Maren Borchers und Jihan Kerro mit deren Sohn auf dem Balkon der neuen Wohnung in Berlin-Charlottenburg (Foto: rbb/Nina Amin)
Video: Abendschau | 27.08.2015 | Agnes Taegener

Ehepaar hilft Familie aus Syrien - Ein Stück Heimat in Berlin

Raus aus dem Flüchtlingsheim, rein in die eigenen vier Wände: Darauf müssen viele Geflüchtete lange warten. Vor knapp vier Monaten berichtete rbb-Reporterin Nina Amin über eine vierköpfige syrische Familie im Übergangswohnheim Marienfelde. Ein Berliner Ehepaar hörte den Beitrag – und half bei der Wohnungssuche. Von Nina Amin

Maren Borchers und Jihan Kerro räumen die neue Küche ein. Überall steht Geschirr herum. In der hellen, frisch renovierten 2-Zimmer-Altbauwohnung herrscht Umzugschaos. Jihan guckt sich um. Die junge Englischlehrerin aus Syrien kann es noch nicht glauben. Seit einem Jahr ist sie mit ihrem Mann Ali und den beiden Söhnen in Berlin. Nun kann die Familie endlich mit ihren wenigen Koffern aus dem Heim in die eigenen vier Wände ziehen: "Die neue Wohnung ist sehr schön, die Kinder sind sehr glücklich", sagt Jihan. "Das kommt nur durch Maren und Boris, die so viel geholfen haben."

Die Wohnung gehört einer Bekannten der Borchers. Nach kurzer Verhandlung war sie bereit, die Miete etwas zu senken. Denn das Amt übernimmt nur knapp über 700 Euro Miete für vier Personen. Maren Borchers ist froh, dass es geklappt hat. Inzwischen kennt sie die Sorgen ihrer syrischen Freunde. Eine gute Wohngegend für ihre Kinder hatte immer Priorität. Auch wenn zwei Zimmer nicht gerade viel sind. Aber ein Zuhause helfe ihnen, in Berlin anzukommen: "Ich habe das Gefühl, dass das Heimweh ein ganz bisschen weniger wird: Dass wir es schaffen, ein ganz kleines bisschen Heimat für sie mit zu gestalten. Durch die Wohnung, die wir gemeinsam einrichten, aber auch mit alltäglichen Dingen wie gemeinsam essen oder gemeinsam telefonieren, zusammen plaudern."

Unterstützung auch bei der Arbeitssuche

Für die Endvierzigerin ist die Freundschaft zu Jihan und Ali eine Bereicherung. Außerdem kann sie ihnen bei bürokratischen Fragen helfen. Sie war gerade bei der Anmeldung der Söhne an der Grundschule um die Ecke dabei. Viele ihrer Freunde würden auch gern helfen, sagt sie, wüssten aber nicht, an wen sie sich wenden sollen.

Nach dem Umzug und der Einschulung der Kinder wollen die Bochers Ali helfen, Arbeit zu finden. Er ist Laborarzt und fängt jetzt einen Deutschkurs speziell für Mediziner an. Der Syrer denkt oft an den Krieg in seiner Heimat, an das, was hinter ihnen liegt. Er wünscht sich ein gutes Leben für seine Familie in Berlin. Zusammen mit den Borchers, sagt er: "Die sind jetzt in Deutschland wie meine zweite Familie."

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Beitrag von Nina Amin

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