Großrazzia gegen Schleuser von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer. 2015 (Quelle: imago/ArturasxMorozovas/EST&OST)

Einsätze in sechs Bundesländern - Großrazzia gegen Schleuser auch in Berlin und Brandenburg

Bei einer Razzia in mehreren Bundesländern sind die Behörden gegen Schleuser von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer vorgegangen. Auch in Berlin und Brandenburg gab es Durchsuchungen. Mehrere Menschen wurden festgenommen.  

Die Bundespolizei hat gemeinsam mit der türkischen Nationalpolizei ihren bisher größten Schlag gegen eine Bande mutmaßlicher Menschenhändler geführt: Sie sollen 1.766 Flüchtlinge mit schrottreifen Schiffen über das Mittelmeer nach Europa geschmuggelt haben. 493 Polizisten hätten in sechs Bundesländern insgesamt 16 Wohnungen sowie einen Geschäftsraum gestürmt, sagte der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dieter Romann, am Mittwoch in Potsdam.

Die durchsuchten Wohnungen befanden sich den Angaben zufolge in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Brandenburg und Bayern. Zeitgleich wurden zehn Wohnungen in der Türkei durchsucht und zehn Verdächtige festgenommen. Haftbefehle wurden in Deutschland demnach gegen fünf Menschen vollstreckt. Den Beschuldigten drohen laut Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein von der Staatsanwaltschaft Dresden, die die Ermittlungen geleitet hatte, bis zu zehn Jahre Haft.

Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann (r-l) der Leiter der türkischen Generalsicherheitsdirektion, Celalettin Lekesi und der Leiter der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität in der Türkei, Orhan Özdemir geben am 20.01.2016 eine Pressekonferenz im Bundespolizeipräsidium in Potsdam (Quelle: dpa)
Ermittler aus Deutschland und der Türkei haben einen Schleuserring gesprengt

Verdächtige sollen "Geisterschiffe" in der Türkei erworben haben

Der Einsatz richtete sich demnach gegen sogenannte "Geisterschiff"-Schleuser. Das sind kriminelle Banden, die Migranten auf dem Weg nach Europa zu Hunderten in einem Frachtschiff zusammenpferchen, wie ein Sprecher der Bundespolizei erläuterte. Am Ende werden dabei die Migranten ihrem Schicksal überlassen.

Die Verdächtigen sollen in der Türkei schrottreife Schiffe, gekauft, mit Flüchtlingen gefüllt und ohne Besatzung auf den Weg nach Griechenland und Italien geschickt haben.

Die Bundespolizei sprach von menschenverachtenden Taten. "In einem besonders perfiden
Fall war der Autopliot des Schiffes auf das italienische Festland programmiert worden und die Besatzung anschließend von der Brücke gegangen", teilten die Beamten mit.

An dem Einsatz beteiligt waren Bundespolizei, türkische Nationalpolizei sowie die Spezialeinheiten
GSG 9 und BFE+.

Henkel: "Keine Toleranz"

"Wir werden den Zustrom nach Europa nur dann wirksam begrenzen, wenn wir mit harter Hand gegen diejenigen vorgehen, die mit illegalen Schleusergeschäften Millionen verdienen", sagte Berlins Innensenator Frank Henkel  (CDU) zu dem Schlag gegen den Schleuser-Ring. "Die Ermittler haben ein klares Zeichen gegen diese kriminellen Machenschaften gesetzt. Es darf keine Toleranz für Verbrecher geben, die eiskalt mit dem Leben tausender Menschen spielen und den Interessen unseres Landes massiv schaden."

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