Flüchtlingsunterkunft in Holzmodulbauweise im baden-württembergischen Wendlingen (Quelle: imago/Horst Rudel)

Kapek schlägt kleinere Bauten vor - Grüne wollen Flüchtlingsunterkünfte aus Holzmodulen

Viele kleinere Unterkünfte, aus Holz statt aus Beton: Das fordern die Berliner Grünen für die Unterbringung von Flüchtlingen in der Hauptstadt. Diese seien preiswerter und nachhaltiger als die vom Senat geplanten Bauten, argumentieren sie - und könnten von örtlichen Schreinereien nach einem rheinland-pfälzischen Protoypen hergestellt werden.

Die Berliner Grünen-Fraktion setzt bei der Unterbringung von Flüchtlingen auf dezentrale und kleinere Standorte als jetzt vom Senat geplant. "Wir sollten mehr Baulücken und auch
unkonventionelle Flächen wie Flachdächer zum Bau der Häuser nutzen", sagte Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek am Montag. Unterkünfte für 50 bis 200 Menschen statt der 500 plus wie vom rot-schwarzen Senat vorgesehen seien schneller und auch kostengünstiger zu  errichten, sagte Kapek.

Kapek: Holzmodule schneller zu errichten

So genannte Wohnkuben auf Flachdächern kosteten rund 15.000 Euro pro Platz. Der Senat rechne heute mit rund 35.000 Euro pro Platz in den Fertighäusern und Containern. Als Bauweise bevorzugen die Grünen Fertighäuser aus Holz- statt aus Betonmodulen. Auch sie seien preiswerter und nachhaltiger. Für ihre Errichtung würden im Schnitt nur drei Monate benötigt, während der Senat bei Betonmudulen von mindestens einem halben Jahr ausgehe.

Holzmodule seien nach eigenen Recherchen halb so teuer wie Betonfertigteile, sagte Kapek. Auch der Brandschutz sei gewährleistet, wie Beispiele aus Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zeigten.

Prototyp aus Rheinland-Pfalz

Bei Betonmodulen rechne der Senat mit 1.500 Euro pro Quadratmeter. In dem Preis seien aber die Kosten für Erschließung und Außenanlagen nicht eingerechnet. Bei Unterkünften aus Holzmodulen fielen 1.300 bis 1.600 Euro pro Quadratmeter an, alles inklusive. In Rheinland-Pfalz
sei ein Prototyp entwickelt worden, der von jeder örtlichen Schreinerei nachgebaut werden könnte. So würde auch noch die regionale Wirtschaft mit angekurbelt.

Die Grünen forderten vom Senat eine vorausschauende Planung, in die auch Architekten, Stadtplaner, die Flüchtlinge selbst und die jeweilige Nachbarschaft einbezogen werden sollten, sagte die Grünen-Fraktionschefin. Kleinere Standorte hätten auch den Vorteil gemischter Quartiere, um Flüchtlinge nicht zu isolieren. "Wir wollen keine Ghettos", betonte Kapek.

Senat plant 680 Millionen Euro ein

In den nächsten zwei Jahren sollen laut Senat insgesamt an 90 Standorten Fertighäuser und Containerdörfer für knapp 40.000 Flüchtlinge entstehen. Dafür sind knapp 680 Millionen Euro eingeplant. Mit den neuen Unterkünften will der Senat vor allem die rund 30 Turnhallen freiziehen, in denen jetzt noch an die 10.000 Flüchtlinge leben.

Bezirke, die derzeit noch weniger Menschen unterbringen, sollen demnach künftig mehr Plätze bereitstellen. Das sind momentan Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf.

Anfang Mai soll über weitere Standorte entschieden werden, weil dann genauere Prognosen über die Zahl neu ankommender Flüchtlinge vorliegen. Für das Frühjahr erwartet der Senat wieder mehr nach Berlin geflüchtete Menschen. Im Januar und Februar hatten die Zahlen deutlich abgenommen.

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