Flüchtlinge am Lageso (Quelle: dpa)

Hunderte in der Schlange - Warten vor dem Lageso auch im neuen Jahr

Am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin herrscht am ersten Öffnungstag im neuen Jahr ein Riesenandrang. Bereits vor Betriebsbeginn warteten mehr als 800 Flüchtlinge auf Einlass - weit mehr, als die Mitarbeiter pro Tag bewältigen können. Die Sozialverwaltung versucht, die Lage durch Einzelmaßnahmen zu entspannen.

Der Ansturm auf das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit hält an. Bei bitterer Kälte warteten am Montagmorgen mehrere hundert Flüchtlinge vor dem Gebäude in der Turmstraße, als die Behörde um 6:30 Uhr ihre Türen erstmals im neuen Jahr öffnete, wie die rbb-Welle Fritz berichtete. Das Lageso kann nach Mitarbeiterangaben allerdings kaum mehr als 200 Fälle pro Tag bearbeiten.

Die Wartenden wurden nach der Öffnung in vier großen beheizten Zelten untergebracht. Die Sozialverwaltung spricht von 600-700 Menschen.

Veränderte Geldausgabe soll Amt entlasten

Die Sozialverwaltung versucht derzeit, das Lageso durch verschiedene Maßnahmen zu entlasten - und Flüchtlingen wiederholtes Anstehen zu ersparen.

Nach Aussage von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) wird den Geflüchteten mittlerweile das Taschengeld für bis zu drei Monate am Stück ausgezahlt. Nach einer bundeseinheitlichen Vorschrift ist das eigentlich nur für vier Wochen möglich. Er habe die Senatsverwaltung gebeten, die Lage juristisch prüfen zu lassen, und vor zwei Wohen beschlossen, die Handhabung entsprechend zu verändern, sagte Czaja am Montag im Sozialausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Neues Personal und Gesundheitskarte

Die chaotische Lage soll sich zu Jahresbeginn durch neues Personal ändern. Zunächst sollten dort 20 bis 30 Soldaten der Bundeswehr bei der Registrierung der Ankommenden helfen. Außerdem erhalten nach Angaben der Sozialverwaltung Flüchtlinge am Standort an der Bundesallee seit Montag Gesundheitskarten. Dadurch soll sich die Situation auch am Lageso entspannen. Denn dort stehen Flüchtlinge bisher auch für Krankenscheine an, die sie mit der Gesundheitskarte nicht mehr brauchen.

Asylbewerber bekommen in den ersten 15 Monaten Sachleistungen und ein Taschengeld. Alleinstehende erhalten 143 Euro im Monat. Erwachsene, die als Partner einen Haushalt teilen, bekommen jeweils 129 Euro. Für Kinder stehen den Familien je nach Alter zwischen 85 und 92 Euro zu.

Czaja: Berlin ist besonders vom Zuzug betroffen

Der Sozialsenator wehrte sich am Montagmorgen erneut gegen Kritik an der schleppenden Registrierung der Flüchtlinge. Berlin sei vom Zuzug besonders stark betroffen, sagte er im ZDF-Morgenmagazin. So seien im vergangenen Jahr rund 80.000 Flüchtlinge neu aufgenommen worden. Ziel sei, allen Neuankömmlingen eine Unterkunft zu geben, und das habe Berlin bislang geschafft.

Familien, ältere und kranke Menschen bevorzugt

Mit Blick auf die derzeit eisigen Temperaturen betonte Czaja, Familien mit Kindern, ältere und kranke Menschen würden bevorzugt behandelt. Für alle Flüchtlinge gebe es zudem rund um die Uhr Wärmezelte auf dem Lageso-Gelände. "Wir tun alles, damit sich die Situation verbessert", so Czaja. Unter anderem unterstützten derzeit Mitarbeiter der Telekom sowie der Deutschen Post die Lageso-Mitarbeiter in Berlin.

Die Registrierungs- und Unterbringungspraxis in Berlin war in den vergangenen Monaten bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Kritisiert wurde etwa, dass Flüchtlinge teilweise im Freien übernachten mussten, dass es zu Massenrangeleien zwischen Mitarbeitern von Sicherheitsfirmen und Asylsuchenden kam und dass die Erstregistrierung mitunter erst nach mehreren Wochen Wartezeit möglich war.

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