Archivbild: Ein Erweiterungmodul einer Schule in Berlin-Hohenschönhausen. Ähnliche Gebäude sollen für Flüchtlinge entstehen. (Quelle: dpa)

Neue Unterkünfte für Flüchtlinge an 90 Standorten - Marzahn-Hellersdorf bekommt acht Modularbauten

Auch wenn derzeit weniger Flüchtlinge täglich Berlin erreichen - der Bedarf an Unterbringungsmöglichkeiten bleibt hoch. Deshalb will der Senat an 90 Standorten bauen. Zwei Drittel der Neubauten sollen Modulare Unterkünfte werden, ein Drittel Container. Marzahn-Hellersdorf hat die Standorte für acht Modularbauten schon veröffentlicht.

Der Berliner Senat und der Bezirk Marzahn-Hellersdorf haben sich auf Grundstücke geeinigt, auf denen Modulare Unterkünfte für Flüchtlinge (MUFs) gebaut werden sollen. Acht Standorte wurden dafür am Dienstag präsentiert. Darin enthalten sind auch zwei Grundstücke, die bereits bekannt beziehungsweise in Planung waren.

Standorte in Marzahn-Hellersdorf im Überblick

  • Märkischen Allee, Martha-Arendsee-Str.
  • Wittenberger Str. 16
  • Buckower Ring 54, 56
  • Pöhlbergstr. 13, Bärensteinstr.
  • Albert-Kuntz-Str. neben Nummer 41 (Böschung)
  • Albert-Kuntz-Str. neben Nummer 41
  • Rudolf-Leonhard-Str. 7 A
  • Rudolf-Leonhard-Str. 13

Der Bau auf zumindest einem der Grundstücke soll "in Kürze" starten, ließ der Bezirk in einer Mitteilung wissen. Für den Standort Märkische Allee liege bereits eine Baugenehmigung vor. Nach Angaben des Senats könnten die MUFs dort innerhalb von sechs Monaten gebaut werden.

Im Gegenzug soll eine Turnhalle, in der jetzt Flüchtlinge untergebracht sind, wieder für den Sport nutzbar sein. Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) rechnet damit, dass zwei der Unterkünfte noch in diesem Jahr eröffnet werden können, wie er dem rbb sagte. Nun gelte es außerdem, Beratungs- und Integrationsangebote, die notwendige öffentliche Infrastruktur, wie Kita- und Schulerweiterungen "zügig und einstimmig mit dem Senat" anzugehen.

700 Millionen Euro für Flüchtlingsunterkünfte 2016/2017

Zusätzlich zu den 60 insgesamt in Berlin geplanten MUFs sollen 30 Containerdörfer entstehen. Sie sollen kurzfristig den dringendsten Bedarf decken, so Kollatz-Ahnen, und sind nur für eine Übergangszeit von drei Jahren ausgelegt, "um zu unterstrichen, dass es sich um temporäre Bebauung handelt". Drei der Container-Standorte bestätigte der Senat am Dienstag: Elisabeth-Aue, Buckower Felder und Tempelhofer Feld.

In den Modularbauten und Containern sollen bis zu 30.000 Schlafplätze geschaffen werden - in einer ersten Phase in 26 MUFs und in 30 Containerdörfern. Dabei können die Containerdörfer deutlich früher fertiggestellt werden, vermutlich schon bis Mitte Juli. An jedem der Standorte sollen maximal 500 Flüchtlinge leben.

Insgesamt will das Land für Flüchtlingsunterkünfte in diesem und im nächsten Jahr 700 Millionen Euro ausgeben. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen rechnete am Dienstag vor, wie sich die Kosten amortisieren. Demnach rentierten sich Containerunterkünfte bereits nach 1,5 Jahren, MUFs nach acht bis zehn Jahren. "MUFs haben aber auch eine langfristigere Nachnutzungsperspektive", ergänzte Kollatz-Ahnen. "Zum Beispiel als Wohnquartiere für Familien, Studenten, oder für von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen."

100 aus 5.530 Standorten ausgewählt

Der Senat hat Grundstücke von den landeseigenen Unternehmen, den Bezirken, dem Bund, dem Evangelischen Friedhofsverband und privaten Anbietern überprüft, insgesamt 5.530 Flächen. Davon haben sich laut Bezirksunterlagen 100 als geeignet herausgestellt. Von den mehr als 4.000 Grundstücken, die die Bezirke dem Senat für Modulare Unterkünfte angeboten haben, waren demnach nur sieben auch für entsprechende Baumaßnahmen geeignet.

Die genauen Standorte für die Containerdörfer und Fertighäuser nannte der Senator nicht, da zuerst die Bezirke informiert werden sollen. Sie seien allerdings an der Auswahl der Grundstücke beteiligt gewesen. Von den ersten 26 Modularbauten sollen zusätzlich zu den acht Standorten in Marzahn-Hellersdorf vier in Lichtenberg, je drei in Pankow, Neukölln und Steglitz-Zehlendorf und zwei in Treptow-Köpenick entstehen. Friedrichshain-Kreuzberg, Spandau, Reinickendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf sind in der ersten Phase nur mit je einem Fertighaus vertreten, in Mitte und Tempelhof-Schöneberg entsteht zunächst kein MUF.

Mit Informationen von Jan Menzel

Das könnte Sie auch interessieren

Ariana aus Syrien geht am 30.07.2014 mit einem Verwandten über den Hof in einem Flüchtlingsheim in Berlin-Hellersdorf (Quelle: dpa)

Flüchtlingsheim in Berlin-Hellersdorf - Heimbetreiber PeWoBe vor dem Rausschmiss

Der Verein "Hellersdorf hilft" spricht von skandalösen Zuständen im Flüchtlingsheim in der Maxie-Wander-Straße. Der Bezirk fordert die Ablösung des Heimbetreibers, dieser weist alle Vorwürfe als haltlos zurück: Mittlerweile wurden die Qualitätsprüfer vom LaGeSo auf den Plan gerufen, der Senat steht unter Zugzwang. Von Thomas Rautenberg

Rund 20 alleinreisende Flüchtlinge campieren am 27.07.16 vor dem ICC, weil sie statt in Notunterkünften in regulären Heimen untergebracht werden wollen. (Quelle: rbb/Robin Avram)

Bezirk will Camp nicht dulden - Geflüchtete protestieren weiter vor dem ICC

Seit einer Woche campieren Geflüchtete vor dem ICC, weil sie nicht länger in Notunterkünften untergebracht werden wollen. Für Familien hat das Lageso inzwischen eine bessere Unterbringung gefunden - aber für die rund 20 alleinreisenden Männer gebe es keine andere Option. Der Bezirk will weitere Übernachtungen nicht dulden. Von Robin Avram