Hartmut Mehdorn © dpa

Der Kommentar - Mehdorn und kein Ende

Hartmut Mehdorn ist seit einem Jahr Chef der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg. Erreicht hat er wenig - aber viele gegen sich aufgebracht. Mehdorn ist nicht der "Verbinder", den die Riesenbaustelle braucht, meint Jana Göbel.

Je länger der Stillstand währt, desto mehr stellt sich die Frage, ob der Chefposten am BER richtig besetzt ist. Nach einem Jahr im Amt ist Mehdorn mit vielen Seiten im Clinch. Er hat nicht nur die Anteilseigner Berlin, Brandenburg und den Bund gegen sich aufgebracht. Auch Behörden, auf die Hartmut Mehdorn angewiesen ist, wurden verprellt: das zuständige Bauordnungsamt, die Luftfahrtbehörde – überall Probleme. Auch bei den Baufirmen ist die Situation verfahren, viele warten auf Geld für ihre geleistete Arbeit – nicht gut für die Motivation. Es brennt an allen Seiten, die zahlreichen Bürgerinitiativen nicht mitgerechnet. Aber damit nicht genug, Hartmut Mehdorn streitet auch noch im eigenen Stall. Erst feuerte er seinen Technikchef, dann seine Chefplanerin.

Widersprüchliche Interessen

So geht es nicht voran. Es gibt auf und rund um den Flughafen viele Fachleute, in der Politik, in den Verwaltungen, bei den Baufirmen. Sie alle wollen einen funktionierenden Flughafen für die Hauptstadtregion. Da gibt es sicher Meinungsverschiedenheiten über das Wie. Da gibt es auch widersprüchliche Interessen, vor allem in Brandenburg. Hier wird im September gewählt, und ein lärmender Flughafen könnte Stimmen kosten.

Alle Fronten verhärtet

Doch wer so eine komplexe Baustelle übernimmt, sollte ein Verbinder sein, einer, der Partner und Kritiker an einen Tisch holt und Widersprüche mit ihnen gemeinsam aufdröselt. So einer ist Mehdorn offenbar nicht. Er agiert wie ein Chef, der oben an der Spitze entscheidet und dann wird das so gemacht wie er es haben will. Beim BER hat das dazu geführt, dass sich alle Fronten verhärteten. Mehdorn ist deshalb so gut wie bewegungsunfähig.
Das Ergebnis nach einem Jahr an der Spitze des BER: Kein Brandschutz, kein Probebetrieb, kein Schallschutz, keine Sanierung der Nordbahn, kein Zeitplan, kein Finanzplan. Und die Kosten steigen. Monat für Monat.

Dennoch kaum verzichtbar

Viele der Probleme waren schon da, bevor Hartmut Mehdorn das Amt des Flughafenchefs übernahm. Der BER ist eine extrem schwierige Baustelle – zu viele Besitzer, zu viele Gegner. Es ist fraglich, wie Mehdorn das Wirrwarr, in dem alle Seiten sich verfangen haben, wieder auflösen will.
Zwar haben ihm die Anteilseigner Berlin, Brandenburg und der Bund das Vertrauen ausgesprochen. Das klingt gut. Tatsächlich sind die Beteiligten aneinander gebunden, um nicht zu sagen, einander ausgeliefert. Einerseits kann man auf Hartmut Mehdorn als Flughafenchef kaum verzichten, weil das Projekt dann wieder zeitlich rutschen würde. Und Mehdorn selbst kann jetzt wahrscheinlich nicht aufgeben, weil er bisher kaum Fortschritte beim Pannenflughafen BER vorzuweisen hat.

Kommentar von Jana Göbel