Das frühere Kongresscentrum ICC auf dem Berliner Messegelände (Quelle: imago/Schöning)

Früherer Tanzsaal wird zur Flüchtlingsunterkunft - Flüchtlinge ziehen ins ICC

Die Messe Berlin bekommt ihre Halle 26 für die Grüne Woche im Januar zurück: Rund 1.000 Flüchtlinge ziehen am Freitag um – ein Teil von ihnen soll im stillgelegten ICC wohnen. Hier gibt es in den Schlafräumen zwar kein Tageslicht, aber im Gegensatz zu Turnhallen und den Hangars in Tempelhof hat das ehemalige Kongresszentrum zwei Vorteile.

Rund 1.000 Flüchtlinge müssen am Freitag ihre Unterkunft in der Messehalle 26 verlassen. 650 sollen in das benachbarte stillgelegte ICC einziehen, teilte die Sprecherin der Sozialverwaltung, Regina Kneiding, am Donnerstag mit. Die restlichen rund 350 Menschen sollen in anderen Unterkünften untergebracht werden. In den vergangenen Tagen wurden im ICC Belüftung, Toiletten und Trinkwasser wieder in Betrieb genommen.

Damit wird das ICC neben den Tempelhofer Hangars eine weitere Massenunterkunft in der Hauptstadt. Um die Menschen, die aus Syrien, Afghanistan und dem Irak nach Deutschland geflohen sind, wird sich der Malteser Hilfsdienst kümmern.

Rund 400 Menschen sollen im alten Ballsaal des ICC unterkommen. Um Privatsphäre zu schaffen, sollten Zimmer auf der ganzen Fläche gebaut werden, wie Matthias Nowak vom Malteser Hilfsdienst vergangene Woche dem rbb sagte. Auch auf der Empore rings um den ehemaligen Tanzsaal sollten Zimmer entstehen. Allerdings gibt es kein Tageslicht. In dem früheren Bühnenbereich sollen die Kinder betreut werden.

Ein Raum im Messegebäude des ICC ist am 11.12.2015 leer (Quelle: rbb/ Nina Amin)
Früher Tanzsaal: heute Flüchtlingsunterkunft

Duschen und Toiletten vorhanden

Vor über einem Jahr wurde das ICC stillgelegt, da es mit Asbest belastet sein sollte. Einige Bereiche wurden nun zur Flüchtlingsunterbringung freigegeben. Doch Matthias Nowak hat keine Bedenken. Solange man die Decke nicht anfasse, in der die Asbestfasern verbaut sind, könne nichts passieren.

Trotz fehlender Fenster im großen Schlafsaal und möglicher Schadstoffbelastung hat das ehemalige Kongresszentrum zwei Vorteile: Es gibt Duschen und Toiletten, sowie 16 abgetrennte Zimmer mit Fenstern für Familien mit Kleinkindern. 

Messe-Chef sorgt sich um Schadenersatzforderungen

Die Messehalle 26 wurde seit Anfang Oktober als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt und war als Zwischenlösung gedacht. Damals kündigte der Staatssekretär für Flüchtlingsfragen, Dieter Glietsch, bereits an, dass die Halle nur bis Mitte Dezember genutzt werde, weil die Messe für die Grüne Woche benötigt wird.

Messe-Chef Christian Göke hatte sich bereits Gedanken gemacht, was passiert, wenn die Flüchtlinge nicht pünktlich ausziehen. Gelinge es nicht, die Halle frei zu bekommen, könne sich das finanziell sehr negativ auswirken, sagte Göke am Mittwoch. Allein für die ersten drei Monate 2016 drohten Schadenersatzforderungen von bis zu 25 Millionen Euro. Göke sprach sich auch dagegen aus, Messehallen in Berlin dauerhaft mit Flüchtlingen zu belegen. "Es wäre falsch, wirtschaftliche Kraft kaputt zu machen, um zu helfen."

Um das Gebäude stillzulegen, seien drei Millionen Euro nötig gewesen. Nun seien weitere 750.000 Euro investiert worden, um etwa Belüftung, Toiletten und Stromversorgung wieder anzuschließen.

Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof sind am 09.12.2015 Toilettenkabinen für die Notunterkunft für Flüchtlinge aufgestellt . (Quelle: rbb/Mara Nolte)
Unzumutbare Zustände am Flughafen Tempelhof

Bezugstermin für Hangar 7 noch offen

Derweil laufen die Planungen für eine weitere Nutzung von Hangars im stillgelegten Flughafen Tempelhof weiter. Demnach sei der Bezugstermin in Hangar 7 noch offen, wie Sprecherin Kneiding mitteilte. "Wir wollen von Beginn an Duschmöglichkeiten für die Flüchtling." Die Verwaltung hoffe, dass eine Eröffnung noch vor Weihnachten möglich sei.

Bisher leben in den Hangars 1, 3 und 4 schon rund 2.200 Asylbewerber ohne Duschen vor Ort. Die Menschen werden mit Busshuttles zu Duschen in umliegenden Schwimmbädern und einem Sportplatz gebracht. Toiletten sind nur in mehr als 170 mobilen Toiletten auf dem Flugvorplatz nutzbar. Zwar wurden bereits zahlreiche Duschcontainer in den schon bezogenen Hangars aufgestellt. Doch die zusätzliche Wasserversorgung ist immer noch ein Problem.

An der Inbetriebnahme der Duschen und Toiletten vor Ort werde mit Hochdruck gearbeitet. Zudem würden 60 Duschzelte und weitere 10 größere Familienduschen von Freitag an aus der Messehalle 26 nach Tempelhof verlegt.

"Wohnungen" für 16 Familien mit Kleinkindern

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