Flüchtlinge stehen am 29.12.2015 vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Quelle: imago/Jens Jeske)
Video: Abendschau | 25.01.2016 | Agnes Taegener

Kein Geld vom Lageso - Heimbetreiber: Flüchtlinge müssen in Berlin hungern

Kein Geld, kein Essen: In einigen Berliner Flüchtlingsheimen können sich die Bewohner offenbar nicht mehr selbst ernähren. Heimbetreiber beklagen, dass das Landesamt für Gesundheit und Soziales den Flüchtlingen kein Geld auszahlt.

Vier Berliner Betreiber von Flüchtlingsheimen beklagen, dass Bewohner ihrer Einrichtungen seit Wochen kein Geld bekommen. Die Menschen hungerten regelrecht, teilten die Betreiber am Montag mit. Nach ihren Angaben zahlt das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) an die Menschen kein Geld für Essen aus. Termine seien teils bis zu sieben Mal von der Behörde verschoben worden, hieß es. In den Gemeinschaftsunterkünften stehen ihnen Zahlungen knapp unter Hartz IV-Niveau zu.

Heime sammeln Lebensmittelspenden

Manche Flüchtlinge warten mittlerweile auf Leistungen von mehr als 1.000 Euro. "Unser Problem ist dieser Zustand, der momentan beim Lageso herrscht. Dass unsere Bewohner leider keinerlei Geldleistungen erhalten, keine Krankenscheine und auch keine Kostenübernahme für die Wohnheime", erklärte Suada Dolovac, Sprecherin des Heimbetreibers Gierso. "Sie haben Hunger, sie sind krank." Gierso betreibt in der Charlottenburger Soorstraße eine Unterkunft. In der Not haben sich einige Flüchtlinge von anderen Bewohnern Geld geliehen.

Die Flüchtlinge hungern den Angaben zufolge aber nicht nur: Das tagelange Warten in der Schlange der Zentralen Leistungsstelle für Asylbewerber verhindere auch, einem geregelten Alltag nachgehen zu können, etwa Sprachkurse zu besuchen. Ein junger Mann aus Somalia wartet zum Beispiel seit dem 18. Januar auf Geld. Die Schule könne er nicht besuchen, weil er jeden Tag zum Lageso gehe - um vier Uhr morgens hin und abends um sechs zurück, berichtete der Mann dem rbb.

Der Heimleiter einer Containerunterkunft in Köpenick, Peter Hermanns, sagte dem rbb, man organisiere jetzt Lebensmittelspenden. Vergangene Woche habe er den Berliner Flüchtlings-Koordinator Dieter Glietsch angeschrieben, bisher aber noch keine Antwort erhalten. "Wir sind aber auch dafür da, den Menschen zu helfen, dass zumindest die Grundbedürfnisse gestillt werden, nämlich einfach Essen zu haben", so Hermanns.

Eine Sprecherin der Sozialverwaltung erklärte, es habe sich ein wesentlich erhöhtes Aufkommen in der Leistungsstelle des Amtes ergeben. Man berate intensiv über eine kurzfristige Verbesserung der Situation. Härtefälle sollten dem Lageso genannt werden. 

Chaos am Lageso

Das Flüchtlingsheim in Berlin-Köpenick ist keine Erst- oder Notaufnahme. Hier versorgen sich die Menschen selbst. Sie kaufen dafür ein und kochen in Gemeinschaftsküchen. Dafür erhalten sie finanzielle Unterstützung, die mit Zahlungen nach Hartz IV vergleichbar sind. Für die Verteilung der Gelder ist das Lageso zuständig. Dort müssen die Bezieher nach Terminvergabe vorsprechen.

Das Lageso jedoch ist überlastet. Jeden Tag warten vor Ort dutzende Menschen entweder auf einen Termin oder darauf, mit einem Termin vorsprechen zu können. Nachdem das Amt wegen der chaotischen Zustände bei der Registrierung von Flüchtlingen in die Schlagzeilen geraten war, trat Franz Allert als Chef zurück. Inzwischen ist Sebastian Muschter als neuer Chef eingesetzt worden.

Mit Informationen von Agnes Taegener

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