Flüchtlingsnotunterkunft in Berlin-Karlshorst (Quelle: rbb)
Video: Abendschau | 16.03.2016 | Agnes Taegener

Heimleiter in Berlin-Karlshorst beendet Zusammenarbeit - Sicherheitsfirma in Flüchtlingsunterkunft gekündigt

Eine Massenschlägerei in der Flüchtlingsnotunterkunft in Berlin-Karlshorst hat jetzt Konsequenzen: Der Heimbetreiber hat der Security-Firma gekündigt. Die Sicherheitsleute sollen die Schlägerei selbst ausgelöst und den Leiter der Unterkunft verletzt haben. Der Heimbetreiber hat außerdem neue Anforderungen für Security-Firmen beschlossen.

Der Betreiber der Notunterkunft für Flüchtlinge in Berlin-Karlshorst hat nach Untersuchung einer Massenschlägerei dort dem Sicherheitsunternehmen gekündigt. Die SozDia Stiftung habe die Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma beendet, sagte deren Vorstandsvorsitzender Michael Heinisch am Mittwoch.

Sicherheitsfirmen mangelt es an sozialer Kompetenz

Die Sicherheitsleute hätten die gewalttätigen Vorfälle in der Nacht zum 26. Februar ausgelöst und den Leiter der Notunterkunft in einer Turnhalle schwer verletzt, so Heinisch. Zunächst hatte es geheißen, die Gewalt sei von den Bewohnern ausgegangen.

Zudem habe die Stiftung einen Anforderungskatalog für Sicherheitsunternehmen erarbeitet. Dazu gehöre, dass die Standards für die Arbeit der Securityfirmen erhöht und auch ständig kontrolliert werden müssten. "In der Rolle als Träger von Notunterkünften, wie vielfach in Berlin anzutreffen, sind sie strukturell ungeeignet", warnte Heinisch. Sicherheitsfirmen hätten für Sicherheit zu sorgen. Doch ihnen fehle die soziale Kompetenz und Sensibilität für die Integration geflüchteter und vielfach traumatisierter Menschen.

Unterbringung in Turnhallen so kurz wie möglich

Zudem sollte die Unterbringung von Flüchtlingen in behelfsmäßigen Wohnformen wie Turnhallen oder Gemeinschaftsunterkünften auf sehr kurze Zeit - wenige Tage oder maximal wenige Wochen – begrenzt werden, forderte die Stiftung. Tatsächlich blieben viele Menschen dort Wochen und Monate. Zudem sollten die Flüchtlinge dezentral untergebracht werden, nicht in großen Heimen.

Auswertung von Handy-Videos

Die Security-Leute hatten dem Leiter Christoph Wiedemann bei der Schlägerei einen Metallgegenstand ins Gesicht geworfen, wodurch er eine Gesichtsfraktur erlitt. Bei der Schlägerei, in der auch Kanthölzer eingesetzt wurden, waren auch ein Flüchtling und ein Polizist verletzt worden.

Nach Zeugenaussagen und mehreren ausgewerteten Handy-Videos teilte die SozDia Stiftung Anfang März mit, dass es "keine belastbaren Hinweise" dafür gibt, dass die Gewalt und Provokationen von den Flüchtlingen ausgegangen seien.

Zu der Auseinandersetzung sei es gekommen, als ein Bewohner der Notunterkunft dem Einrichtungsleiter und anderen Bewohnern berichtet habe, er sei von Mitarbeitern der Sicherheitsfirma geschlagen worden. Daraufhin hätten einige Mitarbeiter der Sicherheitsfirma dem Einrichtungsleiter und den Bewohnern Konsequenzen angedroht für den Fall, dass sie den Fall bei der Polizei anzeigen würden. Als der Einrichtungsleiter jedoch die Polizei verständigte, sei die Lage eskaliert.

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