Der neue, kommissarische Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, Sebastian Muschter © dpa

Kommentar | Senatsauftrag für Beratungsfirma - Bekommt McKinsey jetzt ein Beratungs-Abo?

McKinsey hat einen Beratungsauftrag für die Erarbeitung eines Masterplans zur Integration von Flüchtlingen erhalten. Die Berater hatten dem Senat im vergangenen Herbst Hilfe beim Lageso angeboten – unentgeltlich. Wird das Pro-Bono-Engagement von damals jetzt vergoldet? Und: Sollte der Regierende so einen Auftrag verordnen? Ein Kommentar von Ute Schuhmacher

Dieser Auftrag hinterlässt einen faden Nachgeschmack. Und das wird ganz und gar nicht dadurch besser, dass die Senatskanzlei betont, darauf geachtet zu haben, dass das Auftragsvolumen mit 238.000 Euro brutto unterhalb des Schwellenwerts liegt, ab dem nach EU-Recht Vergleichsangebote eingeholt werden müssten.

Der fade Nachgeschmack rührt daher, dass nach dem im Herbst von McKinsey angebotenen kostenlosen Engagement für das Lageso zum zweiten Mal Geld verdient wird: Erst wird im Januar ein Teammitglied des McKinsey-Pro-Bono-Teams für ein Jahr Chef des Lageso, jetzt der Beraterauftrag. Arbeiten sollen für diesen Auftrag 4 bis 5 Berater etwa 5 bis 6 Wochen lang, dafür gibt es knapp eine viertel Million Euro.

Kann Müller nicht vertrauen?

Der Chef der Senatskanzlei beteuert, dass man auf die fachliche Kompetenz von McKinsey an der Stelle nicht verzichten kann. Das macht mir durchaus Sorge: Denn ich persönlich gehe nicht davon aus, dass mit dem Masterplan Integration die Flüchtlingsproblematik gelöst ist, sondern dass da noch einiges an Arbeit liegt: Wenn nun aber McKinsey das einzige Unternehmen wäre, das Hilfe anbieten könnte, steht dann zu befürchten, dass McKinsey ein Beratungsabo im Senat bekommen kann?

Einen faden Nachgeschmack hinterlässt der neue McKinsey-Beratungsjob für die Senatskanzlei aber auch deshalb, weil er für mich ein Schlaglicht darauf wirft, wie wenig der Regierende Bürgermeister auf die Leistungen der Integrations- und Bildungsverwaltung vertraut. Denn eigentlich ist es die Aufgabe der Fachverwaltungen, einen Masterplan zu entwickeln. Und wenn diese Verwaltungen meinen, dafür Hilfe zu brauchen, müssten sie sich die holen. Und nicht der Regierungschef sie verordnen.

Beitrag von Ute Schuhmacher (rbb-Landespolitik)

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