Blick in ein Zimmer mit Bett und Kleiderschrank in einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin (Quelle: imago/Hans Scherhaufer)
Video: Abendschau | 20.02.2016 | Laurence Thio

Heim in Treptow öffnet nächste Woche - Erste Gemeinschaftsunterkunft für queere Flüchtlinge

Weil homosexuelle Flüchtlinge in großen Flüchtlingsunterkünften oft diskriminiert werden oder sogar Gewalt ausgesetzt sind, richtet Berlin in Treptow jetzt ein eigenes Heim für sie ein. Laut Senatsverwaltung ist es die erste größere Gemeinschaftsunterkunft in Deutschland dieser Art. Die ersten der 120 Bewohner sollen nächste Woche einziehen.

Schwule, lesbische und transsexuelle Flüchtlinge in Berlin bekommen eine eigene Unterkunft. Das Heim im Stadtteil Treptow solle ab kommender Woche bezogen werden, teilte die Senatsverwaltung für Integration mit.

Der Organisation "Schwulenberatung Berlin" zufolge, die das neue Heim betreiben soll, bietet das Haus Platz für bis zu 124 Menschen. Es ist die erste größere Gemeinschaftsunterkunft für LSBTI-Geflüchtete (Lesben, Schwule, Bi-, Trans und Intersexuelle) in Deutschland, teilte die Senatsverwaltung mit.

"Die Regenbogenstadt Berlin hat jetzt auch eine Unterkunft für queere Geflüchtete", teilte Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) am Samstag mit. "Diese Menschen erfahren Diskriminierung und Gewalt und brauchen daher unseren besonderen Schutz." Es gebe in Berlin bereits eine geförderte Infrastruktur von Projekten, die sich intensiv um queere Geflüchtete kümmere. "Es ist gut und folgerichtig, dass sie nun auch eine eigene Unterkunft haben."

"Wir hoffen, dass unsere Unterkunft Nachahmer findet"

Der "Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg" (LSVD) zählte zwischen August und Dezember 2015 fast 100 Gewaltvorfälle mit homosexuellen und transgeschlechtlichen Flüchtlingen - die meisten in Flüchtlingsunterkünften, wie es hieß. Die "Schwulenberatung Berlin" schätzt die Zahl der homosexuellen und transgeschlechtlichen Flüchtlinge in Berlin auf etwa 3.500. Geschäftsführer Marcel de Groot teilte am Samstag mit, mit dem Haus wolle man helfen, die "teilweise dramatische Situation" von LSBTI-Geflüchteten zu verbessern. Sie sei geprägt von Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt. "Wir hoffen, dass unsere Unterkunft auch in anderen Bundesländern und Städten Nachahmer findet." Anfang Februar hatte bereits eine vergleichbare Unterkunft in Nürnberg eröffnet, jedoch nur für rund ein Dutzend Menschen.

Homosexuelle wurden in Berlin auch schon in Einrichtungen für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge einquartiert, z.B. in Steglitz-Zehlendorf. Hier wohnen homosexuelle Paare gemeinsam mit traumatisierten Menschen, Mütter mit Kindern, hochschwangeren Frauen oder Behinderten.

Mit der Unterkunft in Treptow hätten die Betreiber von Unterkünften jetzt aber eine Möglichkeit, betroffene Schwule oder Lesben an eine spezielle Unterkunft weiterzuleiten, hieß es von der Senatsverwaltung. Die Entscheidung dort einzuziehen liege aber bei den Geflüchteten selbst.

Positives Echo beim Tag der offenen Tür

Am Samstag hatten Anwohner die Möglichkeit, das neue Heim zu besichtigen. Das Interesse sei "groß und freundlich" gewesen, sagte ein Sprecher der Integrationsverwaltung. Viele Menschen hätten das Angebot zur Besichtigung genutzt und sich mit "positiver Neugier" von den künftigen Betreuern alles erklären lassen.

Auf ihrer Webseite sucht die Schwulenberatung in einem Aufruf noch ehrenamtliche Helfer [schwulenberatungberlin.de]  für das neue Heim, die die Essensausgabe unterstützen können.

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