Ergebnis einer Messung der Grünen am Dienstag im Berliner Stadtteil Pankow. Allein bei Landungen sei Lärm von mehr als 80 Dezibel entstanden, Starts seien noch deutlich lauter, sagte der Abgeordnete Andreas Otto.

"Die Leute können ihre Balkons nicht benutzen und Fenster nachts nicht öffnen." Deshalb müsse es auch in Tegel dringend ein Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr geben. Stattdessen genehmige der rot-schwarze Senat immer mehr Flüge. Noch immer sei zudem völlig offen, wann der neue Hauptstadtflughafen öffnen und Tegel schließen könne.

Die Anwohner hören jeden Tag rund 650 Starts und Landungen vom Flughafen Tegel. Ab einer Lautstärke von 80 Dezibel, etwa dem Geräusch eines Rasenmähers, gilt Lärm als gesundheitsschädlich.

Passagiere in Berlin-Tegel (Bild: dpa)
9,2 Millionen Passagiere im ersten Halbjahr 2013 in Tegel - das ist Rekord.

Mehr Passagiere und mehr Fluglärm in Tegel

Nachdem die Eröffnung des BER verschoben wurde, war der Flugbetrieb in Tegel ausgeweitet worden. Damit sind auch die Passagierzahlen gestiegen. Im ersten Halbjahr 2013 hat der Flughafen 9,2 Millionen Menschen befördert - so viel wie noch nie. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 war das eine Steigerung von 9,1 Prozent.

Der Passagier-Zuwachs bringt auch mehr Lärm mit sich: 2,8 Prozent mehr Starts und Landungen mussten die Anwohner des Flughafens aushalten - insgesamt gut 84.200. Um diesen Ansturm bewältigen zu können, soll der Flughafen bis Ende des Jahres modernisiert werden.

Flugzeug im Landeanflug auf Tegel (dpa, Mai 2012)
Ein Flugzeug im Landeanflug auf Tegel.

Debatte um Schließung von Tegel

Noch immer ist nicht klar, wann der Flughafen Tegel geschlossen werden kann. Mit dem Amtsantritt von BER-Chef Hartmut Mehdorn hat zudem eine Diskussion darüber begonnen, ob Tegel auch über die BER-Eröffnung hinaus offen gehalten werden soll.

Wenn es nach BER-Chef Hartmut Mehdorn ginge, würde er das bis 2018. Seit seinem Amtsantritt im März hat er immer wieder dafür plädiert, den früheren West-Berliner Flughafen länger offen zu halten. Tegel-Flüge könnten notwendig werden, wenn 2018 die nördliche der beiden Start- und Landebahnen am neuen Hauptstadtflughafen saniert werde, sagte er etwa im Mai.

Doch aus der Berliner und Brandenburger Politik gibt es Widerstand gegen dieses Vorhaben. Absagen kamen etwa von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der rot-schwarzen Koalition im Berliner Abgeordnetenhaus und vom Brandenburger Finanzminister Hellmuth Markov (SPD).

Ganz allein ist Mehdorn mit seiner Meinung zu Tegel aber nicht. Nach seinem Vorstoß gründeten sich mehrere Fan-Gruppen und Initiativen, die sich nicht zuletzt aus nostalgischen Gründen für einen Erhalt des Flughafen einsetzten. Es wurden sogar einige Unterschriftensammlungen gestartet. Ein etwaiger Volksentscheid ist bislang aber in weiter Ferne.

17 Millionen Euro werden investiert - Tegel wird zum Jahresende moderner

Längst schon sollten am Berliner Flughafen Tegel keine Flugzeuge mehr landen oder starten. Nachdem aber die Eröffnung des BER wieder und wieder verschoben wurde, muss TXL nun mehr Passagiere abfertigen denn je. Doch an dem alten Bau nagt der Zahn der Zeit. Die Toiletten stammen noch aus den 1970er Jahren. Bis zum Jahresende soll durchgeschrubbt sein.