Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) (Bild: dpa)

Matthias Platzeck im Porträt - "Ich koppele mein Schicksal eng an diesen Flughafen"

Mit der Wende startete Matthias Platzeck als zunächst grüner Politiker durch. TV-Auftritte machten den "Deichgrafen" während des Oderhochwassers 1997 bundesweit populär. Der Flughafen stellt den engagierten SPD-Politiker jetzt auf eine harte Probe.

Die politische Laufbahn des Matthias Platzeck begann 1988, damals gründet er mit Gleichgesinnten die Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung ARGUS. Nach dem Zusammenbruch des SED-Regimes beteiligte er sich der damals 33-jährige studierte Ingenieur an der Gründung der „Grünen Liga“. Er nahm an den Beratungen des Runden Tischs teil und wurde in der Übergangsregierung von Hans Modrow zum Minister ohne Zuständigkeitsbereich.

Who is who?

Der technische Geschäftsführer des BER, Horst Amann, auf dem Weg zu einer Aufsichtsratsbesprechung (Quelle: dpa)

- Wer kontrolliert was im Flughafen-Aufsichtsrat?

"Wer bezahlt, prüft": Entsprechend diesem Motto besteht das Kontrollgremium der Flughafengesellschaft aus Interessenvertretern der Länder Berlin und Brandenburg, des Bundes sowie der Arbeitehmer. Das sind die Vertreter und ihre Aufgaben.

Frontenwechsel von Grün zu Rot

1990 zog er in die Volkskammer ein, zusätzlich errang er später im Brandenburger Landtag ein Mandat. Im November übernahm er dort unter Ministerpräsident Stolpe das Amt des Umweltministers.

1991 schlossen sich die ostdeutschen Bürgerbewegungen zu "Bündnis 90" zusammen, zwei Jahre später wurde die Vereinigung mit den westdeutschen Grünen beschlossen. Doch Platzeck war gegen diese Fusion und traf eine weit reichende Entscheidung: Er trat aus der Partei aus und wechselte 1995 zur SPD.

Schon zwei Jahre darauf erlangte Brandenburgs Umweltminister wegen seines Einsatzes beim Oderhochwasser bundesweite Berühmtheit – vor allem durch die ständige Medienberichterstattung über die "Jahrhundertflut". Aus dieser Zeit stammt sein Beiname "Deichgraf", den ihm eine Bouevardzeitung verpasste.

1998 kandidierte der mittlerweile sehr populäre Platzeck für den Posten des Oberbürgermeisters von Potsdam - und gewann.

Auch in der SPD machte der Ostdeutsche rasch Karriere: 1999 wurde er in den Bundesvorstand gewählt, 2000 löste er Steffen Reiche als Landesvorsitzenden in Brandenburg ab.

Ministerpräsident in Brandenburg

2002 trat Manfred Stolpe überraschend als Ministerpräsident von Brandenburg zurück und schlug Platzeck zu seinem Nachfolger vor: Im Juni 2002 wurde der 49-Jährige zum Landeschef gewählt.

Platzeck galt immer als bürgernaher Politiker, aber zur Not konnte er auch die Krallen ausfahren, wenn es um die Interessen des Landes ging. So trug er zwar die Agenda 2010 und die Hartz-Gesetze der Schröder-Regierung mit. Aber er erreichte, dass Regionen mit mehr als 15 Prozent Arbeitslosigkeit eine besondere Unterstützung erhielten.

Auch sein vorzeitig abgebrochener Ausflug an die Spitze der Bundes-SPD tat seiner Popularität keinen Abbruch. Als SPD-Chef Müntefering das Handtuch warf, war es Platzeck, der als "Retter in der Not" den Posten übernahm. Fünf Monate später gab er den Vorsitz aus gesundheitlichen Gründen ab. Und erntete dafür mehr Mitgefühl als Häme.

Klaus Wowereit und Matthias Platzeck geben den 17. März 2013 als neuen BER-Starttermin bekannt (Foto: dpa)
BER-Aufsichtsratschef Klaus Wowereit und Stellvertreter Platzeck

Das schwierige Thema Flughafen

Als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft schlug ihm ein deutlich rauerer Wind entgegen. Zwar wurde der Airport als größtes Infrastruktur-Projekt lange Zeit als Hoffnung für das Land gefeiert. Aber spätestens im September 2010 wurde es für Platzeck ungemütlich - als die Deutsche Flugsicherung die Flugrouten am BER vorstellte. Auf einmal waren wegen abknickender Streckenführungen viel mehr Menschen in der Umgebung des Flughafens von Fluglärm betroffen als zunächst angenommen – und teilweise auch in komplett anderen Gemeinden.

Der Spagat zwischen Landesvater und BER-Aufsichtsrat gelang Platzeck in dieser Zeit nicht immer: Als er sich beispielsweise bei einer Demonstration aufgebrachter Bürger in Zeuthen an die Spitze der Bewegung setzen wollte, erntete er vor allem Pfiffe und Buhrufe. Dass die Festlegung der Flugrouten Angelegenheit des Bundes ist, half ihm auch nicht weiter.

In Erklärungsnot geriet er außerdem, als der BER-Aufsichtsrat beschloss, gegen ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vorzugehen. Das Urteil gestand den Anwohnern den maximalen Schallschutz zu. Der Aufsichtsrat ließ das Urteil überprüfen. Dieser Beschluss brachte Platzeck auch in Misskredit beim Koalitionspartner: Die Linke bezeichnete den Vorgang als "Skandal".

Platzeck argumentierte, als Ministerpräsident Brandenburgs sei er für die steigenden Kosten am BER verantwortlich – die letztlich auch das Land belasteten.

Porträt

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"Entweder das Ding fliegt - oder ich fliege"

Als dann der neue Termin Oktober 2013 auch wieder platzte und Klaus Wowereit als Aufsichtsratschef zurücktrat, musste sich Platzeck entscheiden. Er wählte die Flucht nach vorn und kündigte an, den Vorsitz zu übernehmen.

„Ich koppele mein Schicksal eng an diesen Flughafen“, kündigte Platzeck nach Bekanntwerden der erneut geplatzten Eröffnung an. "Entweder das Ding fliegt – oder ich fliege." Diesen Ausspruch tat Platzeck einen Tag vor der Vertrauensabstimmung im Landtag - er gewann sie.

Die Gefahrenzone hat er damit noch nicht verlassen. Denn das Ding fliegt noch lange nicht. Und 2014 wird in Brandenburg gewählt.

Nele Haring

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