Hinweisschild - Ferienwohnung belegt (Quelle: imago)

Migranten in illegalen Ferienwohnungen - Flüchtlinge bringen mehr Geld als Touristen und Obdachlose

Habgier ist eine der sieben Todsünden. Doch profane Profitgier ist wohl der Hauptantrieb dafür, dass in Berlin viele illegale Ferienwohnungen nicht an Touristen, sondern an Flüchtlinge vermietet werden. Je mehr Menschen einquartiert sind, desto höher der Profit, denn gezahlt wird pro Kopf. Auch Obdachlose werden verdrängt.

Viele Flüchtlinge, zu wenig Wohnungen – so sieht es derzeit in Berlin aus. In dem Chaos, das herrscht, wenn die Flüchtlinge die Notunterkünfte verlassen müssen, regiert jetzt die Profitgier. Im Bezirk Mitte, der regelmäßig nach illegalen Ferienwohnungen fahndet, stoßen die Mitarbeiter von Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) nach seinen Angaben immer öfter auf Wohnungen, die statt mit Besuchern aus New York, Madrid oder Buenos Aires mit Flüchtlingen belegt sind – und zwar teils in großer Zahl.

Die dauerhafte Vermietung von Ferienwohnungen an Flüchtlinge gilt nicht als Zweckentfremdung, die in Berlin seit Mai 2014 verboten ist, und sie ist nicht grundsätzlich illegal. Doch werden viele der derzeit so genutzten Wohnungen nicht per Monatsmiete, sondern nach Tagessätzen bis zu 50 Euro pro Person und Nacht abgerechnet. Je mehr Flüchtlinge in einer Wohnung, desto höher also der Profit.

"Die Gier wird immer größer"

Gegen die Betreiber von 84 Ferienwohungen gehe der Bezirk Mitte vor, teilte von Dassel mit. Er erklärte aber auch, dass es schwierig sei, allen auf die Spur zu kommen, denn wenn ein Flüchtling eine Bleibe gefunden habe und dafür die Kostenübernahme beantrage, würden die Wohnungen nicht konsequent kontrolliert. Dann werde die Miete für die illegalen Ferienwohnungen mit öffentlichem Geld bezahlt.

Eckhard Sagitza, Leiter des Wohnungsamtes des Bezirkss Friedrichshain-Kreuzberg, verweist auf das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), das die Mietverträge mit den Eigentümern abschließe. Es sei deshalb für sein Amt schwierig, diese Praxis zu unterbinden. "Flüchtling ist besser als Tourist. Die Flüchtlinge bringen noch mehr Geld ein. Wir haben hier beobachtet, dass die Gier immer größer wird." Es seien nicht nur Eigentümer, sondern auch Mieter, die in ihren Wohnungen Betten für Flüchtlinge stapelten und abkassierten, sagt Sagitza. Doch spätestens wenn der Eigentümer dies merke, fliege die Sache auf. Wenn im Wohnungsamt solche Fälle gemeldet würden, "gibt es richtig Ärger". Allerdings oblägen manche der Ferienwohnung noch bis zum 30. April dem Bestandsschutz.

Doch auch das sollte in absehbarer Zeit ein Ende haben. "Ab 1. Mai gibt es in Berlin keine einzige – genehmigte – Ferienwohnung mehr", so Sagitza zu rbb online. Doch da diverse Klageverfahren liefen, sähe das in der Realität mit Sicherheit ganz anders aus.

Der Verdrängungsdruck wächst

Dass der Verdrängungsdruck in der Stadt immer größer wird, zeigt auch der Fall des Gästehauses Moabit. Hier wurde dem Betreiber eines Heims für obdachlose Alkoholkranke gekündigt, um in den Räumlichkeiten Flüchtlinge unterzubringen. Von dieser Absicht berichtete die rbb Abendschau bereits Anfang Januar.

Auch in diesem Fall lässt sich mit den Migranten deutlich mehr Geld verdienen, weil statt einer Person künftig drei in einem Raum untergebracht werden können. Und das Bezirksamt? Sucht bislang vergeblich nach einer Lösung.

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