Blick auf die Baustelle eines Containerdorfs für Flüchtlinge in Berlin. (Quelle: dpa)

Wohnraum für zehntausende Flüchtlinge in Berlin - An diesen Orten entstehen die neuen Unterkünfte

Das Ringen um neue feste Unterkünfte für Flüchtlinge zwischen den Bezirken und dem Senat hat vorerst ein Ende. Beide Seiten einigten sich am Dienstag auf 68 Standorte für MUFs und Containerdörfer - zwei davon Doppelstandorte. Die Heime sollen Notunterkünfte ersetzen. Für viele Schulen hieße das: Sie bekommen ihre Turnhallen zurück.

Werden es Modularbauten oder ein Containerdorf, soll in Marzahn oder in Tempelhof gebaut werden? Am Dienstag haben sich der Berliner Senat und die Bezirke nach zähem Ringen auf 68 Standorte für neue Flüchtlingsunterkünfte geeinigt. Zwei davon - auf dem ehemaligen Flugfeld Tempelhof und am Fürstenwalder Damm in Friedrichshagen (Treptow-Köpenick) - sind als Doppelstandorte für gleich zwei Containerdörfer vorgesehen.

Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus begrüßten die Einigung. Fraktionschefin Antje Kapek sagte dem rbb-Inforadio am Mittwoch, es sei gut, dass das unwürdige Gezerre der letzten Tage ein Ende gefunden habe. Sie warf der CDU in der Sache eine Blockadehaltung vor, die nur diejenigen bestärke, die ohnehin Ressentiments gegen Flüchtlinge hätten.

Die Zustimmung der Bezirke liegt laut einer am Dienstag veröffentlichten Liste für 52 der Standorte bereits vor. In der Liste [pdf] sind die Standorte nach Bezirken und nach Art der geplanten Unterkunft aufgelistet - für insgesamt 42 sogenannte MUFs ("Modulare Unterkunft für Flüchtlinge") und 26 Containerdörfer.

Über einige Standorte wird aber wohl künftig - trotz Zustimmung der Bezirke - noch gesprochen werden. So sagte Birgit Monteiro (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Lichtenberg am Mittwoch im rbb-Inforadio, über den Standort "Am Breiten Luch" (nahe S-Bahnhof Hohenschönhausen) müsse noch einmal geredet werden. Dabei sei zu klären, welches Grundstück für Wohnen oder Flüchtlingsunterkünfte und welches für die notwendigen Schulen und Kitas genutzt wird. Auch der Bezirksbürgermeister von Spandau, Helmut Kleebank (SPD), kündigte an, einen Standort für Flüchtlingsunterkünfte in Modulbauweise noch bezirksintern tauschen zu wollen. Mit der Verteilung der Flüchtlinge zeigte er sich aber grundsätzlich einverstanden.

680 Millionen Euro eingeplant

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) teilte mit, am 3. März solle im Hauptausschuss der Berliner Abgeordnetenhaus über die Bereitstellung der Mittel entschieden werden, für den Bau der Containerdörfer laufe zudem die Ausschreibung bereits.

In den nächsten zwei Jahren sollen insgesamt an 90 Standorten Fertighäuser und Containerdörfer für knapp 40.000 Flüchtlinge entstehen. Dafür sind knapp 680 Millionen Euro eingeplant. Mit den neuen Unterkünften will der Senat vor allem die rund 30 Turnhallen freiziehen, in denen jetzt noch an die 10.000 Flüchtlinge leben.

Bezirke, die derzeit noch weniger Menschen unterbringen, sollen demnach künftig mehr Plätze bereitstellen. Das sind momentan Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln, Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf. Ziel sei eine gerechte Verteilung über die Bezirke, betonte Sozialsenator Czaja.

Anfang Mai soll über weitere Standorte entschieden werden, weil dann genauere Prognosen über die Zahl neu ankommender Flüchtlinge vorliegen. Für das Frühjahr erwartet der Senat wieder mehr nach Berlin geflüchtete Menschen. Im Januar und Februar hatten die Zahlen deutlich abgenommen.

(Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt)
Entwurf einer Etage im MUF

Nicht alle Unterkünfte noch 2016 fertig

Kollatz-Ahnen teilte am Dienstag nun auch mit, dass 26 von 30 geplanten Standorten für die Errichtung von Wohncontainern feststehen. In keinem Bezirk sollten zu viele sein, in keinem gar keine, so der Finanzsenator. Czaja ergänzte, fünf Standorte pro Bezirk seien Minimum, neun das Maximum.

Geliefert werden sollen die Container voraussichtlich im Mai, die Aufstellung sei für den Juni geplant. Noch in diesem Jahr könnten mit den geplanten Containerdörfern und MUFs bis zu 34.000 Menschen untergebracht werden.

Etwa die Hälfte der Unterkünfte wird zunächst durch SIWA-Mittel ("Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt") finanziert, die übrigen durch Wohnungsbaugesellschaften. Nicht alle würden in diesem Jahr fertiggestellt werden, sagte Sozialsenator Czaja, aber das sei das jetzt Leistbare in diesem Jahr. Es werde ein großer Kraftakt, das zu schaffen.

"Bienen werden nicht nach Flugkilometern bezahlt"

Auf die Frage, warum die Entscheidungsfindung so lange gedauert habe, sagte Kollatz-Ahnen, manche guten Entscheidungen würden halt dauern. "Ich bin froh, dass wir heute ein Ergebnis haben." Czaja stellte fest: "Die Bienen werden nicht nach Flugkilometern bezahlt, die sie zurücklegen, sondern nach dem Honig, den sie nach Hause bringen. Und der Honig kann sich sehen lassen."

Es sei nach wie vor Ziel, Flüchtlinge halbwegs kostengünstig unterzubringen. Wenn ein Flüchtling zehn Euro pro Tag koste, dann hätte man die Kosten für die Container innerhalb von zwei Jahren wieder raus.

Eigentlich hätten die Standorte der modularen Bauten zur Unterbringung von Geflüchteten längst feststehen sollen. Der Senat und die Bezirke konnten sich aber zunächst nicht auf die Aufstellungsflächen aller rund 60 geplanten Fertigbauhäuser einigen, da diese Bauten für Jahrzehnte errichtet werden sollen. Zahlreiche Bezirke hatten ihr Veto gegen geplante Standorte in ihren Kiezen eingelegt.

Beitrag von

Das könnte Sie auch interessieren