Ein Tiger geht am Donnerstag (16.06.2016) in einem Aufbau der Aktion "Flüchtlinge Fressen - Not und Spiele". Die Gruppe Zentrum für politische Schönheit sucht in einer Kunstaktion Flüchtlinge, die sich fressen lassen (Quelle: imago/CommonLens)

Neueste Aktion vom Zentrum für politische Schönheit - Innenministerium findet #FluechtlingeFressen zynisch

Das Bundesinnenministerium hat die Künstleraktion "Flüchtlinge Fressen" als "zynisch" bezeichnet. Das "Zentrum für politische Schönheit" will am Montag zwei Geflüchtete präsentieren, die sich angeblich von vier Tigern vorm Berliner Maxim Gorki Theater fressen lassen wollen - es sei denn, die Bundesregierung ändert ihre Einreisepolitik.

"Unangemessen und zynisch" - so nennt das Bundesinnenministerium die Berliner Künstleraktion "Flüchtlinge Fressen". Das für provokante Kampagnen bekannte "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) hatte vor dem Maxim Gorki Theater eine Arena mit lebenden Tigern aufgebaut. Darin werden sich angeblich Flüchtlinge freiwillig den Tieren zum Fraß vorwerfen, falls die Bundesregierung nicht im Sinne der Künstler handelt, nämlich das Aufenthaltsgesetz ändert und am 28. Juni 100 Syrer mit dem Flugzeug aus der Türkei nach Deutschland bringt.

"Geschmacklose Inszenierung"

Das Ministerium teilte am Freitag mit: "Es handelt sich um eine geschmacklose Inszenierung, die auf dem Rücken der Schutzbedürftigen ausgetragen werden soll." Die gesetzlich vorgesehenen Einreisevoraussetzungen würden durch solche Aktionen nicht außer Kraft gesetzt. "Zur Beantwortung der Frage, ob die Regierung diesen Flug (aus der Türkei) genehmigen wird oder nicht, liegen nicht genügend Informationen über den geplanten Flug vor."

Arena mit vier Tigern vor dem Maxim Gorki

Das ZPS hatte bekannt gegeben, es habe zwei Flüchtlinge gefunden, die dazu bereit sind, sich von Tigern fressen zu lassen. Wie das Künstlerkollektiv am Freitag mitteilte [Link zur Facebookseite], will es die beiden am Montagmittag auf einer Pressekonferenz im Berliner Maxim Gorki Theater vorstellen.

Am Donnerstag rief das ZPS verzweifelte Menschen "mit Flüchtlingshintergrund" dazu auf, sich am 28. Juni 2016 "öffentlich fressen zu lassen". Vor dem Gorki-Theater in Berlin-Mitte wurde dazu eine Arena aufgebaut, in der vier Tiger eingesperrt sind. Den Tieren gehe es "den Umständen entsprechend, aber sie haben Hunger", teilte das ZPS am Freitag weiter mit.

Screenshot Facebook Seite Zentrum für politische Schönheit (Quelle: Facebook/ZPS)
Am Montag sollen die Flüchtlinge der Öffentlichkeit präsentiert werden

Flug der "Joachim 1" soll zu 20 Prozent finanziert sein

Mit der Aktion will das Zentrum nach eigenen Angaben gegen Paragraf 63 Absatz 3 des Aufenthaltsgesetzs protestieren. Dieses verbietet Beförderungsunternehmern bei Strafe, Ausländer ohne Pass und Aufenthaltserlaubnis ins Bundesgebiet zu bringen. Die Aktivisten bemängeln, dass dadurch Flüchtlinge nicht auf sicherem Weg nach Europa gelangen können, sondern von der Türkei aus die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer machen müssten.

