Flüchtlinge warten am 09.12.2015 vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales Lageso in Berlin in einem Wartezelt.

Geld für Flüchtlingsunterkünfte um Wochen verspätet - Stadtmission kritisiert Berliner Verwaltungschaos

Am Rande ihrer Handlungsfähigkeit - so beschreibt der Direktor der Berliner Stadtmission, Joachim Lenz, die Lage der Betreiber von Flüchtlingsunterkünften kurz vor Weihnachten. Schuld sei das Chaos im Landesamt für Gesundheit und Soziales. Viele Hilfsorgansationen mussten wochenlang auf ihr Geld warten.

Das Chaos im Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) hat viele Betreiber von Flüchtlingsunterkünften an den Rand ihrer Handlungsfähigkeit gebracht. Das kritisiert der Direktor der Berliner Stadtmission, Joachim Lenz, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. "Wir haben uns ernsthaft gefragt, ob wir unsere Arbeit unter solchen Bedingungen noch verantworten können."

Geld für Mitarbeiter fehlte wochenlang

Wie auch andere Sozialverbände habe die Stadtmission monatelang auf Abschlagszahlungen warten müssen. Dringend notwendige Einrichtungen wie Toiletten oder eine Essensausgabe hätten deshlb erst Wochen später eingerichtet werden können, sagt Lenz. Auch das Personal koste viel Geld. "Wir haben ja viele Menschen neu eingestellt und müssen die bezahlen." Die Kosten für die Flüchtlingsversorgung bekommen die Hilfsorganisationen vom Lageso erstattet.

Doch die Abwicklung hatte sich immer wieder verzögert, Rechnungen wurden teilweise mit wochenlanger Verspätung bezahlt. Auch die Kostenerstattung für Lebensmittel, Babynahrung und Wachschutz für November sei erst nach Weihnachten erfolgt. "Ich kann schlicht nicht verstehen, wieso die Zusammenarbeit da nicht funktioniert", klagt der Chef der evangelischen Hilfsorganisation weiter.

Bisher 20.000 Menschen versorgt

Die Berliner Stadtmission betreibt mehrere Notunterkünfte für Flüchtlinge. Dazu zählt eine Traglufthalle mit knapp 300 Betten, in der inzwischen mehr als 20.000 Menschen ihre ersten Tage und Nächte in Berlin verbracht haben. Der Bezirk Mitte hat dieses Projekt mit seinem Integrationspreis ausgezeichnet.

In ihrem Zentrum in Nähe des Hauptbahnhofes betreibt die Berliner Stadtmission bereits seit fünf Jahren zwei Wohnheime für insgesamt 130 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge. Eine Notunterkunft in Spandau für 1.000 Menschen soll ausgebaut werden.

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