Dr. David Biesinger (Bild: rbb/Gundula Krause)
Audio: Inforadio | 28.01.2016 | David Biesinger im Gespräch mit Dietmar Ringel

Interview | Inforadio-Programmchef David Biesinger - "Social Media liefert uns höchstens Anlass zur Recherche"

Die Meldung über den angeblichen Tod eines Flüchtlings verbreitete sich am Mittwoch rasend schnell. Neben dem rbb berichteten dutzende Medien - und gerieten dafür auch in die Kritik. Inforadio-Programmchef David Biesinger hat im Interview mit Inforadio zu den Vorwürfen Stellung genommen. Das Gespräch in Auszügen.

"Der Post des ehrenamtlichen Flüchtlingshelfers allein wäre für uns überhaupt kein Grund gewesen, mit der Meldung auf Sendung zu gehen. Für uns gilt immer die Regel: Wenn es nur eine Quelle gibt, dann muss diese Quelle verlässlich sein. Wir nennen diese Quelle auch, um den Hörerinnen und Hörern klar zu machen: Achtung, es gibt derzeit für diese Information nur eine Quelle und sie ist noch nicht bestätigt. Deswegen haben wir nicht bereits auf der Basis des Posts des Flüchtlingshelfers berichtet, sondern wir haben erst mit 'Moabit hilft' telefoniert. Wir haben mit der Sprecherin gesprochen und versucht den Sachverhalt einzuordnen."

"Über den ganzen Tag hinweg haben wir uns bemüht, die Geschichte sehr klar einzuordnen und klar zu sagen, was wir wissen und was wir nicht wissen. Von dem was wir wissen, haben wir gesagt, was bestätigt ist und was unbestätigt. Das haben wir versucht transparent zu machen."

"Natürlich sind die Nachrichtenagenturen für uns eine ganz andere Quelle als Social Media. Auch bei den sozialen Netzwerken müssen wir nochmal differenzieren: Es gibt offizielle Twitter-Accounts von offiziellen Organisationen, Personen. Die müssen und können wir anders ernst nehmen als Twitter- oder Facebook-Accounts von privaten Menschen, die nicht verifiziert sind. Die Letzteren, die nicht verifizierten Accounts, sind für uns keine Quellen. Die sind höchstens Anlass für Recherche. Wir lesen etwas und sagen, das ist seltsam, wir müssen der Sache nachgehen. Dann recherchieren wir."

"Wir sind gerade in einem Diskussionsprozess zwischen ganz viel Transparenz auf der einen Seite und auf der anderen Seite dem Vorwurf: Ihr verschweigt etwas. Da müssen wir uns neu bewegen. Wir wollen überhaupt nichts verschweigen. Aber wir wollen auch nicht gute Grundsätze journalistischen Handelns über Bord werfen. Ich erinnere an den Pressekodex und die Diskussion um die Frage, ob und wann wir die Herkunft eines mutmaßlichen Täters nennen - oder nicht. Da gibt es im Pressekodex sehr klare Vorgaben. Wenn wir uns daran halten, wird uns das jetzt teilweise in den sozialen Netzwerken als Intransparenz und als Verheimlichung vorgehalten. Damit müssen wir uns beschäftigen. Was heißt das für unsere weitere Arbeit? In diesem Diskussionsprozess sind wir mittendrin."

Das vollständige Gespräch hören Sie, wenn Sie auf das Artikelbild klicken.

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