Schatten von Flüchtlingen zeichnen sich an einer Holzwand am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) ab. (Quelle: dpa)

Sozialverwaltung widerspricht - Helfer warnen: Flüchtlinge müssen hungern

Wochenlang warten Flüchtlinge auf einen Termin beim Lageso, kritisieren ehrenamtliche Helfer. Und das heißt mitunter: Sie bekommen wochenlang kein Geld, können sich also auch kein Essen kaufen. "Moabit hilft" warnt jetzt, dass die Menschen über Silvester hungern müssten. Die Sozialverwaltung weist die Kritik zurück.  

Helfer rechnen damit, dass sich die Situation der Flüchtlinge in Berlin über Silvester weiter zuspitzt. Viele Menschen hätten in den vergangenen Tagen kein Geld ausgezahlt bekommen, weil ihre Termine auf den 7. Januar verlegt wurden. "Das heißt, Leute in Berlin hungern, weil sie kein Geld mehr haben, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen", sagte Diana Henniges vom Flüchtlingshilfeverein "Moabit hilft" im Deutschlandfunk. Die Sozialverwaltung wies die Kritik zurück.

"Die Flüchtlinge hungern nicht", betonte eine Sprecherin am Dienstag. Die Menschen würden in den Notunterkünften versorgt. Wer sich in Gemeinschaftsunterkünften selbst versorge und dringend Hilfe brauche, werde am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) bevorzugt rangenommen. Dort laufe die Terminvergabe inzwischen nach Dringlichkeit ab.

Christiane Beckmann, Sprecherin von "Moabit hilft", erklärte hingegen, dass die Helfer bereits jetzt Lebensmittelgutscheine ausgeben würden, weil die Menschen wochenlang auf ihr Taschengeld warten müssten. "Wir stehen faktisch jeden Tag vor Menschen, die Hunger haben", sagte sie am Montag in der rbb-Abendschau. Sie kritisierte, dass die Abläufe am Lageso nicht geregelt seien und die Menschen deshalb wiederholt auf immer neue Termine vertröstet würden.

Lageso erst nach dem Jahreswechsel wieder in Normalbesetzung

Probleme mache inzwischen nicht mehr die Registrierung der neu ankommenden Flüchtlinge, sagte Henniges. "Das funktioniert tatsächlich sehr gut." Chaos gebe es aber nach wie vor bei weiterführenden Leistungen wie der Ausstellung von Krankenscheinen oder Geldauszahlungen. Die Mitarbeiter im Lageso seien dafür nicht zu kritisieren, betonte die Helferin: "Die leisten wahnsinnig gute Arbeit." Aber die Verwaltung in Berlin sei in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden. Zudem habe es zuletzt "eine totale Misswirtschaft" gegeben, neue Mitarbeiter seien nicht rechtzeitig geschult worden. Eine Entlassung von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hält Henniges trotzdem nicht für hilfreich. "Das würde grundsätzlich nichts an unserer desolaten Situation ändern", sagte sie

Das Lageso in der Turmstraße war über die Weihnachtsfeiertage geschlossen, der erwartete Ansturm von Flüchtlinge blieb am Montag allerdings aus. Rund 300 Menschen hatten sich am Vormittag dort eingefunden, für etwa 150 Flüchtlinge wurden laut der Sozialverwaltung Termine vergeben. Das Amt ist noch bis über den Jahreswechsel mit weniger Personal besetzt. In der ersten Januarwoche soll es wieder Normalbesetzung geben, die von Bundeswehrmitarbeitern verstärkt werden soll.

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