Messehalle Selchow (Quelle: rbb/Göbel)

Gähnende Leere in Selchow - ILA-Messegelände ruht im Tiefschlaf

Drei Messehallen vom Feinsten, eine große Ausstellungsfläche und Parkplätze bis zum Horizont – das ist das neue Expo-Center Airport in Selchow, einem Ortsteil von Schönefeld. Es wurde 2012 für die ILA errichtet, aber nicht nur. Denn eigentlich wäre das ein toller Standort für viele weitere Messen, wenn denn auf dem BER gleich nebenan Flugzeuge starten und landen würden. Von Jana Göbel

Gähnende Leere auf dem ILA-Gelände am Rand des toten BER. Nur selten erwacht das vor allem für die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung neu errichtete Messezentrum aus dem Tiefschlaf. Tatsächlich steht das Areal mehr als die Hälfte des Jahres leer. Eigentlich sollte das 43 Millionen Euro teure ExpoCenter Airport nicht nur für die ILA, sondern rund ums Jahr vermarktet werden. Doch solange der BER nicht startet, winken die Messeveranstalter ab, berichtet Wolfgang Rogall von der Messe Berlin. Der Standort sei an sich nicht schlecht, sondern perspektivisch sogar top, so Rogall. "Im Moment stockt natürlich die Akquisition. Wir haben viele Kunden, die in den Akquisitionsgesprächen sagen, redet gern nochmal mit uns, wenn der Flughafen eröffnet ist."

Messehalle in Selchow (Quelle: rbb/Göbel)

"Bizarr und hochnotpeinlich"

Fashion-Manager Jörg Wichmann hat es in Schönefeld mit der Modemesse "Panorama" versucht. Er lobt das tolle Messegelände mit den drei modernen Hallen und 14.000 Parkplätzen. Doch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Areal gar nicht zu erreichen.
"Die fehlende Verkehrsanbindung des öffentlichen Nahverkehrs war für uns nur lösbar, indem wir ein Shuttle-Bus-Konzept auf die Beine gestellt haben", sagt Wichmann. Ein teures Unterfangen für die Veranstalter. Denn allein für die "Panorama" waren laut Wichmann 120 bis 150 Busse im Einsatz.

Für die Modemesse, die große Marken wie Olymp, Camp David und Stefanel anlockt, ist das Gelände ohnehin inzwischen zu klein geworden. Die Pläne aber, weitere Hallen zu errichten, sind nach rbb-Informationen erst einmal vom Tisch. Wichmann wäre mit der Modemesse "Panorama" gern in Schönefeld geblieben. Ihn ärgert, dass der BER immer weiter nach hinten geschoben wird. "Es ist bizarr und hochnotpeinlich, und für mich  als Unternehmer auch ärgerlich, weil wir eine Investitionsentscheidung getroffen und unser ganzes Konzept darauf aufgebaut haben, dass es am Flughafen mal zum Flugbetrieb kommt." Wichmann hat es dennoch geschafft, seine Messe erfolgreich zu etablieren - auch ohne Flughafen.

Christoffers hofft auf einen Fahrplan "bis April / Mai"

Die Wirtschaft der Region stöhnt wegen des BER-Desasters. Die Verbände beklagen, dass dadurch Investitionen und Arbeitsplätze gefährdet werden.  Der linke brandenburgische Wirtschaftsminister Ralf Christoffers fordert deshalb einen klaren Fahrplan. "Wir erwarten, dass endlich ein Kosten- und Zeitplan zur Eröffnung des Flughafens vorgelegt wird", sagt der Politiker, der zugleich im Aufsichtsrat der Airport-Gesellschaft sitzt - und gibt zugleich eine vage Aussicht: "Ich hoffe, dass wir bis April / Mai den Fahrplan haben, den alle dringend brauchen, dass der Flughafen ans Netz geht, dass wir endlich die Potenziale und Chancen heben können."

Im Mai startet auf dem Messegelände die nächste ILA. Mehr als 200.000 Luftfahrt-Experten und Besucher aus der ganzen Welt treffen sich dann dort - direkt neben dem Pannenflughafen der Hauptstadtregion.

Geländeplan des ILA Berlin ExpoCenter Airport (Grafik: ila-berlin.de)

Beitrag von Jana Göbel

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