Tigerkäfig vor dem Maxim Gorki Theater, aufgebaut vom Zentrum für politische Schönheit (Quelle: imago/Rolf Zöllner)

Künstlergruppe lässt Aktion "Flüchtlinge fressen" weiterlaufen - Der Tigerkäfig vorm Gorki bleibt stehen

Die Genehmigung hat das Bezirksamt zurückgezogen - das "Zentrum für politische Schönheit" will dennoch die Tiger-Arena am Gorki Theater nicht abzubauen. Im Gegenteil: Die Künstler halten daran fest, dass sich eine Freiwillige von einem Tiger fressen lassen soll. Inzwischen gibt es neben dem Bezirksamt aber weitere Hürden.

Der Käfig samt den vier libyschen Tigern steht noch immer am Gorki Theater in Berlin-Mitte – einsatzbereit, damit sich die syrische Schauspielerin May Skaf von ihnen fressen lässt. Ungeachtet der Tatsache, dass das Bezirksamt Berlin-Mitte dem "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) inzwischen die Genehmigung für die Aktion entzogen hatte, hält die Künstlergruppe daran fest. In einem Tweet fragt das ZPS provokant, ob der Käfig eine Parkkralle bekomme, wenn man ihn nicht abbaue.

Das Bezirksamt teilte derweil mit, das "öffentliche Straßenland" sei innerhalb der nächsten zehn Tage zu räumen. Zur Begründung sagte Bezirksstadtrat Carsten Spallek, die Aktion dürfe nur so stattfinden, wie sie beantragt und von der Behörde gestattet wurde. Dem Amt seien jedoch erforderliche Daten vorenthalten worden. Aus Sicht des Bezirks falle die Aktion nicht ins Straßengesetz. Letztlich hätten die Künstler die "Meinungskundgabe" nicht beim Amt genehmigen lassen, sondern bei der Versammlungsbehörde - also bei der Polizei - anmelden müssen.

Mit der Zehn-Tage-Frist bliebe aber noch genügend Zeit für die Künstleraktion, da diese bis zum 28. Juni erfolgen soll.

Mit der umstrittenen Aktion "Flüchtlinge fressen - Not und Spiele" will die Künstlergruppe eine Änderung des Paragrafen 63 des Aufenthaltsgesetzes erreichen. Dieser verbietet die Beförderung von Ausländern ohne Papiere. Dieser Paragraf sei ein "tödlicher Paragraf", erläuterte Cesy Leonhard, Planerin beim ZPS, am Montag. Er sei "dafür verantwortlich, dass tagtäglich Menschen auf dem Weg zu uns sterben, nachdem sie vor Krieg und Hunger geflohen sind".

Debatte jetzt auch auf Bundesebene

Von der Bundesregierung fordert das ZPS die Genehmigung, am 28. Juni eine Gruppe von 100 Syrern mit dem Flugzeug aus der Türkei nach Deutschland bringen zu dürfen, damit diese nicht im Mittelmeer ertrinken. Mithilfe von Crowdfunding-Mitteln soll dazu ein Flugzeug mit dem Namen "Joachim 1" gechartert werden. Die Daten der 100 Syrer, "die in Deutschland ohne jeden Zweifel ein Recht auf Asyl haben", seien der Bundesregierung übermittelt worden, heißt es auf der Website des ZPS.

Nachdem sich am Montag bereits Kultur-Staatssekretär Tim Renner (SPD) hinter die Aktion gestellt hatte, kam das Thema am Mittwoch auch im Bundestag auf. Auf die Frage von Oppositionsseiten, wie die Bundesregierung mit der Forderung umgehen wolle, und ob sie dies auch in der Kabinettssitzung thematisiert habe, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), es sei in der Sitzung kein Thema gewesen. Jedoch sei die Regierung grundsätzlich der Auffassung, dass eine Einreise in die Bundesrepublik nur mit der notwendigen Erlaubnis und über die deutschen Konsulate erfolgen sollte.

Website zur "Flugbereitschaft" down

Im Gegensatz zur Website des ZPS selbst war die Seite zu der Aktion flugbereitschaft.de am Mittwoch über mehrere Stunden offline. Wie die Gruppe auf Twitter mitteilte, vermutete sie eine Attacke, die den Webserver bewusst lahm gelegt hat - einen Tweet dazu versah die Gruppe mit dem Hinweis "#wirhabenwohlfeinde". Das ZPS forderte daher seine Unterstützer auf, Spenden von nun an direkt per Online-Bezahlsystem zu überweisen. Von den geplanten 80.000 Euro seien bislang schon rund 51.000 Euro eingegangen, so die Gruppe auf ihrer Seite.

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