Helfer bei der Vorbereitung des ICC in Berlin als Flüchtlingsunterkunft (Quelle: imago/Markus Heine)

Verlegungsstopp für Flüchtlinge - Windpocken im ICC ausgebrochen

Im ICC sind mehrere Flüchtlinge an Windpocken erkrankt. Die rund 500 Bewohner der Flüchtlingsunterkunft stehen nun unter Quarantäne. Ärzte kümmern sich um die Versorgung und impfen nach.

Im Berliner ICC sind mehrere Flüchtlinge an Windpocken erkrankt. Wie die "Berliner Morgenpost" schreibt, gibt es 13 bestätigte Erkrankungen und sieben Verdachtsfälle. Der Sprecher des Malteser-Hilfsdienstes, Matthias Nowak, bestätigte dem rbb am Donnerstag die Erkrankungen - er sprach von ungefähr 20 Fällen in der letzten Woche.

Im Internationalen Congress Centrum (ICC) wurden Mitte Dezember rund 500 Flüchtlinge einquartiert - teils in einem großen Saal, teils ins separaten Zimmern. Wegen der Erkrankungen wurden laut Sozialverwaltung jetzt sowohl ein Aufnahme- wie ein Verlegungsstopp für das ICC verhängt.

Die Sperre gilt demnach bis zum 24. Januar, da die durchschnittliche Zeit, bis man eine Windpockenerkrankung erkennt, rund drei Wochen beträgt. Wie Malteser-Sprecher Nowak dem rbb sagte, sei eine Amtsärztin auch dabei, die Menschen im ICC nachzuimpfen.

STIKO empfiehlt sofortige Impfung

Eigentlich sollen nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) Flüchtlinge möglichst in den ersten Tagen nach Aufnahme in eine Gemeinschaftsunterkunft geimpft werden. Auch die Impfung gegen Varizellen, das Erreger-Virus für Windpocken, wird dabei angeraten. [Empfehlungen der STIKO]

Nowak wies darauf hin, dass der Windpocken-Ausbruch im ICC kein Einzelfall sei: In diversen Unterkünften für Flüchtlinge gebe es Fälle.

In großen Flüchtlingsunterkünften in Berlin ist es bereits mehrfach zum Ausbruch von ansteckenden Krankheiten wie Windpocken und Masern gekommen. Im Oktober 2014 grassierten in einem Flüchtlingsheim Masern. Wegen fehlenden Impfschutzes in der Bevölkerung erkrankten später über 1.300 Berliner Bürger. Erst im November 2015 wurde der Masernausbruch für beendet erklärt.

Komplikationen eher bei Erwachsenen

Wie Masern sind Windpocken hoch ansteckend, schwerwiegende Komplikationen gibt es bei Windpocken aber seltener. Typische Symptome sind ein stark juckender Hautausschlag und Fieber. Bei gesunden Kindern sind Komplikationen wie eine Gehirn- oder Lungenentzündung eher selten. Bei Erwachsenen hingegen verläuft die Krankheit oft schwerer.

Die Viren bleiben auch nach überstandener Krankheit im Körper und können - vor allem im höheren Lebensalter - wieder aktiv werden und Gürtelrose (Herpes Zoster) auslösen. Die STIKO hat vor rund zehn Jahren die Windpockenimpfung in ihre Empfehlungsliste aufgenommen.

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