Die Wagenburg KANAL in Neukölln (Quelle: Wagenburg KANAL e.V.)

Standort der Wagenburg in der Kiefholzstraße gefährdet - Flüchtlinge sollen Flüchtlingen weichen

Die Wagenburg "Schwarzer Kanal" musste schon zwei Mal Bauprojekten weichen. Nun könnten die Bewohner auch ihren dritten Standort in Neukölln verlieren, denn der Bezirk will dort 500 Flüchtlinge unterbringen. Man könne doch auch zusammen den Platz nutzen, meint die Bürgermeisterin. Doch das dürfte sehr schwierig werden. Von Susanne Bruha

Ein wäldchenhaftes Grundstück an der Kiefholzstraße 74 im Berliner Bezirk Neukölln – hier will das Land Berlin eine Modularunterkunft für Flüchtlinge bauen. Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey trägt die Entscheidung gegen den Wagenplatz mit. "Das sind im Moment etwa 20 Bewohner auf über 8.000 Quadratmetern. Um eine mobile Unterkunft für 450 bis 500 Menschen zu errichten, braucht man 5.000 Quadratmeter. Das ist einfach kein Verhältnis", erklärt die Neuköllner Bürgermeisterin.

Qualität gegen Quantität fordern hingegen die Bewohnerinnen. "500 Menschen in ein Massenlager zu stecken, das ist nicht mehr menschenwürdig", sagt die Bewohnerin Fatima. Seit 30 Jahren gibt es den Bauwagenplatz "Schwarzer Kanal" am mittlerweile dritten Standort in Berlin. Der Wagenplatz habe sich inzwischen zu einem sensiblen und sicheren Rückzugsort für Frauen, Lesben und Trans-Personen mit Fluchthintergrund entwickelt.

Wagenburgler nur geduldet

"Alle vergessen, dass es Refugee-Frauen und auch queere Refugee-Frauen gibt. Die werden ignoriert und niemand redet über sie", sagt Fatima. "Was man auch im Hinterkopf behalten muss: Das Outing ist nicht einfach, deshalb braucht man einen vertraulichen Knotenpunkt und wir machen die Arbeit seit Jahren."

Und diese Kulturarbeit findet in dem Wohnprojekt statt: Auf dem Gelände gibt es eine Fahrradwerkstatt, Workshops zu Antidiskriminierung, aber auch ein Kino oder Konzerte. Seit zwei Jahren sind die Wagenburgler auf dem Platz allerdings nur auf dem Platz geduldet.

Giffey will gemeinsame Nutzung prüfen

Vertragsverhandlungen waren an einer Klausel gescheitert. "Die genaue Formulierung war, dass wir Flüchtlingen, Menschen ohne Aufenthaltstitel, kein Obdach leisten dürfen, sonst gebe es eine fristlose Kündigung. So einen rassistischen Paragraphen können wir überhaupt nicht unterschreiben", sagt Fatima. Das Land Berlin wolle sich damit wohl gegen einen zweiten Oranienplatz absichern - verständlich für Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey, die das Projekt jetzt erstmal kennenlernen will. "Das Grundstück ist sehr groß und die Frage ist jetzt, ob es dort gegebenfalls eine gemeinsame Nutzung geben könnte", so Giffey.

Für die Bewohnerinnen des Wagenplatzes kommt das eher nicht infrage. Eine solche Massenunterkunft sei mit einem selbstorganisierten Projekt mit einem zudem besonders schutzbedürftigen Personenkreis schwer zu vereinbaren. "Alle reden jetzt über die Refugee-Problematik und es gibt auch Kommentare, dass wir "Anti-Refugee" sind", erzählt Fatima. "Das ist super absurd, wenn ein großer Teil von uns selbst Refugees sind. Es geht für uns darum, selbst organisierte Plätze zu haben und wir können nicht alles durch die Stadt kontrollieren lassen. So funktioniert keine Demokratie." 

Beitrag von Susanne Bruha

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