Zahlreiche Familienangehörige von Flüchtlingen, die bereits in Deutschland seien, würden noch in der Türkei festsitzen, kritisiert das Zentrum. Auch diese seien vom Ertrinkungstod bedroht. Daher werde das ZPS mit Hilfe von Spendengeldern versuchen, mit einem Flugzeug - der "Joachim 1" - 100 Menschen einfliegen zu lassen. Am Freitag gab das ZPS bekannt, dass der Flug bereits zu 20 Prozent finanziert sei.

Abstimmung über Kandidaten

In einem Video des Zentrums heißt es: "Spenden Sie, damit die 'Joachim 1' abheben kann und entscheiden darüber, welche Familien an Bord Platz nehmen können und welche im Mittelmeer ertrinken sollen." Auf der Webseite flugbereitschaft.de kann man sich das Video ansehen - und über die Kandidaten abstimmen, die mitfliegen dürfen.

Sollte die Bundesregierung den Paragrafen nicht umgehend abschaffen und die Menschen einfliegen lassen, werde das Flugzeug in den Vatikan ausweichen, heißt es zu Beginn des Videos. An anderer Stelle heißt es, das Flugzeug werde möglicherweise leer, aber "in jedem Fall am 28. Juni" in Berlin landen. "Eine Nicht-Äußerung nehmen wir als Nein", heißt es.

Die Arena mit den Tigern ist nach Angaben des ZPS täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet. Außerdem wird täglich um 18:45 Uhr das Stück "Not und Spiele" vor dem Theater aufgeführt. Im Anschluss gibt es Diskussionsrunden und eine kommentierte Fütterung der Tiger.

Heftige Reaktionen im Netz

Die provokante Aktion des Zentrums sorgt im Netz für heftige Reaktionen. Die User von rbb|24 reagierten in ihren Kommentaren unter der Meldung vom Freitag überwiegend ablehnend. "Ganz klarer Fall für die Psychiatrie und den Verfassungsschutz!", kommentierte "Michael".

"Matze" schrieb: "Vielleicht sollten sich die Vollpfosten von Aktivisten lieber selber fressen lassen. Obwohl ich glaube, dass die armen Tiger sich dabei den Magen verderben!" Auf der Facebook-Seite von rbb|24 kommentierte "Lothar Hobeck": "Auch wenn's provozierend wirken soll, diese Aktion ist makaber und noch menschenverachtender und wird nichts erreichen und verbessern!"

Auf Twitter dagegen fallen die Reaktionen deutlich gelassener aus. Dort wird die Aktion unter dem Hashtag #fluechtlingefressen kommentiert.

Kreuze für Mauertote entwendet

Es ist nicht das erste Mal, dass die politische Künstlergruppe "Zentrum für Politische Schönheit" (ZPS) mit seinen Aktionen provoziert und die Aufmerksamkeit auf politisch brisante Themen lenkt. Zum Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2014 hatte die Gruppe 14 Kreuze an der Gedenkstätte "Weiße Kreuze" entwendet, um auf die Lage der Flüchtlinge an der europäischen Grenze aufmerksam zu machen. Die Aktion hatte bundesweit für Aufsehen und kontroverse Debatten gesorgt.

Im vergangenen Juni kündigten die Aktivisten an, sie wollten ertrunkene Flüchtlinge exhumieren und in Berlin bestatten lassen. Im Oktober letzten Jahres startete eine Aktion, bei der Rettungsinseln im Mittelmeer verankert werden sollten.

Die Aktionen des Zentrums für Politische Schönheit

Kommentar

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1 Kommentare

  1. 1.

    Es ist strukturell faschistisch, was das Zentrum da als Flüchtlingsaktivismus inszeniert. Trump, Ruch und Sellner sind die großen Vertreter unserer Zeit der vereinfachten Flüchtlingsfrage. Nur beim Zentrum allerdings kann man sich darauf zurück ziehen, dass es nur Theater ist, wenn Schönheit und Politik eine Einheit eingehen. Das Zentrum als angewandter Carl Schmitt bleibt eine wunderbare Farce.

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