Zahlreiche Menschen demonstrieren in Berlin gegen Flugrouten (Quelle: dpa)
Abendschau | 12.03.2014 | Boris Hermel

BER-Nachtflugverbot im Bauausschuss - Flughafen-Anwohner befürchten hohes Krankheitsrisiko

Gesundheitsrisiken kontra Einnahmeverluste – im Bauausschuss haben die Abgeordneten am Mittwoch Argumente für und gegen ein erweitertes Nachtflugverbot am BER gehört. Anwohner warnten vor den massiven Gesundheitsrisiken durch nächtlichen Fluglärm; die Betreiber dagegen fürchten Millionenverluste, falls ein acht-Stunden-Verbot durchgesetzt werden sollte.

Anwohner des künftigen Flughafens BER haben am Mittwoch im Berliner Landesparlament vor Gesundheitsrisiken durch den erwarteten Fluglärm gewarnt. In einer Anhörung des Bauausschusses lieferte Dr. Henning Thole von der Initiative "Ärzte gegen Fluglärm" alarmierende Zahlen, die zeigen sollen, das nächtlicher Fluglärm das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte signifikant erhöhe.

Der Arzt verwies auf eine Untersuchung im Umfeld des Flughafens Frankfurt/Main. Sie zeige, "dass es im Raum Frankfurt in den nächsten zehn Jahren 23.000 zusätzliche Krankheitsfälle und 3.400 Todesfälle" gebe, die auf den nächtlichen Fluglärm zurück zu führen seien.

Die Anhörung hatte die Friedrichshagener Bürgerinitiative mit einer Volksinitiative erstritten. Sie fordert, dass sich Berlin und Brandenburg auf ein Flugverbot zwischen 22 bis 6 Uhr einigen. Der Berliner Senat beharrt stattdessen auf einer kürzeren Nachtruhe. Ginge es nach BER-Chef Mehdorn, würde es am neuen Flughafen überhaupt kein Nachtflugverbot geben. Ein Hauptstadtort solle "24 Stunden offen sein", hatte Mehdorn der "Bild am Sonntag" gesagt.

Opposition unterstützt Anliegen der Bürgerinitiative

Während Abgeordnete der Opposition - die Linken, die Piraten und die Grünen - das Anliegen der Friedrichshagener unterstützten, äußerten sich die Vertreter der Berliner Regierungskoalition zurückhaltend in der Ausschussrunde.

Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) verteidigte den Plan, Nachtflüge nur für die Zeit zwischen 0 und 5 Uhr zu untersagen. Auch der Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning, betonte: "Der BER ist gebaut als internationales Drehkreuz." Darum brauche er möglichst lange Start- und Landezeiträume bis in die Nacht. Berlin sei aber offen für lärmmindernde Betriebsabläufe.

Flughafen-Betriebsleiter Elmar Kleinert erklärte, wenn nachts für acht Stunden nicht geflogen werden dürfe, seien wirtschaftliche Nachteile im dreistelligen Millionenbereich zu erwarten. Auf welchen Zeitraum er sich damit bezog, blieb offen.

Auch die Auseinandersetzung um die Flugrouten geht weiter

Berlin hatte Anfang März dem Wunsch Brandenburgs nach einem längeren Nachtflugverbot am BER erneut eine Absage erteilt. Bislang ist ein Nachtflugverbot von 0 bis 5 Uhr geplant. Brandenburg hatte eine Versammlung mit den übrigen Flughafen-Gesellschaftern Berlin und dem Bund beantragt, um auf ein Flugverbot von 22 bis 6 Uhr zu dringen.

Neben dem Streit um das Nachtflugverbot geht auch die Auseinandersetzung um das Thema Flugrouten weiter.

Vor wenigen Tagen war Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) mit seinen Bemühungen gescheitert, sich gegen den Fluglärm zu schützen. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte die Klage der Stadt gegen die geplanten BER-Flugrouten zurückgewiesen. Allerdings haben dort die Richter noch Klagen weiterer Anrainer-Gemeinden auf dem Tisch.

So verhandelt das Gericht im April die Klagen von Anwohnern sowie der Gemeinden Wildau und Königs Wusterhausen. Auch andere Gemeinden in Brandenburg wehren sich gegen die BER-Flugrouten.

Die am stärksten vom Fluglärm belastete Gemeinde Blankenfelde-Mahlow (Teltow-Fläming) will gegen ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg aus dem September in Revision gehen. Das Gericht hatte entschieden, dass Flugzeuge nach dem Start vom neuen Flughafen Mahlow nachts nördlich umfliegen müssen. Die Gemeinde will jedoch auch am Tag die Starts über sein Zentrum verhindern - denn die Anwohner dort müssen schon die Landeanflüge ertragen. 

In Berlin hatte das Gericht im vergangenen Jahr eine Route über den Wannsee gestrichen, Flüge über den Müggelsee aber gebilligt.

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