
Mehdorns Zeitplan in Gefahr - Fluglärm-Kommission moniert Rückstand beim Schallschutz
Dickere Fenster, bessere Dämmung - die Flughafengesellschaft muss beim Lärmschutz rund um den BER nachbessern, denn der Krach darf die normale Gesprächslautstärke nicht überschreiten. Insgesamt 14.000 Wohnungen sind betroffen - doch wie die Fluglärmkommission am Montag feststellte, hinkt der BER bei den Schallschutzmaßnahmen noch mächtig hinterher.
Vier Monate vor dem geplanten Testbetrieb auf der Südbahn des Flughafens Berlin-Brandenburg gerät Flughafenchef Mehdorn bei seinem Vorhaben unter Zeitdruck. Im Juli sollte es losgehen, doch gut vier Monate vorher hat noch keiner der betroffenen 4.000 Haushalte Schallschutz. Das machte der Vorsitzende der Fluglärmkommission Gerhard Steintjes am Montag deutlich.
Die Kommission hat am Montag den aktuellen Stand des Schallschutzprogramms überprüft. Demnach hat die Flughafengesellschaft bisher auch noch keine Bescheide für eine Kostenübernahme verschickt. Damit könnten die Anwohner Handwerker beauftragen. Damit baut sich ein weiteres Hindernis vor Mehdorn auf. Denn die Luftfahrtbehörde hatte den Schallschutz zur Bedingung für die Südbahn-Freigabe gemacht. Auf die Frage, ob der 1. Juli noch zu schaffen sei, sagte Mehdorn nach der Sitzung der Fluglärmkommission am Montag: "Ja, wenn wir uns alle Mühe geben."
Handwerker sollen sechs Monate Zeit haben
Der Leiter der Gemeinsamen Oberen Luftfahrtbehörde Berlins und Brandenburgs, Wolfgang Fried, hatte im November klar gemacht, dass bis zum ersten Start von der Südbahn die Betroffenen Schallschutz oder Entschädigungen erhalten müssen. Für die Arbeit der Handwerker forderte die Kommission sechs Monate Zeit.
In Berlin hatte diese Ankündigung Frieds für Unmut gesorgt. Aus Senatskreisen wurde Brandenburg in den vergangenen Monaten vorgeworfen, aus Rücksicht auf die Landtagswahl im September das Projekt Hauptstadtflughafen immer mehr zu blockieren.
Nun droht ein offener Konflikt: "Herr Mehdorn hat sehr deutlich gemacht, dass er fest entschlossen ist, darauf zu dringen, in diesem Sommer mit den Arbeiten zu beginnen, unabhängig davon, ob der Lärmschutz schon realisiert ist oder nicht", sagte Steintjes in seinem Bericht über die Sitzung am Montag. Der Flughafenchef habe aber auch versichert, alles daran zu setzen, dass die Anwohner Schallschutz bekommen. Nach seinen Worten gehe es nun flott voran.
Schallschutz reicht bei weitem nicht aus
Den Antrag für den Südbahnbetrieb hat Mehdorn nach Angaben des Infrastrukturministeriums noch nicht gestellt. Das nächste Treffen der Fluglärmkommission ist auf Drängen Mehdorns für den 7. April vorgesehen. Dann soll die die für die Genehmigung notwendige Stellungnahme abgegeben werden.
Gutachter haben nach Zahlen des Flughafens knapp die Hälfte der gut 4.000 Haushalte besucht, die beim Südbahn-Betrieb neu betroffen wären. Für gut 150 davon wurde ein konkreter Anspruch ermittelt. Nun wird der Verkehrswert der Häuser bestimmt, um zu klären, ob die Betroffenen Schallschutzfenster, Dämmungen und Lüfter bekommen oder eine Entschädigung.
Außerdem reicht nach einem Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom Januar der bisherige Schallschutz bei weitem nicht aus. Demnach darf der darf der Fluglärm die normale Gesprächslautstärke von 55 Dezibel in den 14.000 Wohnungen rund um das Flughafengelände nicht überschreiten. Die Flughafengesellschaft muss beispielsweise beim Einbau von Lärmschutzfenstern und der Dämmung von Türen, Dächern und Wänden nachbessern. 11.400 Anträge auf Schallschutz müssen neu bearbeitet werden.
Schallschutzprogramm kostet bis zu 700 Millionen Euro
Das Problem: Bei mehr als der Hälfte der betroffenen Wohnungen lässt sich das Urteil des Verwaltungsgerichtes nicht umsetzen. Ihre Eigentümer müssen deshalb mit 30 Prozent des Verkehrswertes entschädigt werden. BER-Chef Hartmut Mehdorn hat sich mit den Umland-Bürgermeistern geeinigt, auch diesen Anwohnern zumindest Schallschutzvorrichtungen anzubieten. Insgesamt könnte diese Verbesserung des Schallschutzes bis zu 700 Millionen Euro kosten.
Sanierung der Nordbahn
Die Fluglärmkommission beschäftigte sich auch mit der Sanierung der Nordbahn, die Mehdorn ebenfalls ab Juli in Angriff nehmen will. Sie braucht eine neue Asphaltdecke. Diese Start- und Landebahn soll der neue Flughafen vom benachbarten Altflughafen Schönefeld übernehmen. Während der Arbeiten sollen die Maschinen am Schönefeld-Alt von der neu gebauten Südbahn des neuen Airports fliegen. Auch der geplante Testbetrieb im Nordflügel des neuen Flughafens würde über die Südbahn laufen.




