Torte mit Kerzen (Quelle: dpa)

Kommentar - Es sollte so schön werden am BER...

Es sollte so schön werden am 3. Juni 2012: Mit einer großen Eröffnungsfeier sollte der BER an den Start gehen, stattdessen kam der Absturz. Bislang ein Schrecken ohne absehbares Ende, meint Holger Hansen, rbb Landespolitik.

Peinlicher geht es wohl kaum. BER steht seit der Eröffnungsverschiebung vor einem Jahr in ganz Deutschland und darüber hinaus für "Pleiten, Pech und Pannen", und ein Ende der Misserfolgsgeschichte ist noch längst nicht abzusehen. Ein Ende der Kostenspirale ebenso wenig.

Der geplatzte Eröffnungstermin war nicht nur eine Riesen-Enttäuschung. Dass der neue Flughafen Berlin Brandenburg immer noch nicht gestartet ist, bleibt auch weiterhin ein schlechter Ausweis für die ganze Region.
Da verwundert es, gelinde gesagt, wenn der Regierende Bürgermeister von Berlin Medien tadelt, die das Großprojekt BER angeblich nur "schlecht reden". Schönreden und immer weiter an einer imaginären Erfolgsgeschichte festhalten, hilft eben auch nicht weiter, sondern wirkt absurd.

Kritik ist mehr als berechtigt, und die Empörung der Steuerzahler ebenso: Öffentliche Gelder werden in schwindelerregender Höhe offensichtlich verschleudert. Die Kosten für den BER sind von ursprünglich 2,4 auf offiziell 4,3 Milliarden Euro gestiegen, und schon ist zu hören, dass sie deutlich über 5 Milliarden steigen werden. Ein großer Teil ging für Fehlplanungen und Pfuscharbeit drauf, Geld, das unwiederbringlich verloren ist.

Rückblick

Die Anzeigetafel am Flughafen Tegel in Berlin zeigt am Freitag (02.03.2012) während eines Warnstreiks mit dem Wort "Cancel" einen gestrichenen Flug an (dpa).

- "Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen"

Paukenschlag vor einem Jahr: Kurz vor der Einweihungsparty platzte die Eröffnung des neuen Flughafens BER. Während die Welt über Berlin spottet, hat die Wirtschaft den Schaden – und der Steuerzahler.

Aber wer ist verantwortlich?

Die Beteuerung der Verantwortlichen, der neue Flughafen werde jeden investierten Cent wieder erwirtschaften, glaubt inzwischen wohl niemand mehr. Aber wer ist verantwortlich? Den Landesregierungen wird von den jeweiligen Oppositionsparteien Versagen vorgeworfen. Das ist wohlfeil, denn ihnen reicht das Kritisieren.

Auf Vorschläge, wie es besser geht, warten wir vergeblich. Außerdem wird meistens vergessen, dass nicht nur Berlin und Brandenburg, sondern auch der Bund als dritter Gesellschafter im BER-Aufsichtsrat vertreten ist.

Offenbar ist eben diese Kombination aus Vertreter-Wesen, vielen Beteiligten und viel öffentlichem Geld Ursache dafür, dass ein solches Milliardenprojekt schwer zu lenken und zu kontrollieren ist, dass Verantwortungen abgeschoben werden können.

Chronologie

Ein Mann mit Signalweste läuft am Nordpier und spiegelt sich dabei in einer Scheibe. (Bild dpa)

- Der lange Weg zum neuen Flughafen BER

Schon mehrfach wurde die BER-Eröffnung verschoben. Das passt zur Geschichte des Flughafenprojekts. Von der Idee bis zur Realisierung dauerte es mehr als 20 Jahre - die wichtigsten Etappen.

Irgendwann hat der Schrecken ein Ende...

Kein Privatunternehmer könnte sich so etwas leisten. Rufe nach einer Privatisierung des Unternehmens BER sind daher verständlich, aber wer will schon das ganze wirtschaftliche Risiko allein tragen? Niemand. Deshalb helfen Schuldzuweisungen keinen Schritt weiter.

Der BER wurde von den zuständigen Politikern beschlossen, und die sind demokratisch gewählt worden. Was also sollte besser werden, wenn andere das Ruder übernehmen?

Vermutlich müssen wir die BER-Geschichte auch weiterhin aushalten, bis der Schrecken dann doch irgendwann ein Ende findet.

Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem neuen Flughafenchef Hartmut Mehdorn. Der hat viele Ideen und auch viel Erfahrung. Und auch, dass es nun endlich eine Geschäftsführerin für die Finanzen geben wird, ist Anlass zur Hoffnung. Nicht mehr und nicht weniger. Verantwortlich aber bleiben weiterhin alle Beteiligten.

Beitrag von Holger Hansen, rbb Landespolitik

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