Eine Frau mit Kind in der früheren Luise-und-Wilhelm-Teske-Schule, einer Notunterkunft in Berlin-Schöneberg (Quelle: dpa)

"Mit Integration hat das nichts zu tun" - Geplante Flüchtlingsschule am Südkreuz sorgt für Streit

Die Pläne für eine Flüchtlingsschule in der Nähe des Berliner Bahnhofs Südkreuz stoßen auf mehr als nur Skepsis. Denn so eine Schule hätte mit Integration nichts zu tun, sagt die Initiative "Schöneberg hilft". Außerdem müsste die bestehende Notunterkunft in der Teske-Schule dann aufgelöst werden.

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg und der Berliner Senat wollen die Flüchtlingskinder vom Tempelhofer Feld künftig zentral an einer gemeinsamen Schule unterrichten lassen - doch der dafür vorgesehene Standort, die Luise-und-Wilhelm-Teske-Schule am Tempelhofer Weg, sowie der Fakt an sich sind sogleich auf Protest gestoßen.

Flüchtlingshelfer Kuhn hält Pläne für "Schwachsinn"

Vor allem bei der Flüchtlingsinitiative "Schöneberg hilft" hat man für die Pläne von Senat und Bezirk kein Verständnis: "Das ist großer Schwachsinn", schimpft Hans-Jürgen Kuhn (Bündnis90/Die Grünen), einer der Koordinatoren der Initiative. Besonders ärgerlich findet er es, dass die bestehende Flüchtlingseinrichtung das Gebäude am Tempelhofer Weg dann räumen müsste.

Bereits seit August 2015 wird das frühere Schulgebäude als Notunterkunft genutzt, also für Flüchtlinge, die noch vor der Registrierung durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) stehen. Die Einrichtung, die unter Aufsicht des Lageso und der Unterbringungsleitstelle steht, könne als Beispiel für eine gut funktionierende Flüchtlingsunterkunft gelten.

Teske-Kinder besuchen Schulen in der Umgebung

Die Menschen dort hätten noch keinen legalen Aufenthaltsstatus und würden ihre Situation als belastend empfinden. In enger Kooperation mit der Betreibergesellschaft Tamaja sei ein umfassenden Hilfs- und Unterstützersystem aufgebaut worden, das dazu beiträgt, dass die Geflüchteten ihre schwierigen Lebensverhältnisse besser meistern können, heißt es in einem Offenen Brief von "Schöneberg hilft".

Wenn die Unterkunft aufgelöst werden soll, ginge das nur mit einem "tragfähigen Integrationskonzept" und einem vergleichbaren Standort. Eine Alternative könne das Friedenauer Rathaus sein, das Mitte Februar als neue Flüchtlingsunterkunft im Bezirk eröffnet werden soll, sagte Kuhn. Am Donnerstag sollte das Thema auch im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses zur Sprache gebracht werden.

220 Flüchtlinge, davon 60 Kinder und Jugendliche

Derzeit würden an der Teske-Schule rund 220 Menschen aus 15 verschiedenen Nationen wohnen, davon ungefähr 60 Kinder und Jugendliche. 20 von ihnen seien noch im Kita-Alter, 40 würden Willkommensklassen an insgesamt zehn Schulstandorten ganz in der Nähe besuchen, sagte Kuhn rbb online am Donnerstag. Dies sei auch der einzig richtige Weg für eine wirkliche Integration, sagte Kuhn. In einer reinen Flüchtlingsschule dagegen hätten die Schülerinnen und Schüler keine Gelegenheit, einheimische Kinder kennenzulernen. "Schulen nur für geflüchtete Kinder darf es nicht geben", heißt es im Protestschreiben von "Schöneberg hilft".

Bisher noch zu wenige Kinder in Willkommensklassen

Nachdem der Senat beschlossen hatte, den Standort Tempelhofer Feld weiter auszubauen und bis zu 7.000 Menschen dort unterzubringen, hatte es noch geheißen, dass es dort zwar Kinderbetreuung, Ärzte und Freizeitangebote, aber keine Schule geben werde. "Integrationspolitisch ist es besser, die Kinder zu verteilen", hatte Mark Rackles, Staatssekreatär in der Senatsbildungsverwaltung damals gesagt. Inzwischen hat der Senat seine Meinung offenbar geändert.

Aus Sicht von "Schöneberg hilft" liegt das daran, dass das "Recht auf Schule" für viele der Kinder auf dem Tempelhofer Feld noch immer nicht eingelöst werden konnte. Auf dem ehemaligen Flughafen-Gelände würden derzeit rund 600 Kinder in schulpflichtigem Alter leben, doch nur 200 davon hätten bisher in Willkommensklassen integriert werden können, sagt Flüchtlingskoordinator Kuhn. Doch der Plan, einfach 20 Klassenzimmer in der Luise-und Wilhelm-Teske-Schule freizuräumen und dort Flüchtlingskinder zu unterrichten, gehe in die falsche Richtung. So könnten die Kinder nicht integriert werden.

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