Ein Passagierflugzeug ist dicht über dem Dach eines Mehrfamilienhauses der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow (Brandenburg) beim Landeanflug auf den Flughafen Schönefeld zu sehen. (Quelle: dpa)

Fluglärmgegner argumentierten mit drohendem Wertverlust - Immobilienpreise steigen trotz Nähe zum Flughafen BER

Bürger und Gemeinden in Brandenburg kämpfen gegen den Fluglärm des künftigen Hauptstadt-Airports. Doch den Preisen für Bauland und Eigentumswohnungen kann der drohende Lärm nichts anhaben: Im Süden Berlins und den angrenzenden Landkreisen steigen sie seit Jahren. Und widerlegen so die Fluglärmgegner, die vor fallenden Preisen gewarnt hatten.

Die Preise für Wohnimmobilien in der Nähe des künftigen Hauptstadtflughafens sind zuletzt weiter gestiegen. Im Süden Berlins und in den angrenzenden Landkreisen in Brandenburg registrierten die amtlichen Gutachterausschüsse für Grundstückswerte im vergangenen Jahr einen erneuten Anstieg. Das betrifft sowohl Bauland als auch Eigentumswohnungen.

In den vier flughafennahen Orten Blankenfelde-Mahlow, Großbeeren, Ludwigsfelde und Rangsdorf (Teltow-Fläming) fielen die Immobilienpreise ab 2006 zunächst, seit 2011 ziehen sie wieder deutlich an. So kostete in Blankenfelde-Mahlow ein Quadratmeter Bauland Ende des vergangenen Jahres 67 Euro, im Vorjahr waren es 60. In Ludwigsfelde stieg der Preis von 74 auf 86 Euro. "Makler berichten, sie könnten mehr Grundstücke vermitteln, wenn es denn welche gäbe", erklärte die Ausschuss-Vorsitzende Anett Thätner. Eigentumswohnungen würden ebenfalls besser laufen. Zuletzt sei die Zahl der Kaufgeschäfte stark gestiegen. Die Gemeinden Ludwigsfelde und Blankenfelde-Mahlow wehren sich gegen den Fluglärm des BER.

Preise steigen auch im südlichen Berlin

Auch im südlichen Berlin zogen die Immobilienpreise weiter an oder blieben zumindest konstant. In Lichtenrade kostet ein Quadratmeter Baufläche für Ein- und Zweifamilienhäuser aktuell im Schnitt 210 Euro. Vor einem Jahr waren es noch 200 Euro gewesen. "Die Preisentwicklung hat sich nicht vom allgemeinen Trend in Berlin abgelöst", sagte der Leiter der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses, Thomas Sandner. Auch in Flugroutengebieten wie Alt-Glienicke, Bohnsdorf, Lichterfelde, Rudow oder am Wannsee würden Immobilien teurer.

Ein Schild mit der Aufschrift "zu verkaufen" steht am 25.02.2014 in Schulzendorf (Brandenburg) auf einem Grundstück.(Quelle: dpa)
Grundstück zu verkaufen in Schulzendorf in unmittelbarer Nähe zum BER

In Dahme-Spreewald ist die Entwicklung ähnlich. Es gebe reichlich Käufe etwa in Eichwalde, Schulzendorf oder Miersdorf, so die Vize-Chefin des dortigen Gutachterausschusses, Judith Killiches. Makler berichteten von Anfragen von Piloten, die nah am künftigen Flughafen wohnen wollten. Auf dem Markt für Gewerbeimmobilien herrscht hingegen eine spürbare Zurückhaltung.

Um bis zu 20 Prozent seien die Preise im Landkreis Potsdam-Mittelmark gestiegen, erklärte der Vorsitzende des dortigen Ausschusses, Wilk Mroß. So viel war es zum Beispiel in Kleinmachnow, wo eine Bürgerinitiative gegen Fluglärm kämpft. Bis zu 380 Euro wurden für einen Quadratmeter Boden fällig. Auch in Teltow, Schwielowsee oder Stahnsdorf gab es ein Plus von zehn Prozent. "Die Preise steigen nicht unbedingt wegen des Flughafens, sondern trotz des Flughafens", so Mroß. Das Berliner Umland sei einfach eine attraktive Wohnlage.

"Preise steigen trotz des Flughafens"

Im Landkreis Potsdam-Mittelmark seien die Preise für Bauland um bis zu 20 Prozent gestiegen, sagte der Vorsitzende des dortigen Ausschusses, Wilk Mroß. So viel war es zum Beispiel in Kleinmachnow, wo eine Bürgerinitiative gegen Fluglärm kämpft. Bis zu 380 Euro wurden für einen Quadratmeter Boden fällig. Aber auch in Teltow, Schwielowsee oder Stahnsdorf gab es ein Plus von zehn Prozent. "Die Preise steigen nicht unbedingt wegen des Flughafens, sondern trotz des Flughafens." Das Berliner Umland sei einfach eine attraktive Wohnlage.

Bereits 2012 hatten die Immobilienpreise rund um den Flughafen angezogen - wie auch im gesamten Land Brandenburg. Das geht aus dem Marktbericht 2012 des Oberen Gutachterausschusses für Grundstücke hervor, der im vergangenen Sommer vorgestellt wurde. Trotz drohenden Fluglärms waren Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow im Jahr 2012 die teuersten Gemeinden im gesamten Speckgürtel um Berlin.

Fluglärmgegner argumentierten in der Vergangenheit auch mit einem angeblich drohenden Wertverlust von Grund und Boden. Gemeinden oder Stadtteile in den Einflugschneisen des geplanten Flughafens verzeichnen jedoch bereits seit Jahren steigende Preise.

Im Frühjahr ermitteln die Gutachterausschüsse nach Auswertung der im Vorjahr getätigten Geschäfte die Preise für Bau- und Ackerland, die sogenannten Bodenrichtwerte. Sie gelten als Indikator für den restlichen Immobilienmarkt.

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