in Mann in Römer-Kostüm und ein Tiger sind Teil der Aktion "Flüchtlinge fressen" vom Berliner Zentrum für Politische Schönheit. (Quelle: rbb / Markus Streim)
Video: Abendschau | 20.06.2016 | Antje Tiemeyer

Umstrittene Tiger-Aktion am Gorki Theater - "Ich werde mich von Europa fressen lassen"

Das "Zentrum für Politische Schönheit" macht ernst: Die Künstler präsentierten am Montag eine Freiwillige, die sich in der Tiger-Arena am Gorki-Theater fressen lassen will - wenn nicht 100 syrische Flüchtlinge aus der Türkei nach Berlin ausgeflogen werden. Kultur-Staatssekretär Renner hat sich inzwischen hinter die Kunstaktion gestellt. 

Die syrische Schauspielerin May Skaf hat am Montag damit gedroht, sich mitten in Berlin von vier libyschen Tigern fressen zu lassen. Hintergrund ist die umstrittene Aktion "Flüchtlinge fressen - Not und Spiele", die von der Künstlergruppe "Zentrum für Politische Schönheit" (ZPS) ins Leben gerufen wurde.

Wenn die Politik in den nächsten acht Tagen nicht ein deutliches Zeichen setze, werde sie sich "von Europa fressen lassen", sagte Skaf anlässlich des Weltflüchtlingstags. Unter Tränen berichtete sie von ihrer Flucht vor dem Krieg und rief dazu auf, das Sterben im Mittelmeer zu beenden. "Ich habe nichts mehr zu verlieren, weil ich alles verloren habe", so die Syrerin auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz.

"Ich habe nichts mehr zu verlieren"

Um auf das Schicksal syrischer Flüchtlinge aufmerksam zu machen, hatte das ZPS in der vergangenen Woche vor dem Gorki Theater in Berlin-Mitte eine Arena aufgebaut, in der die vier Tiger gehalten werden. Neben Skaf hätten sich noch sechs andere Flüchtlinge gemeldet, die bereit seien zu sterben, sagte Cesy Leonhard vom ZPS am Montag dem rbb. "Wir wollen mit unserer Aktion erreichen, dass Menschen nicht mehr über den unsicheren Seeweg zu uns kommen, sondern dass es den Menschen erlaubt ist, mit dem Flugzeug zu uns zu reisen", so Leonhard auf Radioeins. Durch die Gesellschaft müsse ein "Aufschrei" gehen. Durch die Tiger könne dieser Aufschrei "öffentlichkeitswirksam dargestellt werden", sagte die Kunst-Aktivistin.

Deutschland verbietet Beförderung ohne Papiere

Die für ihre Provokationen bekannte Künstlergruppe will eine Änderung des Paragrafen 63 des Aufenthaltsgesetzes erreichen, der die Beförderung von Ausländern ohne Papiere verbietet. Dieser Paragraf sei ein "tödlicher Paragraf", sagte Leonhard weiter. Er sei "dafür verantwortlich, dass tagtäglich Menschen auf dem Weg zu uns sterben, nachdem sie vor Krieg und Hunger geflohen sind".

Von der Bundesregierung fordert das ZPS die Genehmigung, am 28. Juni eine Gruppe von 100 Syrern mit dem Flugzeug aus der Türkei nach Deutschland bringen zu dürfen, damit diese nicht im Mittelmeer ertrinken. Mithilfe von Crowdfunding-Mitteln soll dazu ein Flugzeug mit dem Namen "Joachim 1" gechartert werden. Die Daten der 100 Syrer, "die in Deutschland ohne jeden Zweifel ein Recht auf Asyl haben", seien der Bundesregierung übermittelt worden, heißt es auf der Website des ZPS.

Kulturstaatssekretär Renner stellt sich hinter die Aktion

Das Bundesinnenministerium hatte die Aktion vor einigen Tagen noch als "zynisch" bezeichnet. Dagegen hat sich der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) am Montag hinter die Künstler gestellt. Es liege in der Verantwortung des Gorki Theaters, welche künstlerischen Gruppen es einlade, sagte Renner. Und: "Die Aufgabe von Kunst ist nicht, bequem zu sein."

Protest kam vom Berliner Tierschutzverein (TVB). "Der Zweck heiligt nicht die Mittel", teilte TVB-Präsident Wolfgang Apel per Pressemitteilung mit. "Wieder einmal werden freiheitsliebende Wildtiere in Gehege gesperrt, vorgeführt und für ihrer Natur völlig widersprechende Zwecke missbraucht." Zwar sei es sehr wichtig, auf die dramatische Situation der Flüchtlinge und auf die Mängel in der europäischen Flüchtlingspolitik aufmerksam zu machen, so Apel. Jedoch nicht auf Kosten unschuldiger Tiere. Er appelliere daher an die Initiatoren der Aktion, auf den Einsatz der Wildtiere zu verzichten.

Die Aktionen des Zentrums für Politische Schönheit

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