Ein Tablet mit der Seite hoaxmap.org auf dem Bildschirm (Quelle: rbb/Karo Krämer)

hoaxmap.org - Die Landkarte der Gerüchte

Das Thema Flüchtlinge polarisiert, und Gerüchte tun dabei ein Übriges: Sie sind schnell in der Welt und verbreiten sich rasant. Die Geschichte über die 13-jährige Russlanddeutsche - angeblich von Flüchtlingen vergewaltigt - ist so ein Fall. Solch haltlose Gerüchte will eine junge Leipzigerin mit der Webseite "Hoaxnet" widerlegen. Von Anna Corves

In Erfurt sollen Flüchtlinge eine Ziege aus einem Streichelzoo geschlachtet, in Heidelberg auf Grabsteine uriniert haben. Und dann der Fall der angeblich vergewaltigten 13-Jährigen in Berlin-Marzahn.... alles Falschmeldungen. Sie sind beispielhaft für Gerüchte, mit denen auch Karolin Schwarz konfrontiert wurde, als sie in einer Flüchtlingsunterkunft in Leipzig half. Sie fühlte sich traurig, wütend - und auch hilflos, denn sie hatte keine Argumente, um die Geschichten zu widerlegen.

"Hoaxmap" trifft offenbar einen Nerv

Die 30-jährige wünschte sich eine Argumentationshilfe für solche Situationen und erfand diese kurzerhand selbst. Auf ihrer Seite "Hoaxmap.org" sind auf einer interaktiven Landkarte Gerüchte über Flüchtlinge aus dem deutschsprachigen Raum aufgelistet, die sich als Falschmeldungen - auf Englisch: "hoax" - entpuppten. Als Belege führt die Seite entsprechende Medien- oder Polizeiberichte an.

Da Karolin Schwarz gemeinsam mit einem Freund in ihrer Freizeit an der "Hoaxmap" arbeitet, kann sie nicht selbst ermitteln, sondern ist auf Hinweise angewiesen. Doch an denen mangelt es nicht: Offenbar habe sie einen Nerv getroffen, sagt die Leipzigerin: "Es gibt Einsendungen von Leuten, die auch schon Gerüchte gesammelt haben, die ihre Region betreffen. Ich habe auch mehrfach gehört, dass Leute ähnliche Ideen hatten und die einfach noch nicht umsetzten."

Per E-Mail oder auch über Twitter mit dem Hashtag "#hoaxmap" kann man ihr Gerüchte melden. Es gibt Geschichten, die Flüchtlingen Vergewaltigungen oder Diebstähle unterstellen oder ihnen vorwerfen, gegenüber Deutschen bevorzugt zu werden – sie spielen also mit Urängsten oder Neidgefühlen. Karolin Schwarz widerlegt sie. Auf Twitter erntet sie dafür viel Lob, aber auch den Vorwurf, Straftaten von Flüchtlingen leugnen oder verschleiern zu wollen. Das stimme nicht, sagt Karolin Schwarz: "Wir wollen überhaupt nicht verschweigen, dass es Straftaten unter Asylsuchenden gibt. Es geht lediglich darum, dass wir zeigen wollen, dass die Gerüchte auch politisch instrumentalisiert werden. Und da wollen wir Fakten schaffen." Für den Fall, dass sich einmal ein Gerücht nachträglich doch als wahr herausstellen sollte, würden sie das über Twitter bekanntgeben.

Kooperation mit österreichischer Website

Die "Hoaxmap" ist seit einer Woche online. Die große Resonanz, auch international, hat Karolin Schwarz überrascht. Sie kooperieren jetzt mit der österreichischen Seite mimikama.at, die Gerüchte zu allen möglichen Themen nachgeht. Auf die Frage, ob sie glaube, tatsächlich Leute zum Umdenken bewegen zu können, antwortet sie hoffnungsvoll. Natürlich gebe es Menschen, die man mit der Geschichte nicht erreichen könne, bei denen auch die Vorurteile gegen die Presse so groß seien. Dennoch: "Es gibt auch andere Menschen, die auf Gerüchte hereinfallen und verunsichert sind. Und die kann man definitiv erreichen."

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