Archiv: In strahlendem Sonnenschein liegt am 21.05.2014 das Tempelhofer Feld in Berlin. Der Berliner Senat will auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof temporäre Flüchtlingsunterkünfte bauen. (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 04.12.2015 | Christina Heicappell

Zwei statt vier Stellen - Senat ändert Pläne für das Tempelhofer Feld

Eigentlich sollte alles ganz schnell gehen: Der Berliner Senat hatte an vier Stellen des Tempelhofer Feldes Unterkünfte für Flüchtlinge vorgesehen. Doch gegen diese Pläne regt sich massiver Widerstand in der Politik und der Bevölkerung. Nun macht Senator Geisel Kompromisse - auch bei der Blumenhalle.

Am Rand des Tempelhofer Feldes sollen nun doch weniger Flächen zur Flüchtlingsunterbringung vorgesehen werden als bislang geplant. Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) sagte dem rbb am Freitag, Gespräche mit den am Feld aktiven Gruppen hätten ergeben, dass auf die ursprünglich vorgesehenen Standorte am Tempelhofer Damm und an der Oderstraße nun verzichtet werden soll.

Stattdessen werde man jetzt nur noch die befestigten Flächen links und rechts des Vorfeldes zur Flüchtlingsunterbringung vorsehen. Dort sollen mobile Unterkünfte entstehen, weil diese Bereiche gut befestigt und erschlossen seien.

Initiative froh und skeptisch

"Wir haben einen Vorschlag gemacht, der vier Standorte vorgesehen hat. Dieses Konzept wurde aber nicht von allen getragen. Ich sehe das jetzt auch nicht so sehr als Kompromiss, sondern als weitere Qualifikation der Standorte. Wenn wir die Mehrheit der Aktiven hinter uns bringen, dann haben wir was erreicht." Diesen Vorschlag wolle er dem Stadtentwicklungsausschuss in der kommenden Woche vorlegen, sagte Geisel.

Die Initiative 100% Tempelhofer Feld reagierte verhalten auf Geisels Ankündigung. Gut sei, dass erstmal der zeitliche Druck aus dem Prozess sei und das einst beschlossene Volksgesetz nicht im Eiltempo noch im Dezember geändert werde. Ansonsten aber sorgten die ständig neuen Vorschläge nicht gerade für Transparenz, war zu hören.

Blumenhalle für Logistik

Neue Ideen gibt es auch für die Blumenhalle der Internationalen Gartenbau-Ausstellung, die der Senat zur Flüchtlingsunterkunft am Rand des Tempelhofer Feldes umfunktionieren wollte: Sie soll nun am Flughafengebäude errichtet werden. Geisel sagte dem rbb weiter, auf dem Vorfeld solle sie allerdings nicht zur Unterbringung, sondern für Logistik verwendet werden. Denkbar sei dort die "Beschulung der Kinder, Gesundheitsaufgaben, Gemeinschaftszentren".

Hintergrund der neuen Planung ist der Zeitdruck: Für das ursprüngliche Vorhaben, die Halle neben dem Flughafengebäude aufzubauen, müsste das Tempelhofer-Feld-Gesetz geändert werden. Doch die Abgeordneten wollen sich dafür bis Januar Zeit nehmen, da das Gesetz durch einen Volksentscheid zustande kam.

Auf dem Roll- oder Vorfeld kann die Blumenhalle dagegen sofort aufgebaut werden, weil diese Fläche formal noch zum Gebäude gehört. Geisel sagte weiter: "Wir müssen jetzt weitere Blumenhallen bestellen. Eine weitere zur Unterbringung von Menschen, weil eine Halle in etwa drei Turnhallen entspricht und wir weniger Turnhallen in Anspruch nehmen wollen." Eine dritte Halle brauche auch die IGA selbst.

Keine Entscheidung mehr vor Weihnachten

Am Mittwoch hatten sich SPD und CDU darauf geeinigt, das Tempelhofer-Feld-Gesetz nicht mehr vor Weihnachten zu ändern. Die Verschiebung war schon absehbar gewesen, nachdem die CDU bei der letzten Plenarsitzung Gründlichkeit vor Schnelligkeit angemahnt hatte. Die Beratungen über das Gesetz werden also nicht mehr im Eiltempo bis zur kommenden Woche zu Ende gebracht.

Zunächst solle weiter beraten werden, auch mit einer Expertengruppe und Bürgern, hieß es. Die Änderung des Tempelhofer-Feld-Gesetzes ist umstritten, weil es erst vor anderthalb Jahren per Volksentscheid beschlossen wurde.

Mit Informationen von Thorsten Gabriel

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