Flüchtlinge, die in einer provisorischen Erstaufnahmerichtung in einer Turnhalle untergebracht sind. (Bild: imago/epd)

Heizungsprobleme in Tempelhof - Berlin beschlagnahmt wieder Turnhallen für Flüchtlinge

Eigentlich sollte mit der Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen Schluss sein - doch nun müssen wieder zwei Hallen beschlagnahmt werden. Grund dafür seien Heizungsprobleme im Flughafen-Gebäude in Tempelhof. Dort sollte demnächst ein weiterer Hangar für die Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung gestellt werden.

Eigentlich sollten im Flughafengebäude in Tempelhof demnächst weitere 500 Flüchtlinge untergebracht werden, doch noch ist Hangar Nr. 7 nicht betriebsbereit. Die Heizung dort bringe derzeit nicht die benötigte Wärme. Deshalb werden laut Sozialverwaltung zwei weitere Turnhallen in Reinickendorf und Treptow-Köpenick in Betrieb genommen - obwohl mit dieser Praxis eigentlich Schluss sein sollte.

Fast 50 Hallen bereits belegt

Vor einer Woche hatte es noch geheißen, dass weitere Turnhallen nicht in Beschlag genommen werden sollen. In Berlin gibt es etwa 1.050 Turnhallen. Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales werden derzeit 47 als Notunterkünfte genutzt. Auf diese Weise seien 9.700 Plätze geschaffen worden, sagte eine Behördensprecherin Ende des Jahres. Doch die Nutzung ist heftig umstritten.

Bezirke und der Landessportbund (LSB) wehren sich dagegen, dass weitere Hallen beschlagnahmt werden. LSB-Präsident Klaus Böger hatte sogar von über 50 Hallen gesprochen, die inzwischen für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Einem Zeitungsbericht zufolge will der Senat einlenken und andere Alternativen prüfen. Neue Hallen sollten demnach eigentlich nicht mehr dazu kommen.  

Die Bildungsverwaltung hatte Anfang Dezember angekündigt, den Schwimmunterricht auszuweiten, weil an einigen Schulen der Sportunterricht wegen der Flüchtlingsunterbringung nicht mehr stattfinden kann.

CDU kritisiert Brandenburgs Innenminister Schröter

Vor dem Hintergrund der umstrittenen Flüchtlingsunterbringung hat die Berliner CDU Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) kritisiert. "Schröters Haltung, keine Flüchtlinge aus Berlin übernehmen zu wollen, ist unkooperativ, unverständlich und unverantwortlich", sagte der Generalsekretär der Berliner CDU, Kai Wegner, am Mittwoch. Schröter hatte der "Bild"-Zeitung gesagt, es könne nicht sein, "dass Susi Sorglos auf dem Tempelhofer Feld Drachen steigen lässt - und wir sollen für die Berliner die Quote
übernehmen."

Brandenburgs Innenminister Karl Heinz Schröter (SPD) bei einer Pressekonferenz (Quelle: imago/Martin Müller)
Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter will keine Flüchtlinge aus Berlin aufnehmen.

Es sei "nicht akzeptabel, dass das von Rot-Rot regierte Bundesland gerne vom gemeinsamen Wirtschaftsraum profitiert, aber wenn es darauf ankommt, seine Unterstützung verweigert", so Wegner. Den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) forderte er auf, "seine Parteigenossen" in der brandenburgischen Landesregierung zu Zugeständnissen zu bewegen. Insbesondere die Nutzung der Messehallen in Selchow sei längst überfällig.

Berlin hat 2015 rund 80.000 Flüchtlinge aufgenommen. Nach Senatsangaben bleiben jedoch nicht alle in der Stadt. Einen Asylantrag hätten knapp 55.000 gestellt. Dabei sei die Zahl der Flüchtlinge, die nach Berlin kommen, in den vergangenen Wochen zurückgegangen. Den Angaben zufolge kommen derzeit noch rund 200 Schutzsuchende pro Tag.

Flüchtlinge vor dem Lageso müssen weiter frieren

Unterdessen hat die Caritas an den Senat appelliert, den Flüchtlingen vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) mehr Kälteschutz zur Verfügung zu stellen. Die Situation sei weiterhin "nicht zufriedenstellend", sagte Caritasdirektorin Ulrike Kostka am Dienstag. So müssten etwa die Zelte für die Wartenden besser abgedichtet werden. Zudem würden aktuell vor allem Hygiene- und Babyartikel benötigt. Die Initiative "Moabit Hilft!", mit der die Caritas eng zusammenarbeite, nehme die Spenden entgegen. Nach Einschätzung von Kostka wird der Andrang zum Lageso nach der Weihnachtspause in den kommenden Tagen stark steigen. Dies erfordere schnelle und wirksame Lösungen, die den Flüchtlingen unmittelbar helfen könnten.

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