Ein Plakat mit einem Suchaufruf nach dem vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed, aufgenommen am 05.10.2015 an einem Fenster des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LAGESO) in Berlin (Quelle: dpa)

Verdächtiger gesteht zweiten Mord - Vierjähriger Mohamed wurde missbraucht und erwürgt

Der kleine Mohamed, der vor einem Monat am Berliner Lageso verschwunden ist, wurde Opfer eines Sexualverbrechens und anschließend erdrosselt. Das hatte der Tatverdächtige laut Staatsanwaltschaft ausgesagt. Der 32-Jährige war am Donnerstag festgenommen worden. Außerdem gestand er auch, den in Potsdam verschwundenen Elias getötet zu haben.

Der am 1. Oktober 2015 in Berlin verschwundene vierjährige Mohamed ist sexuell missbraucht und anschließend getötet worden. Das teilten die Berliner Ermittler auf einer Pressekonferenz am Freitag in Berlin mit. Bei der am Donnerstag in einem Auto in Brandenburg gefundenen Kinderleiche handele es sich um den am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin-Moabit entführten Flüchtlingsjungen. Der Tatverdächtige habe gestanden, Mohamed schon am Tag nach dessen Entführung mit einem Gürtel erwürgt zu haben. Der 32-Jährige war am Donnerstag festgenommen worden.

Der Beschuldigte habe Mohamed nach dem Missbrauch erdrosselt, um Schreie des Kindes zu unterbinden und Spuren zu verwischen, hieß es weiter. Der Junge habe "gequengelt
und gemault" und wollte aus der Wohnung weg. Zudem habe der Mann Angst gehabt, dass seine Eltern den Jungen hören, da sie in der Wohnung unter ihm gewesen seien.

Geständnis: auch Elias getötet

Bei seiner Vernehmung in der Nacht habe der mutmaßliche Mörder von Mohamed gestanden, auch den vermissten sechsjährigen Elias aus Potsdam getötet zu haben. Das sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner.

Der sechsjährige Elias war Anfang Juli in Potsdam verschwunden, nachdem der Erstklässler zuletzt beim Spielen gesehen worden war. Hunderte Polizisten und Nachbarn durchsuchten in den folgenden Wochen die gesamte Umgebung der Wohnsiedlung Schlaatz - allerdings ohne Ergebnis. Wie die Beamten bestätigten, soll der Geständige angegeben haben, die Leiche von Elias in einer Kleingartenanlage in Luckenwalde, der Kreisstadt von Teltow-Fläming, vergraben zu haben. Bereits seit Freitagmittag werde dort nach der Leiche gesucht. Der Beschuldigte haben genaue Ortsangaben gemacht, an der betreffenden Stelle wurde inzwischen ein Paket gefunden, in dem die Leiche des Kindes liegen könnte.

Aussage: Spielzeug und Kuscheltiere als Spenden

Der 32-Jährige, der als Wachschutzmann in Brandenburg arbeitete, sei polizeilich "ein unbeschriebenes Blatt" gewesen. Der Mann soll sogar noch ein Geburtstagsgeschenk für seine Cousine gekauft haben, bevor er am Donnerstag von den Ermittlern vor seinem Wohnhaus im brandenburgischen Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) erwartet wurde, festgenommen wurde und dann ein Geständnis ablegte. Die Polizei geht nach der Tötung von Mohamed und Elias von einem Einzeltäter aus.

Seiner Aussage zufolge war der Mann am 1. Oktober zum Berliner Lageso gekommen, um Spenden abzugeben. Deshalb habe er Spielzeug und Kuscheltiere dabei gehabt. Er sei dann auf Mohamed aufmerksam geworden und habe ihm ein Plüschtier geschenkt. Der Junge sei ihm gefolgt, daraufhin habe er Mohamed mitgenommen, so die Aussage. Anschließend sei er zunächst mit dem Vierjährigen ziellos herumgefahren, ehe er ihn in seine Wohnung mitgenommen habe.

Hinweis von der Mutter des Verdächtigen

Die Mutter des Tatverdächtigen hatte ihn auf den Fahndungsfotos erkannt und der Polizei den entscheidenden Hinweis gegeben. Während die Beamten bei der Frau waren, fuhr der 32-Jährige mit seinem Auto vor und gab aus eigenem Antrieb zu, dass die Leiche des Jungen im Kofferraum sei. Das tote Kind lag den Angaben zufolge in einer Wanne und war teilweise mit Katzenstreu bedeckt. Der Mann habe sich ruhig und kooperativ verhalten, so die Polizei.

Psychologin: Mutter handelte "ungeheuer mutig"

Dass ein Täterhinweis - wie im Fall Mohamed - von der eigenen Mutter kommt, ist aus Sicht von Experten etwas Besonderes. "Das ist nicht selbstverständlich", sagte die Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité, Isabella Heuser, am Freitag.

Nach Einschätzung der Psychologin dürfte die Frau zuvor eine Weile mit sich gerungen haben. "Mit Sicherheit hat die Mutter nicht das Fahndungsfoto gesehen und sofort zum Hörer gegegriffen", sagte Heuser. Die Frau hatte ihren Sohn laut Polizei zunächst mit ihrem Verdacht konfrontiert. "Das kann auch schiefgehen und damit enden, dass die Eltern selbst angegriffen werden", erklärte die Psychologin. Insgesamt habe die Frau "ungeheuer mutig" gehandelt. "Die Mutter hat ethisch und moralisch das Richtige getan."

32-Jähriger gesteht Tötung von Mohamed und Elias

Polizei ging früh von Verbrechen aus

Mohamed war am 1. Oktober auf dem damals meist überfüllten Gelände des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit verschwunden, als er dort mit seiner Mutter und seinen Geschwistern zu einem Termin ging. Die Familie stammt aus Bosnien-Herzegowina und lebt nach Angaben der Ermittler seit einem Jahr in Deutschland.

Die Polizei ging früh von einem Verbrechen aus. Aufnahmen von Überwachungskameras zeigten Mohamed beim Verlassen des Geländes an der Hand eines unbekannten Mannes. Zuletzt waren noch einmal weitere Bilder einer privaten Kamera aufgetaucht und von den Ermittler veröffentlicht worden. 350 Hinweise gingen bis Donnerstagmorgen ein. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise auf den Täter ausgesetzt. Weitere 10.000 Euro kamen von zwei Privatleuten. Die Polizei hatte ihre Fahndung in den vergangenen Tagen noch einmal verstärkt.

Ermittlungen der Polizei im Landkreis Teltow-Fläming

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